Video wirft anderes Licht auf die Nacht

Mob belagert Polizeistation in Starnberg - nun wird Polizei selbst schwer beschuldigt

+
Eine Szene der Mob-Nacht in Starnberg am 25. Juli 2019.

In Starnberg hatte ein Mob im Juli eine Polizeiinspektion belagert. Die Ermittlungen sind fast abgeschlossen - jetzt sprechen die Jugendlichen

Update 12. Oktober 2019, 10.50 Uhr: Im Laufe der Ermittlungen der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ist jetzt ein BR-Beitrag erschienen, der die Jugendlichen zu Wort kommen lässt, die die Nacht hautnah miterlebt hatten. Dabei ist der 15-Jährige zu sehen, den die Polizei in Gewahrsam genommen hatte. Außerdem spricht im Beitrag von „quer“ aus dem BR ein Jugendlicher, der mit seinem Handy die Szenerie gefilmt hatte. 

Die Aussagen der Jugendlichen rekonstruieren die Nacht im Juli aus ihrer Sicht. Der 15-Jährige erzählt in dem Beitrag, dass er mit den Türstehern lediglich gescherzt habe. Daraufhin hätten ihn die Beamten gewaltsam festgenommen und in die Polizeistation gebracht, was von anderen Jugendlichen als unfair und unangemessen empfunden wurde. Der andere Jugendliche beschreibt, wie gewaltsam die Beamten angeblich dabei zu Werke gingen. Auf den Handy-Aufzeichnungen ist außerdem zu sehen, wie ein Polizei-Beamter den 15-Jährigen mit der Faust ins Gesicht schlägt. 

Die tumultartigen Szenen auf dem Video könnten ein anderes Licht auf die Nacht werfen. 

Starnberg: Neue Erkenntnisse um Nacht vor Polizei-Wache

Erstmeldung vom 10. Oktober 2019 - Starnberg – Die Ereignisse liefen Ende Juli weltweit in Nachrichtensendungen und auf Nachrichtenportalen: Eine Gruppe von bis zu 100 jungen Leuten belagerte die Polizeiinspektion an der Starnberger Rheinlandstraße, aus dem Mob heraus versuchten einige, die Eingangstür aufzubrechen. Flasche und Steine flogen, es kam zu Handgreiflichkeiten, Schimpfwörter fielen. In der Zwischenzeit hat die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck einen wesentlichen Teil der Ermittlungen abgeschlossen. Das bestätigte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Hans-Peter Kammerer, gestern gegenüber dem Starnberger Merkur.

Starnberg/Bayern: Es geht um deutlich mehr als drei Beschuldigte

Mehr als die Hälfte der Fälle liege mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft München II, sagte Kammerer. Und: „Es geht nicht mehr nur um drei Beschuldigte, sondern um deutlich mehr.“ Dabei reichten die Vorwürfe von versuchter Gefangenenbefreiung über Nötigung, Beleidigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung bis hin zu Landfriedensbruch. Wie viele Beschuldigte es genau sind, konnte die Staatsanwaltschaft gestern nicht sagen.

Starnberg in Oberbayern: „Extrem aggressiv und beleidigend“

Die Krawalle hatten sich seinerzeit entzündet, nachdem die Polizei einen 15 Jahre alten Jugendlichen aus dem Landkreis Starnberg in Gewahrsam genommen hatte. Er war bei einer privaten Feier auf dem Gehweg an der Ecke zur Leutstettener Straße gewesen, die wie jedes Jahr parallel zum Sommerfest des Starnberger Gymnasiums stattfand. Der 15-Jährige ist kein Schüler des Gymnasiums. Nachdem er Sicherheitsleute am Eingang des Gymnasiums nach Drogen gefragt hatte und diese die Polizei gerufen hatten, verhielt er sich „extrem aggressiv und beleidigend“, wie die Beamten seinerzeit mitteilten. Er reagierte nicht auf Platzverweise und wurde schließlich von Beamten mit auf die Wache genommen. Ein Überblick über die Ereignisse der Nacht im Juli in Starnberg finden Sie in einem Newsblog auf Merkur.de*.

Starnberg: Exklusives Video vom Mob

Mob in Starnberg/Oberbayern: Übergriffe von Polizisten noch unklar

Dorthin bewegte sich in der Folge auch die Gruppe Jugendlicher. Aus deren Mitte nahm die Polizei zwei weitere Personen vorübergehend fest – einen 19-Jährigen vom Ostufer des Starnberger Sees und einen 15-Jährigen aus dem Landkreis. Sie sollen versucht haben, den anderen 15-Jährigen zu befreien.

Inwieweit es in dieser Nacht auch zu Übergriffen von Polizeibeamten auf Jugendliche gekommen ist, wird im Übrigen auch untersucht. Es sei bekannt, dass das Dezernat für interne Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts von Anfang an eingeschaltet gewesen sei, betonte Kammerer. Nähere Angaben zum Stand aller Ermittlungen wollte der Polizeisprecher unter Verweis auf das laufende Verfahren gestern nicht machen.

Starnberger Mob: Abschluss der Ermittlungen nicht absehbar

An der Aufklärung der Vorgänge am Abend des 25. Juli war zwischenzeitlich ein Dutzend Beamte der Kripo Fürstenfeldbruck beteiligt. Ein Polizeihubschrauber flog einmal in niedriger Höhe über die Stadt, um Fotos vom Tatort zu machen. Auch mehrere Handy- und Videoaufnahmen haben die Beamten ausgewertet. Sie dürften wohl von beschlagnahmten Geräten stammen. Das von der Polizei extra eingerichtete Upload-Formular im Internet für Foto-, Video- oder Audioaufnahmen wurde nach Informationen des Starnberger Merkur jedenfalls nur spärlich bis gar nicht genutzt. Die „Ermittlungsgruppe Rheinlandstraße“ sei in der Zwischenzeit wieder aufgelöst worden, sagte Kammerer, einzelne Beamte arbeiteten aber nach wie vor an dem Fall. Wann die Ermittlungen komplett abgeschlossen sind, sei nicht abzusehen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Meistgelesen

Lkw steckt unter Brücke fest: Fahrer will nichts bemerkt haben
Lkw steckt unter Brücke fest: Fahrer will nichts bemerkt haben
Schock für Fahrer: Mann läuft auf den S-Bahn-Gleisen - kurze Zeit später ist er tot
Schock für Fahrer: Mann läuft auf den S-Bahn-Gleisen - kurze Zeit später ist er tot
Chaos-Fahrer schockt Verkehrsteilnehmer und Polizei auf A8 - dann macht er Hitler-Gruß
Chaos-Fahrer schockt Verkehrsteilnehmer und Polizei auf A8 - dann macht er Hitler-Gruß
Notlandung am Flughafen München: Katastrophenschutz im Einsatz
Notlandung am Flughafen München: Katastrophenschutz im Einsatz

Kommentare