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Anwohner stinksauer: Baufirma reißt neue Straße auf - an der falschen Stelle

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Von: Sebastian Grauvogl

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Notdürftig geflickt: die Hagnbergstraße (l.) beim Hammerwirt nach dem Abzug der Baufirma.
Notdürftig geflickt: die Hagnbergstraße (l.) beim Hammerwirt nach dem Abzug der Baufirma. © Christian Scholle

Um Breitbandleitungen zu verlegen, hat eine Baufirma im Auftrag der Telekom in Fischbachau eine neue Straße aufgerissen. Und das, obwohl die Kabel hier gar nicht hingehört hätten.

Fischbachau – Als sich die Asphaltschneidemaschine mit einem lauten Kreischen in die Hagnbergstraße versenkte, trauten die Anwohner im Ortsteil Hammer ihren Augen und Ohren nicht. Wieso wird eine erst vor wenigen Jahren neu geteerte Fahrbahn schon wieder aufgerissen?

Eine Nachfrage bei den Bauarbeitern vor Ort gestaltete sich schwierig, berichtete Lothar Prack (Neue Liste) nun im Fischbachauer Gemeinderat. „Da hat niemand Deutsch gesprochen.“ Zumindest so viel habe man aber in Erfahrung bringen können: Die Firma war von der Telekom beauftragt worden, Breitbandleitungen fürs schnelle Internet zu verlegen. Spätestens jetzt schrillten bei Prack – selbst Ingenieur – die Alarmglocken. Sein Verdacht: Die Arbeiter baggern an der falschen Stelle.

Neue Straße aufgerissen: Leitungen hätten in Parallelstraße verlegt werden sollen

Einige Telefonate später stellte sich dann heraus, dass die Sorge berechtigt war. Laut Plan hätte die Trasse über die parallel verlaufende Wendelsteinstraße verlaufen sollen, so Prack. Und auch hier nicht unter dem Asphalt, sondern daneben im Bankett. Als die Bauleute dies erfuhren, stoppten sie die Maschinen und wechselten an die richtige Stelle, erzählte ein reichlich fassungsloser Prack seinen Ratskollegen. Den bereits aufgerissenen Asphalt hätten sie eilig mit Teer zugeschüttet.

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„Ein absolutes Provisorium“, ärgerte er sich. Das Flickwerk werde Schnee und Frost im Winter niemals standhalten können. „Jede Naht ist ein Schwachpunkt“, erklärte der Ingenieur. Ein Jammer für die erst kürzlich neu asphaltierte Straße. Mehr noch: Auch das Bankett an der Wendelsteinstraße sei nach den Arbeiten nur unzureichend planiert worden. So bilde sich bei Regen hier nun ein großer See.

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Die eigentliche Schuld an der Misere trägt laut Prack die Telekom. „Die nehmen nur die billigsten Firmen.“ Auch Michael Gartmaier (CSU) hat über seinen Job bei der ein paar Meter weiter ansässigen Firma Herbaria von dem Chaos mitbekommen. Da die Bauarbeiter auch keine vernünftige Sperrung mit Umleitung ausgeschildert hätten, hätten diverse große Lkw auf dem Hof von Herbaria umdrehen müssen. „Was die da abgeliefert haben, ist unter aller Kanone“, schimpfte auch Gartmaier über die Arbeiter. „Wie kann man eine neue Straße nur so kaputtmachen?“

Ärger um aufgerissene Straße: Keine Meldung an Gemeinde

Die Gemeinde habe von all dem nichts mitbekommen, versicherte Bürgermeister Stefan Deingruber (CSU). Zwar müsse die Telekom beim Breitbandausbau keine Genehmigung im Rathaus einholen, wohl aber eine verkehrsrechtliche Anordnung für die Sperrung. „Wenn sie das gemacht hätten, wären wir natürlich hellhörig geworden“, ergänzt Geschäftsleiter Johann Neundlinger auf Nachfrage. So aber habe man keine Chance gehabt, zu reagieren.

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Umso wichtiger sei es nun, Regressansprüche an die Telekom zu stellen, fanden Prack und Gartmaier. „Wir schneiden uns jedes Jahr Geld aus dem Haushalt, damit wir unsere Straßen instandhalten können, und die machen wegen so was wieder alles kaputt“, sagte Gartmaier. Bernhard Padeller (FaB) empfahl der Gemeinde, einen Kostenvoranschlag für die Reparatur bei einer örtlichen Tiefbaufirma einzuholen und den dann an die Telekom weiterzuleiten. „Dann haben wir konkrete Zahlen auf dem Tisch.“ Man schaue dem Spiel schon seit Jahren zu. Jetzt sei es an der Zeit, sich auch mal zur Wehr zu setzen.

Der Bürgermeister versprach, der Sache nachzugehen. Auch wenn es vermutlich nicht einfach werde, bei einem so großen Konzern an die richtige Stelle zu kommen, werde man sich einen Ansprechpartner suchen. „Wir machen Dampf“, versicherte Deingruber Gemeinderäten und Anwohnern. Denn auch er war der Meinung: „So geht man nicht mit einer Gemeinde und ihren Bürgern um.“ sg

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