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Polizeichef äußert sich

Er fühlte sich genötigt: Mann nimmt rabiate Autofahrerin selbst fest - darf man das?

Ein Mann fühlte sich von einer zu dicht auffahrenden Frau genötigt.
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Ein Mann fühlte sich von einer zu dicht auffahrenden Frau genötigt.

Er fuhr Richtung Weilheim. Doch dabei fühlte sich ein Mann von einer Autofahrerin derart genötigt, dass er mitten auf der Straße stehen blieb und sie festnahm. Darf man das?

Selbstjustiz auf B 472 bei Peißenberg: Das sagt die Polizei zum Jedermannsrecht

Harald Bauer, Chef der Weilheimer Polizei.

Update 5. März: Zu einem ungewöhnlichen Vorfall war es am Freitag auf der B472 gekommen: Ein Autofahrer fühlte sich von einer nah auffahrenden Frau derart genötigt, dass er sie zum Anhalten brachte und bis zum Eintreffen der Polizei festhielt. Dabei berief er sich auf das „Jedermannsrecht“. Was es damit auf sich hat, erklärt Harald Bauer, Leiter der Polizeiinspektion Weilheim.

Herr Bauer, was ist das sogenannte Jedermannsrecht?

Es gibt für dieses Recht eine gesetzliche Grundlage: ein mutmaßlicher Täter kann bis zum Eintreffen der Polizei vorläufig festgenommen und an der Flucht gehindert werden. Das ist unter Paragraf 127 in der Strafprozessordnung festgeschrieben und gilt bei Straftaten wie etwa Diebstahl oder Körperverletzung. Ordnungswidrigkeiten wie etwa Falschparken fallen aber nicht darunter.

Hat der Autofahrer in diesem speziellen Fall denn rechtmäßig gehandelt?

Es hätte womöglich auch gereicht, sich das Kennzeichen der Frau zu notieren und dann die Polizei zu verständigen. Ob es gerechtfertigt war, sie festzuhalten, wird nun von der Staatsanwaltschaft geprüft. Es könnte sein, dass sich der Autofahrer seinerseits wegen Nötigung und Freiheitsberaubung verantworten muss.

Im Falle einer Straftat: Bin ich als Zeuge dazu verpflichtet, den Täter an der Flucht zu hindern?

Auf keinen Fall. Niemand muss einen Täter selbst stellen. Um einmal ein Extrembeispiel zu nennen: Wenn Sie in ihrer Mittagspause Zeuge eines bewaffneten Raubüberfalls auf eine Bank werden, empfiehlt es sich natürlich nicht, selbst einzugreifen und den Täter an der Flucht zu hindern. Das Gleiche gilt bei einer Messerstecherei oder anderen Straftaten, wo es zu massiver Gewaltanwendung kommt. Dass das „Jedermannsrecht“ angewendet wird, kommt generell extrem selten vor. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich so etwas abgesehen von dem Fall am Freitag schon einmal erlebt habe.

Wie sollte ich stattdessen vorgehen, wenn ich eine Straftat beobachtet habe?

Oft reicht es aus, denjenigen, den man bei der Tat beobachtet hat, anzusprechen. Damit holt man beispielsweise einen Ladendieb aus seiner Anonymität. Wenn ich mir unsicher bin, ob ich eingreifen soll, empfehlen wir immer, lieber direkt den Polizeinotruf 110 zu wählen. Hilfreich für uns ist dabei eine gute und möglichst konkrete Beschreibung des Täters. Im Falle fliehender Personen sollte man sich merken, in welche Richtung diese gelaufen sind – und bei Kennzeichen hilft es, sie direkt zu notieren, um Zahlendreher vermeiden.

Das Interview führte Marion Neumann.

Erstmeldung zum Fall auf B 472 bei Peißenberg

Peißenberg - Zu einem kuriosen Zwischenfall ist es am Freitag auf der B472 zwischen Hohenpeißenberg und Weilheim gekommen - am Ende wurden gleich zwei Strafverfahren eingeleitet.

Was war geschehen? Ein 32 Jahre alter Autofahrer war gegen zwölf Uhr in Richtung Weilheim unterwegs. Doch der junge Mann saß nicht sorgenfrei hinter dem Steuer - denn immer wieder fuhr ihm eine 34 Jahre alte Murnauerin derart dicht auf, dass sich der Peitinger genötigt fühlte. 

Auf B472 bei Peißenberg: Mann nimmt Autofahrerin kurzerhand fest

Nach dem Guggenbergtunnel bei Peißenberg hatte der 32-Jährige genug. Er hielt mitten auf der Straße an. Die Autofahrerin hatte keine Wahl, auch sie musste stehen bleiben. Wie die Polizei berichtet, berief sich der Mann in diesem Moment auf die „Jedermannsrechte“ - und nahm die Frau kurzerhand eigenständig und bis zum Eintreffen der Polizeistreife fest.

Gegen die Fahrerin wurde ein Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet. Doch auch der Peitinger muss sich auf Ärger einstellen - denn die Polizei prüft nun, ob die vorläufige Festnahme überhaupt gerechtfertigt war. Der Vorwurf: Freiheitsberaubung. Auch gegen ihn wurde ein Verfahren eingeleitet.

Anmerkung der Polizei:

„Nach § 127 StPO ist jedermann befugt, jemanden, der auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird, auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann. Hierbei ist jedoch die Verhältnismäßigkeit zu beachten! Bezugnehmend auf den geschilderten Sachverhalt ist zu prüfen, ob die Feststellung der Personalien der Murnauerin nicht auch anderweitig möglich gewesen wäre.“

Mitte Februar hatte ein Unfall in Peißenberg zwei Verletzte gefordert. Auch kurios: Warum Autofahrer an dieser Tiefgaragen-Schranke in Weilheim verzweifeln. Weitere spannende Nachrichten aus der Region Weilheim finden Sie hier auf merkur.de*.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

mes

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