„Schickts euch“: Brandenburger hört F-Wort

Flughafen - Wenn es nach dem Angeklagten geht, brauchen die Luftsicherheitskräfte am Flughafen einen Bayerisch-Dolmetscher. Zwei dieser Kontrolleure sind jedoch sicher, aus seiner Anfeuerung eine Beleidigung herausgehört zu haben.

Der Mann gab vor dem Amtsgericht Erding an, nur „Schickts euch“ gesagt zu haben. Auf dem weiten Weg vom bajuwarischen Zungenschlag zum brandenburgischen Gehörgang wurde aus einem „Sch“ ein „F“ - und aus der hierzulande höflichen Bitte, ein Vorhaben in absehbarer Zeit zu einem Ergebnis zu führen, eine Beleidigung. Richter Aksel Kramer schenkte den übereinstimmenden Aussagen der Kontrolleure Glauben und verurteilte den Angeklagten zu 15 Tagessätzen je 70 Euro.

Der Geschäftsführer einer Firma zur Flugzeuginstandhaltung mit Sitz im General-Aviation-Terminal muss sich mehrmals am Tag bei der Einfahrt den immer strenger werdenden Sicherheitskontrollen an PKW und Gepäck unterwerfen. Am 1. Mai dieses Jahres platzte ihm laut Anklage der Kragen. Da er gerade von einer Auslandsreise kam, sei sein Gepäck bereits durchleuchtet worden und wies entsprechende Siegel auf. Weil man dennoch darauf bestand, eine Tasche zu prüfen, sprach er den umstrittenen Satz. „Beide kommen aus dem Osten“, erklärte der Verteidiger. Rechtsanwalt Klaus Bader aus Grünwald, vor Gericht, „da ist es fraglich, ob sie das Bayerische so verstehen“.

Der Kontrolleur nahm’s ziemlich schwer und bat, die vermeintliche Beleidigung zur Bestandsaufnahme einer Anzeige zu wiederholen. Das wiederum dem Angeklagten nicht genehm. Daher riet er dem Kontrolleur, die Sache zu vergessen, fragte ihn „Oder wollen Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren?“ und bat um die Personaldaten. Auch dies schien ein multikulturelles Missverständnis zu sein. Denn der brandenburgische Luftsicherheitskontrolleur erklärte, er habe es „nicht nötig, sich so anmachen zu lassen“. So schilderte es hinterher der Geschäftsführer.

Die daraus abgeleitete Nötigung erkannte Richter Kramer nicht. „Wie es kein bisschen schwanger gibt, gibt es kein bisschen Nötigung“, erklärte er. Seiner Meinung nach sei die Äußerung zwar gefallen, das juristisch relevante Level jedoch nicht erreicht. Damit folgte er den Argumente des Verteidigers. Sein Mandant habe keinerlei Einfluss auf die Arbeitgeber der Kontrolleure, sagte Bader. Er hätte mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde lediglich für Unannehmlichkeiten sorgen können, „und die muss solch ein Mitarbeiter hinnehmen“.

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