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Apotheken in großer Sorge: Schmerzmittel werden knapp - Ibuprofen vielerorts nicht auf Lager

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Von: Magdalena Höcherl

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Kein Ibuprofen mehr auf Lager: Wie Ingrid Kaiser kämpfen derzeit viele Apotheker mit Lieferengpässen.
Kein Ibuprofen mehr auf Lager: Wie Ingrid Kaiser kämpfen derzeit viele Apotheker mit Lieferengpässen. © Lehmann

In Bayern herrscht aktuell eine Knappheit an Medikamenten mit diversen Wirkstoffen. Flüssiges Ibuprofen ist vielerorts nicht auf Lager.

Freising/München – Ingrid Kaiser kann es kaum fassen. „Ich bin seit fast 30 Jahren Apothekerin und musste noch nie eine Mama wegschicken, weil ich kein Nurofen mehr hatte.“ Doch genau das ist der Apothekerin aus Freising jetzt passiert. Die Schublade mit dem Kinder-Fiebersaft mit dem Wirkstoff Ibuprofen bleibt zum ersten Mal leer.

Bayerns Apotheken geht das Ibuprofen aus - „Hängen an globalen Lieferketten“

Wie Kaiser geht es gerade vielen Apothekern in Bayern. Auch die Doktor Beckers Central Apotheke am Münchner Stachus kämpft seit Wochen mit Lieferschwierigkeiten. „Erst waren nur die flüssigen Ibu-Formen betroffen, nun die ganze Wirkstoffpalette“, sagt Geschäftsführer Roman Götz.

„Wie Möbelhändler hängen auch wir an globalen Lieferketten und die Rohstoffe für die Medikamente kommen eben aus Fabriken aus Ländern wie China oder Indien.“ Der 32-Jährige gibt Bestellungen also gerade nicht nur im Großhandel, sondern auch direkt bei den Herstellern auf. Was am Ende ankommt, sei tagesabhängig.

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An Paracetamol-Säfte als Alternative und Elektrolytpulver kommt Ingrid Kaiser derzeit auch schwer. Apotheken-Betreiber Götz fehlt es an Enzympräparaten. „Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen werden die in hohen Stückzahlen nachgefragt, sind aber gerade ebenfalls schwer zu kriegen“, sagt er. „Für einen Apotheker ist es leider Tagesgeschäft, dass 300 bis 400 Präparate nicht lieferbar sind.“ Warum es jetzt das Ibuprofen trifft, sei schwer zu sagen.

Bayerischer Apothekenverband warnt: „In Europa gibt es kaum noch Hersteller“,

Georg Miedl, Ärztesprecher im Kreis Freising, führt mehrere Gründe an: Einerseits sei das Infektionsgeschehen gerade bei Kindern deutlich gestiegen. Ob Influenza, Covid oder grippale Infekte – der Bedarf an Ibuprofen sei erhöht. „So geht die für diese Jahreszeit übliche Bevorratung der Apotheken zur Neige.“ Zum anderen hätten sich viele Hersteller von der vergleichsweise aufwendigen und somit teureren Herstellung von flüssigen Medikamenten zurückgezogen.

„In Europa gibt es kaum noch Hersteller“, heißt es vom Bayerischen Apothekerverband. Ein Exportstopp, wie ihn Indien verhängte, macht sich in den Apotheken schnell bemerkbar. Genauso wie Werkschließungen, Unfälle in Fabriken, verunreinigte oder nicht freigegebene Chargen. So fordert der Verband, die Produktion zurück nach Europa zu holen, um weniger abhängig vom globalen Markt zu sein. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet derzeit 253 Medikamente mit Lieferengpässen. (sco/mh)

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