Streit um Bildrechte

Freisinger verklagt ehemaligen Freund wegen Fotos: „Mein Bart gehört mir!“

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Fuzzy Wollinger und sein berühmter Bart.

Sein Bart ist berühmt – und beschäftigte nun auch das Münchner Landgericht: Weil zwei Fotos von Josef Wollinger ungefragt in einem Bildband erschienen waren, klagte der Freisinger gegen einen früheren Freund.

Freising - Man kennt diese Fälle aus den Vereinigten Staaten: Klagen in Millionenhöhe, weil das eigene Persönlichkeitsrecht verletzt wurde. In den USA gilt dieses Recht als das höchste Gut, das Individuum wird hoch geschätzt. Regelmäßig verhandelt amerikanische Gerichte solche Prozesse – und sprechen nicht selten immense Strafen aus.

Bayern/Freising: Mann verklagt ehemaligen Freund wegen Fotos: „Mein Bart gehört mir!“

Josef Wollinger kann sich da nur den Bart reiben. Er verklagte seinen früheren Freund Klaus Bichlmeier auf Unterlassung, weil dieser zwei Fotos von ihm in dem Bildband „Freising: Modern. Historisch. Wunderschön“ abgedruckt hatte. Und das angeblich, ohne den Protagonisten um Erlaubnis für die Veröffentlichung zu fragen.

Am Montag beschäftigte der Fall das Münchner Landgericht, denn der Streitwert lag bei 10.000 Euro. Im Vergleich zu amerikanischen Prozessen beinahe eine lächerliche Summe, denn auch in diesem Prozess ging es um die Persönlichkeitsrechte – um die von Josef Wollinger. Sein Bart ist berühmt: Im Jahr 2009 nämlich gewann der heute 57-Jährige die Weltmeisterschaft der Bart-Träger in der Kategorie „Garibaldi“. In einem Westernfilm spielte er auch mit – und in Freising kennt man den „Fuzzy“ als grantelnden Straßenkehrer. Ein echtes bayerisches Original also. Ausgerechnet wegen seines Barts musste Wollinger nun vor dem Landgericht antreten.

Freising: Fuzzy Wollinger verklagt ehemaligen Freund wegen Bart-Fotos

Und was soll man sagen? Schee isser scho, dieser Bart. Von der Nasenspitze bis zum unteren Ende geschätzte 30 Zentimeter lang. Drahtig, aber gepflegt. Grau-meliert und irgendwie einzigartig. Aber darf man ihn deshalb auch in einem Buch drucken? Über diese Frage musste das Gericht entscheiden. Dort forderte Wollinger neben der Unterlassung auch eine finanzielle Entschädigung. „Mein Bart gehört mir“, sagt er. „Wahrscheinlich ist der Klaus durch mich mit dem Buch reich geworden. Aber abgegeben hat er mir nichts.“ Auf rund 70 000 Euro schätzt Wollinger die Einnahmen aus der Veröffentlichung des Bildbandes. Mit diesem Streit endete schließlich die Freundschaft der beiden. Bichlmeier brachte den Bildband im Eigenverlag heraus. „Mit mir brauchst du nicht mehr sprechen“, schimpfte Fuzzy Wollinger hernach.

Im Verhandlungssaal 501 am Lenbachplatz sahen sich die beiden nun wieder – und stritten darüber, ob tatsächlich eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt. „So ein Schmarrn“, sagt Bichlmeier. „Der Fuzzy hat sich jeden Tag bedankt, dass ich ein Foto von ihm drucke. Er wollte groß rauskommen.“ Grummelig streicht sich Wollinger durch den Fussel-Bart: „A geh!“, sagt er – und winkt ab.

Freisinger bekommt Entschädigung - Haariger Streit beendet

Die strittigen Fotos aber, darunter Fuzzy auf dem Westernpferd, hatte Wollinger selbst einmal im Internet hochgeladen. „Das ist längst ein Foto der Zeitgeschichte“, sagt Bichlmeier. „Jeder kennt doch den Fuzzy.“ Weil der Richter das ähnlich sah, war eine Geldentschädigung vom Tisch. Blieb also noch die Unterlassung. Auch darauf hatte Bichlmeier eine Antwort: In neueren Auflagen seines Buches hat er die Fuzzy-Fotos rausgenommen. „Die Abmahnungen waren deshalb nicht rechtens“, sagt sein Anwalt. Auf Anraten des Richters einigten sich die beiden Streithähne am Ende auf einen Vergleich: Bichlmeier zahlt 150 Euro an Wollinger und Fuzzy übernimmt den Großteil der Gerichtskosten. Das Ende eines haarigen Streits.

Andreas Thieme

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