Bayerischer Bursch'trifft Asylbewerber

Bayerisch-afrikanisches Spontan-Plattln nachts um 2 Uhr

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Oans, zwoa, drei: Andreas Dreyer (r.) zeigt dem Asylbewerber, wie das Schuhplattln funktioniert.

Poing – Bayerischer Bursch’ trifft Asylbewerber aus Schwarzafrika – mitten in der Nacht um 2 Uhr. Was passiert? Nach einer guten halben Stunde verstehen sich beide bestens, lachen gemeinsam. Und der junge Mann aus Schwarzafrika kann Schuhplattln.

Integration auf bayerisch – schnörkellos, fröhlich und echt. Es war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf dem Poinger Volksfest, als die beiden Kulturen aufeinander prallten. „Wir sind von der Weinprobe für unser Weinfest gekommen und haben noch in der Wiesn-Alm Station gemacht“, erzählt Andreas Dreyer. Der 22-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des Burschenvereins „Immergrün“ Poing-Angelbrechting und war in jener Nacht ebenso wie seine Spezln in oberbayerischer Tracht mit Hut gekleidet. In der Wiesn-Alm, die länger geöffnet hatte, waren noch einige Gäste, darunter eine Handvoll Asylbewerber aus Schwarzafrika, die derzeit in Poing untergebracht sind.

Andreas Dreyer.

„Mei, ich habe ihn auf Englisch angesprochen, wir haben ein bisserl geredet und gelacht, und dann habe ich zu ihm gesagt: ,Jetzad schau’ mal her!’“ Erst auf Bairisch, dann auf Englisch, und dann legte Andreas Dreyer los. Auf die Oberschenkel klatschen, hoch ein Bein, gegen den Fuß klatschen, aufstampfen und so weiter. „Ein leichter Burschenplattler, den man schnell lernt. Und der super ausschaut. Wir haben ihn mal mit 40 Mann auf einer Bühne gezeigt, das war klasse!“, schwärmt der Vize-Chef der Poinger Burschen, der auch Mitglied im örtlichen Trachtenverein „Aubergler“ ist. Der Asylbewerber habe erst ungläubig geschaut, dann gleich mitgemacht, erzählt Andreas Dreyer. „Er hat’s auch schnell kapiert.“ Gemeinsam plattelten der oberbayerische Bursch in Lederhosen und der junge Mann aus Schwarzafrika in Jeans und Kapuzenpullover nachts auf dem Volksfest.

Die anderen Gäste trauten ihren Augen kaum. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt eine Augenzeugin. Sie stand direkt hinter den Burschen und hat mit ihrem Handy spontan ein paar Fotos gemacht von dem interkulturellen, nächtlichen Tanz. „Das war einfach super.“

Andreas Dreyer weiß weder, wie der Mann heißt, noch aus welchem Land er stammt. War ihm in der Nacht auch wurscht. Einen Tag später, am Freitagabend, hat er ihn kurz wiedergesehen: Dreyer legte als DJ in der Wiesn-Alm auf. Wieder waren ein paar Asylbewerber zu Besuch, darunter der Schwarzafrikaner. „Als er mich sah, hat er kurz ein Platteln angedeutet und gelacht“, erzählt der Vize-Burschenchef. „Ich habe ihn und seine Begleiter noch zu unserem Weinfest eingeladen, am 25. Juli in Angelbrechting.“ Wer weiß, vielleicht wird dort weitergeplattelt. Das Poinger Volksfest hatte am Sonntag seinen letzten Tag.

In der 15.000 Einwohner-Gemeinde Poing (Kreis Ebersberg) sind derzeit gut 60 Asylbewerber untergebracht. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien und Schwarzafrika (insbesondere Eritrea). Ein großer Teil der Flüchtlinge lebt in der Turnhalle der Seerosenschule, die zur Notunterkunft umgewandelt worden ist.

Armin Rösl

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