Dorfgemeinschaft hielt zusammen

Unglaublicher Zufall könnte Leukämie-Kranken retten: „Das ist mehr als ein Sechser im Lotto“

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Alois und Claudia Köpf sind voller Hoffnung, dass mit der Knochenmarkspende die Krankheit von Alois besiegt wird. Beide sind voller Dankbarkeit, die sie auf diesem Wege allen Helfern übermitteln möchten. 

Bewegender Zusammenhalt einer Dorfgemeinschaft: Bei einer Typisierungsaktion im November in Böbing haben sich 638 Menschen typisieren lassen. Das Hoffen und Bangen der Familie Köpf hat jetzt ein glückliches Ende.

Böbing – Dieser 25. November 2018 ist ein besonderer Sonntag für Familie Köpf aus Böbing: An diesem Tag läuft in der örtlichen Turnhalle eine Typisierung, die über das Schicksal von Alois Köpf mitentscheidend ist. Knallhart, aber mit viel Hoffnung gespickt. Hoffnung, dass für den erkrankten Familienvater ein geeigneter Stammzellen-Spender gefunden wird.

Die gesamte Dorfgemeinschaft hat Hand in Hand zusammen geholfen, hat unterstützt. „Da waren Menschen da, die ich noch nie oder schon lange nicht mehr gesehen habe“, erzählt Claudia Köpf, die Ehefrau.

Fünf Stunden lang hat sie an diesem Tag Menschen begrüßt, sie an ihre Plätze gewiesen und vor allem ihre Dankbarkeit ausgedrückt. Manchmal ganz still, manchmal emotional bewegt. Ihr Ehemann Alois konnte von weitem nur erahnen, was sich in Böbing abspielte. Er selbst musste zu dieser Zeit im Klinikum Großhadern die Hölle durchlaufen.

Über 14 Tage lang, nachdem er die vier Anwendungen des zweiten Chemotherapieblocks erhalten hatte. Dabei wurde er rund um die Uhr überwacht, denn sein Immunsystem war vollkommen im Keller. Nur durch das Pflegepersonal, das über Internet am Laufenden gehalten wurde, durfte er über die Aktion in Böbing informiert werden.

Alois Köpf war tief bewegt von der Hilfe der Dorfgemeinschaft

Als dann nach Ende der Typisierungsaktion seine Ehefrau in die Klinik fuhr, um ihn über den Tagesverlauf zu informieren, konnte er sie nur mit Tränen in den Augen empfangen. „Was mich so bewegt hat, ist, dass alle an einem Strang gezogen haben“, erzählt Alois Köpf am vergangenen Donnerstag in seinem Wohnzimmer in Böbing.

Er blickt auf den geschmückten Christbaum. Sehr nachdenklich, aber mit einem unwahrscheinlich beeindruckendem Lächeln. Einem Lächeln voller Hoffnung. Man hört kein Jammern, man erkennt nur Dankbarkeit in seinen Gesichtszügen. Nachdenklich ergänzt er still für sich: „Einem hat es auf alle Fälle bestimmt geholfen.“

Tiefes Durchatmen. Der Blick von Alois ist wieder auf den Christbaum gerichtet. Nachdenklich. Seine Ehefrau versteht diesen Blick sofort und erklärt: „Sehr wichtig für die Familie war, Weihnachten miteinander zuhause zu erleben.“

Ein unvorstellbares Neujahrsgeschenk

Denn hat lange nicht danach ausgesehen, da Alois teilweise künstlich ernährt werden musste. Dann am 4. Januar ein unvorstellbares Neujahrsgeschenk: Alois erfährt, dass eine seiner Schwestern zu 100 Prozent gentechnisch mit ihm übereinstimmt. Quasi ein gentechnischer Zwilling. „Das ist mehr als ein Sechser im Lotto, das ist wie ein zweiter Geburtstag“, erzählt Alois überglücklich.

Denn: Nach der Aktion in Böbing wurden alle Proben ins eigene Labor der Deutschen Knochenmarkspenderdate (DKMS) gebracht. Dort wurde eine Grundtypisierung festgestellt. Erst die Proben, die mit den Werten des Empfängers um die 80 Prozent grob übereinstimmten, wurden in ein weltweites Suchfenster eingegeben und fein typisiert.

Das Grandiose an der Sache war, dass eine der eigenen Schwestern, die aus Altersgründen aus dem Raster herausgefallen war, sich als 100- prozentige Spenderin herauskristallisierte. Sie ist jetzt die ganz große Hoffnung von Alois und natürlich seiner Familie.

Mitte Februar soll es losgehen - harte Therapie

„Wie wird es weitergehen?“, ist die große Frage, die jetzt im Raum steht. Alois nickt, zeigt ein hoffnungsvolles Lächeln, bleibt aber in seiner Erklärung nüchtern. Nach weiteren Untersuchungen für das Geschwisterpaar Köpf ist für Mitte Februar die eventuelle Transplantation angesetzt. Voraussetzung ist natürlich, dass keiner der beiden in irgendeiner Weise erkrankt.

Und dann ist „Hardcore“ angesagt: Alois muss völlig isoliert und abgeschottet acht bis zehn Wochen durchstehen. Wenn es gut geht. Im schlechtesten Fall kann es bis zu drei Monaten dauern. Tiefes Durchatmen. Auch von Ehefrau Claudia, die jetzt das Wort ergreift.

Ihr ist es eine Herzensangelegenheit, sich bei allen Menschen zu bedanken. Bei allen, die so beispielhaft unterstützt und ihr den Rücken freigehalten haben. Die mit Sach- und Geldspenden geholfen haben. Egal ob Einzelpersonen, Firmen, Bekannte oder Unbekannte. „Ich habe Angst, dass ich jemanden vergesse, dem ich Danke sagen möchte“, sagt sie voller Sorge.

Dabei erzählt sie, dass sie viele Briefumschläge mit Geldspenden ohne Absender in ihrem Briefkasten vorgefunden hat. Dieser Zusammenhalt stärkt, er unterstützt die Hoffnung. Die Hoffnung für Alois, das nächste Weihnachtsfest wieder gesund im Kreise der Familie feiern zu können.

Lesen Sie auch auf Merkur.de: Friedrich (14) aus Oberschleißheim braucht dringend Knochenmarkspende - so können Sie helfen

Auch interessant zum Thema: Julia (33) aus Grünwald hat Blutkrebs: Typisierungsaktion am 26. Januar (Merkur.de)

Hans-Helmut Herold

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