1. tz
  2. München
  3. Region

Söders Bomben-Bunker wurde geprüft: Vernichtendes Urteil gefallen

Erstellt:

Von: Volker Ufertinger

Kommentare

Der Bunker unter der Feuerwehrschule in Geretsried.
Kein Schutz, kein Komfort: Der Bunker unter der Feuerwehrschule in Geretsried lässt sich nicht reaktivieren. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wegen des Ukraine-Kriegs erwägt die Regierung, ehemalige Bunker zu reaktivieren. In Geretsried, wohin die Bayerische Staatsregierung ausweichen sollte, ist das nicht möglich.

Geretsried – Angesichts des Kriegs in der Ukraine und dessen mögliche Ausweitung hat das Bundesinnenministerium eine Revision deutscher Bunker veranlasst. 500 von 2000 liegen in Bayern. Einer davon ist relativ bekannt: der Bunker unter der Feuerwehrschule in Geretsried, in den sich einst die Bayerische Staatsregierung im Fall eines Atomschlags hätte zurückziehen sollen. Aktuell würde er aber nicht weiterhelfen. „Die Bunkeranlage ist nicht betriebsbereit“, teilt Schulleiter René Mühlberger mit.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.)

Dass der Geretsrieder Bunker für diesen Zweck vorgesehen war, hat die Staatskanzlei erst 2011 öffentlich gemacht – zu einer Zeit, als niemand daran dachte, je wieder bomben- und raketensicherer Räume zu benötigen. So kam heraus, dass zu Zeiten des Kalten Kriegs, als an der Sudetenstraße eine Katastrophenschutzschule untergebracht war, im schlimmsten aller Fälle der Ministerpräsident und eine kleine Regierungsmannschaft dort unterschlüpfen sollten.

Geretsried: Der Bunker war einst schon ein Provisorium

Der für 178 Menschen ausgelegte Schutzbau hätte den hohen Herren keinerlei Komfort geboten: Es gab Strom und Telefon, Waschgelegenheiten und an den Wänden ausklappbare Pritschen. Eine Luftfilteranlage sollte den 200 Quadratmeter großen Innenraum vor radioaktiver Strahlung schützen. Für Geretsried als Refugium sprach natürlich auch die Nähe zur Landeshauptstadt: In 45 Minuten hätten Regierungsvertreter vor Ort sein können, um die Amtsgeschäfte weiterzuführen.

Allerdings: Für den wochenlangen Dauerbetrieb war die Anlage nicht gedacht. Die Betonwände waren zu dünn, die Aufenthaltsräume zu kahl, und die Duschen mussten mit Handpumpen betrieben werden. Deshalb plante die Staatsregierung seit 1964 einen wirklich sicheren Atombunker. Doch erst fehlte das Geld, dann war der Kalte Krieg vorbei. 1995 wurde aus der Katastrophenschutzschule die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried.

Bunker in Geretsried: Keine Chance gegen moderne Waffentechnik

Das Manko von damals ist geblieben, der Bunker könnte seinen Zweck nicht erfüllen. „Gegen die moderne Waffentechnik würde er wenig Schutz bieten“, so Mühlberger. Deshalb wird er nicht nur nicht reaktiviert. Vielmehr gibt es Pläne, ihn abzureißen. „Die Bunkeranlage liegt im Keller unseres Wirtschaftsgebäudes, das bis 2025/26 durch einen Neubau ersetzt werden soll“, so der Schulleiter. Dann werde wohl auch der Bunker beseitigt. Das ist jedenfalls die Planung. „Eine abschließende Bewertung steht allerdings noch aus.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Wolfratshausen finden Sie auf Merkur.de/Wolfratshausen.

Auch interessant

Kommentare