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Älteste Aktie Bayerns: Wertvoller Fund auf Kurzbesuch in Penzberg – eine Kopie darf bleiben

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Von: Wolfgang Schörner

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Großes Aufgebot mit Original und Replik: (v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, IHK-Präsident Klaus Josef Lutz, Wirtschaftsarchiv-Leiterin Eva Moser mit der Original-Aktie, Bürgermeister Stefan Korpan mit der gerahmten Replik und Anton Leinweber vom Bergknappen-Verein.
Großes Aufgebot mit Original und Replik im Rathaus: (v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, IHK-Präsident Klaus Josef Lutz, Wirtschaftsarchiv-Leiterin Eva Moser mit der Original-Aktie, Bürgermeister Stefan Korpan mit der gerahmten Kopie und Anton Leinweber vom Bergknappen-Verein. © Wolfgang Schörner

Aus Penzberg stammt das älteste bekannte Wertpapier Bayerns. Eine Besonderheit, die vor über einem Jahr entdeckt wurde – und die ziemlich wertvoll ist.

Penzberg – Das über 220 Jahre alte Penzberger Wertpapier war im Spätherbst 2021 bei einer Auktion aufgetaucht. Der Sammler Uto Baader, Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Börse, ersteigerte die Aktie damals und überließ sie zur Aufbewahrung dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern.

Im Februar 2022 machte das Archiv den Fund öffentlich (wir berichteten). Bis dahin galt eine Aktie der „Bürger-Ressource-Gesellschaft Hof“ von 1804 als ältestes bekanntes Wertpapier Bayerns.

Das älteste Wertpapier Bayern: Kurzbesuch zurück in Penzberg

Am Donnerstag kehrte das leicht vergilbte Stück, etwa 40 mal 25 Zentimeter groß, für kurze Zeit nach Penzberg zurück. Archivleiterin Eva Moser sowie Präsident Klaus Josef Lutz und Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl von der IHK für München und Oberbayern brachten es mit. Allerdings nicht, wie man im Rathaus spekuliert hatte, um es in Penzberg zu lassen. Sie nahmen es wieder mit.

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) bekam jedoch eine „hochwertige Replik“ (Eva Moser) überreicht. Erstmals werde eine Replik einer Kommune übergeben, sagte IHK-Präsident Lutz. Die Kopie soll laut Korpan ausgestellt werden. Noch nicht klar ist, ob im Stadtarchiv, im Bergwerksmuseum, im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ oder im Rahmen einer Ausstellung.

Original ist das ältestes Exemplar einer großen Wertpapier-Sammlung

Das Original, das wieder nach München zurückkehrte, war noch nie öffentlich zu sehen. Es ist Teil einer Wertpapier-Sammlung mit über 4500 Exemplaren, die Uto Baader dem Archiv schon vor seinem jüngsten Fund überließ. 2019 gab es zwar die Ausstellung „Bayerische Werte“. Die Penzberger Aktie war aber noch nicht dabei. Aktuell, so Eva Moser, könne man sie im Archiv nur zu Forschungszwecken sehen. Allerdings, fügte sie an, würde man gern wieder eine Ausstellung mit den Wertpapieren machen. Konkret ist jedoch noch nichts geplant.

Man könne stolz sein, dass das älteste bekannte Wertpapier Bayerns aus Penzberg kommt, sagte Bürgermeister Korpan am Donnerstag. Man sehe daran, wie alt die Geschichte der jungen Stadt sei. Es sei ein „wunderbares Stück“, pflichtete Eva Moser bei. Den damaligen Wert kenne sie nicht, auch nicht den Kaufpreis bei der Auktion. Sie gehe aber davon aus, dass die Aktie für viel Geld ersteigert wurde. Zumindest konnte sie sagen, dass die gesamte Wertpapier-Sammlung im Archiv mit 1,5 Millionen Euro versichert ist.

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Alte Aktie aus den Anfängen des Penzberger Bergbaus

Die alte Aktie führt in die Anfänge des Penzberger Bergbaus zurück. Im Penzberger Gebiet gab es zwar bereits im 16. Jahrhundert erste Versuche. Ernst wurde es aber erst im 18. Jahrhundert. Der Berg- und Münzrat Mathias Flurl wurde in den 1790er Jahren auf Kohlevorkommen aufmerksam. 1795 untersuchte er sie nochmals und befand sie als besonders abbauwürdig. Kurfürst Carl Theodor erlaubte ihm 1795 den Abbau.

Vom 30. September 1797 stammt der Anteilschein für die Carl-Theodor-Zeche in Penzberg.
Vom 30. September 1797 stammt der Anteilschein für die Carl-Theodor-Zeche in Penzberg. © Bayerisches Wirtschaftsarchiv IHK München und Oberbayern

Im selben Jahr wurde die „Oberländische Steinkohlengewerkschaft“ gegründet, die am 30. März 1796 die Carl-Theodor-Zeche übernahm. Sie lag am Säubach zwischen dem heutigen Krankenhaus und der Realschule – eine Tafel des Bergbau-Rundwegs weist darauf hin.

Keine erfolgreiche Aktien-Investition – Zeche machte Verluste

Zu dieser Zeche gehört die alte Aktie, die die Unterschrift von Mathias Flurl trägt. Ausgehändigt wurde dieser „Gewährschein“ am 30. September 1797 einem „wohlgebohrnen Herrn Böhm, kurfürstl. Kriegscommissair pp“. Und zwar als Anteil von „einer Kux“. Was das bedeutet, beschreibt Historiker Reinhard Heydenreuter in seiner Penzberg-Chronik. Nach der bayerischen Bergordnung von 1784 sollten Anteile an einer Gewerkschaft (Bergbaugenossenschaft) 128 Kuxe (Bergwerksanteile) betragen.

Diese genossenschaftliche Organisation, so Heydenreuter, diente der Risikoverteilung, weil der Erz- und Kohleabbau sehr kostspielig war. Besonders erfolgreich war die Aktien-Investition nicht. Die Carl-Theodor-Zeche machte wegen der schlechten Kohlequalität und der Transportkosten Verluste. Die „Oberländische Steinkohlen-Gewerkschaft“ wurde 1806 wieder aufgelöst. Erst drei Jahrzehnte später nahm der Bergbau in Penzberg mit der Familie von Eichthal wieder Fahrt auf.

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