Nach Protesten in Aying

Wirte-Familie verweigert AfD den Zugang - 35 Anhänger treffen sich in Ottobrunn

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Der Brauereigasthof Aying (Archivbild)

Nach der Absage an die AfD in Aying trafen sich die Anhänger der Partei in Ottobrunn. Im überschaubaren Rahmen und mit einigen wenigen Gegendemonstranten.

Nachbericht vom 7. Mai: Sie hätten es gern größer gehabt. 124 Besucher hatten sich nach Eigenauskunft bis zum Freitag für das ursprünglich in Aying geplante AfD-Diskussionspodium „Zukunft Europas in der EU“ angemeldet – mit je einem Sprecher rechtspopulistischer Parteien aus Ungarn, Österreich und Italien. Doch nach der kurzfristigen Absage durch die Gastwirtsfamilie Inselkammer, die ihren Brauereigasthof zunächst für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte, musste die AfD umdisponieren. Nach einer weiteren Absage einer zunächst als Ersatz-Veranstaltungsort angekündigten Gaststätte im Münchner Osten, fanden knapp 35 Anhänger am Montagabend den Weg ins Ottobrunner Bürgerbüro der Partei. „Das Ende der Schnitzeljagd“, nannte es Wilfried Biedermann, AfD-Kreisvorsitzender München Ost.

Vor gut 35 Anhängern und mit geänderter Rednerliste hielt die AfD (auf dem Bild Wilfried Biedermann) ihr Europa-Podium in den Parteiräumen in Ottobrunn ab.
Ottobrunns Polizeichef Armin Ganserer spricht eine Gegendemonstrantin an.

Auch das Podium war von fünf auf vier Redner (aus Bayern, Österreich, Italien und Belgien) geschrumpft. Draußen, auf der gegenüberliegenden Straßenseite protestierten rund 15 Demonstranten, die sich trotz des mehrfachen Ortswechsels per Internet organisiert hatten. Die Ottobrunner Polizeibeamten vor Ort mussten nicht eingreifen. Drinnen: Eine wahlkampfübliche Choreografie von Rede und Applaus mit Blick auf die Europawahl – durchströmt von dem Gefühl, finsteren Gegenspielern zu trotzen. Aber: Sie hätten es gerne größer gehabt.

2. Update vom 6. Mai: Laut den Betreibern der Truderinger Waldwirtschaft handelt es sich bei der unten zitierten Ankündigung der AfD um eine Fehlinformation seitens der Partei. Man habe keine Buchung erhalten, teilt die Geschäftsleitung mit. Weder beherberge man eine AfD-Veranstaltung, noch habe man in Zukunft vor, das zu tun, so die Betreiber. Die AfD  teilt derweil mit, sie habe die Veranstaltung in ihr Bürgerbüro in Ottobrunn verlegt.

Update vom 6. Mai: Die AfD-Kreisverbände halten ihre Diskussionsveranstaltung nun „im kleineren Rahmen“, so die Mitteilung, am heutigen Montag um 19 Uhr in der Truderinger Waldwirtschaft ab.

Update vom 5. Mai: Landrat Christoph Göbel (CSU) verurteilte die Kritik an der Wirte-Familie scharf. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er: „Ich will all denjenigen, die in den letzten Tagen so schnell und überlegen ihren erhobenen Finger nach Aying gerichtet haben, zurufen, dass wir ohne Betriebe wie den Brauereigasthof in Aying und Unternehmer wie die Familie Inselkammer nicht den Hauch einer Chance gehabt hätten, so viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu bringen und damit an ihrer Integration in unsere Gesellschaft zu arbeiten.“ Und er appelliert: „Demokratie ist wahrlich nicht immer einfach und bequem! Aber es muss uns gelingen, mit allen Regeln unseres Rechtsstaats, unserer Verfassung und der Demokratie selbst dafür zu sorgen, dass Populisten in unserem Land keine Chance haben.“

Auch die AfD hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Landtagsabgeordneter Franz Bergmüller aus Rosenheim bezeichnete das Vorgehen der Altparteien in einer Pressemitteilung gar als „Nazi-Boykottmethoden“. Nach seinen Informationen habe sogar Ayings Bürgermeister Johann Eichler selbst auf die Wirte eingewirkt, um der AfD die Räume zu verweigern. „Mit Drohungen und Boykottaufrufen zu versuchen, andere Meinungen zu unterdrücken oder jemanden gar mundtot zu machen, das erinnert an Nazi- und DDR-Methoden. Da gibt es nichts zu beschönigen“, so Bergmüller.

Wirte-Familie verweigert AfD den Zugang - Erstmeldung vom 4. Mai

Aying - Offiziell reagieren die Betreiber des Brauereigasthofs Aying verschnupft, weil die AfD in einem Werbevideo „ohne unser Wissen und unsere Zustimmung Markeninhalte unseres Unternehmens für parteipolitische Zwecke vereinnahmt“ habe. Deshalb habe man den Vertrag für die Beherbergung einer Diskussionsveranstaltung der Rechtspopulisten nun wieder aufgehoben. 

Eigentlich hatten die AfD-Kreisverbände München Land, München Ost und Rosenheim am Montag in den Brauereigasthof Aying geladen, um unter dem Titel „Zukunft Europa in der EU“ mit jeweils einem Vertreter rechtspopulistischer Parteien aus Österreich, Ungarn, den Niederlanden und Italien zu diskutieren. 

AfD-Rauswurf in Aying: Wegen scharfer Kritik an Wirtefamilie

Hintergrund der nun erfolgten Absage seitens der Wirtsleute dürfte jedoch die massive Gegenbewegung sein, die sich auf die Ankündigung der Veranstaltung hin im Ort formiert hatte: Parteiübergreifend hatten die Gemeinderatsfraktionen unter dem Titel „Aying für ein geeintes Europa“ zu einer Protestkundgebung vor dem Treffen im Brauereigasthof aufgerufen.

Dabei hatte es auch scharfe Kritik an der Wirte-Familie Inselkammer gegeben. „Im Landkreis München wollen und brauchen wir so eine Rechts-Außen-Fraktion nicht“, wütete beispielsweise der Grünen-Landratskandidat Christoph Nadler – und schoss gegen die Familie Inselkammer um CSU-Kreisrat Franz und DEHOGA-Präsidentin Angela, Inhaber des Brauereigasthofs: „Wie ein CSU-Kreisrat für so ein Treffen seinen Gasthof zur Verfügung stellen kann, verstehe ich nicht.“

Wirte-Familie zu AfD-Rauswurf in Aying: „Teils persönlichen Angriffe sehr getroffen“

„Die teils persönlichen Angriffe der letzten Tage haben uns sehr getroffen“, teilt die Wirts-Familie nun auf ihrer Webseite mit. Man beschäftige Mitarbeiter aus 25 Nationen und auch Geflüchtete, sei ein weltoffener Betrieb.

Die Entscheidung, den Veranstaltungsvertrag mit der AfD abzuschließen, hatte Hoteldirektor Christian Hollweck zunächst verteidigt: Die Familie habe intensiv über die Veranstaltung diskutiert und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Rechtspopulisten der Fairness halber zu behandeln seien wie jede andere Partei. 

Den Grünen München Land zufolge haben auch die Veranstalter der Gegendemonstration auf den Ausfall der AfD-Veranstaltung reagiert und ihre Protestkundgebung ebenfalls abgesagt. „Das ist ein Sieg für Aying und die Demokratie“, heißt es in einer ersten Erklärung. Eine Reaktion der AfD, ob es eine Verlegung an einen anderen Ort oder Komplettabsage der Veranstaltung gibt, steht derzeit noch aus.

In Bremen kam es kürzlich zu einem Angriff auf die AfD-Politikerin Natascha Runge, wie nordbuzz.de* berichtet. Die junge Frau wollte Wahl-Plakate aufhängen, dann kamen zwei Männer vorbei.

Lesen Sie auch:  Gauland durch die Hintertür: 350 AfD-Fans treffen auf 250 Gegner - es kommt zu Ausschreitungen

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