Mundart vor Gericht

Plattenlabel verklagt Modefirma „Oberlandla“ wegen bairischem Dialekt-Spruch auf T-Shirts

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Mit frechen Sprüchen auf Bairisch versieht Fabio Cinelli die Kleidungsstücke seines Labels „Oberlandla“. Ein Motiv wird nun ein Fall fürs Gericht. 

„Wem gehört die Sprache?“ Diese Frage stellt der Lenggrieser Unternehmer Fabio Cinelli in einem aktuellen Blogbeitrag auf der Internetseite seines Unternehmens „Oberlandla“.

Lenggries – Fabio Cinelli hat dafür einen konkreten Anlass: Die Isarwinkler Firma hat eine Klage wegen einer angeblichen Verletzung des Urheberrechts am Hals. Nach Cinellis Angaben pocht eine Liedermacherin darauf, dass ein Spruch auf einem „Oberlandla“-Shirt ihr geistiges Eigentum sei.

Oberlandla verkauft Statement-Shirts auf Boarisch

Die Firma Oberlandla kreiert und vertreibt modische „Statement-Shirts“ – frech und heimatlich gestaltet. Das heißt, auf ihren T-Shirts, Kapuzensweatern und anderen Kleidungsstücken sind Aufschriften wie „Do legst di nieda“, „An Scheiß muass i“, oder „Lem und lem lassn“ zu lesen. Welcher Spruch nun konkret zum juristischen Zankapfel geworden ist, das möchte Cinelli nicht öffentlich preisgeben – auf anwaltlichen Rat, da es sich um ein schwebendes juristisches Verfahren handle. Cinelli sagt nur so viel: „Es ist eine bayerische Redewendung, die ich persönlich aus dem familiären Umfeld kenne. Meine Mutter hat sie schon verwendet und sie kennt sie von ihrem Vater.“

Gehört der bayerische Sprachschatz der Allgemeinheit - oder einer Liedermacherin?

Ende August sei nun bei „Oberlandla“ eine Abmahnung angekommen. Ein in München ansässiges Plattenlabel habe geltend gemacht, dass der Text auf einem der Lenggrieser Shirts von einer Liedermacherin erdichtet worden sei, die dort unter Vertrag stehe. Die geforderte Unterlassungserklärung unterschrieb der Lenggrieser Unternehmer aber nicht.

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„Unsere Position ist, dass sie sich genauso im bayerischen Sprachschatz bedient hat wie wir.“ Der Lenggrieser verweist auf zahlreiche Fund- und Belegstellen, die zeigen, dass betreffender Ausspruch schon lange und weit verbreitet sei – auch im Hochdeutschen und im Schwäbischen. Er ist daher überzeugt, das Urheberrecht der Liedermacherin nicht verletzt zu haben. „Dass eine Musikerin ein Lied mit dieser Floskel im Refrain veröffentlicht hat, macht sie nicht zur Erfinderin dieser Floskel.“

Plattenlabel reicht Klage am Landgericht München ein

Das Plattenlabel will es aber offenbar darauf ankommen lassen. Cinelli teilt mit: „Bis dato war keine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Ende Oktober hat das Plattenlabel beim Landgericht München Klage gegen uns eingereicht.“ Inwieweit die Musikerin selbst dahinter stehe, sei ihm nicht bekannt.

Der Anwalt, den sich das Unternehmen genommen hat, rechnet zwar nicht damit, dass die Klage große Chancen hat. Ein Rest Unsicherheit bleibt bei Cinelli aber. Und zumindest die Anwaltskosten und viel Zeitaufwand hat ihn der Streit schon jetzt gekostet. Für ein kleines Unternehmen mit zwei Inhabern und zwei Angestellten sei ein Rechtsstreit nicht einfach nebenbei zu bewältigen.

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„Wir lassen uns Dialektbegriffe und Floskeln nicht wegnehmen“

Cinelli ärgert sich aber auch persönlich über die Klage, die er für „dreist“ hält. „Die Sprache muss frei bleiben“, erklärt er. „Wir lassen uns allgemein übliche Dialektbegriffe und Floskeln nicht wegnehmen.“ Auch „Oberlandla“ habe ein Interesse daran, die eigenen kreativen Schöpfungen zu schützen, aber: „Wer in seinem Werk Elemente der Allgemeinsprache verwendet, soll nicht das Recht haben, diese Elemente isoliert für sich allein zu beanspruchen. Wir nicht, und auch andere nicht.“

„Oberlandla“ war in der Vergangenheit schon zweimal mit Rechtsstreitigkeiten wegen seiner Shirt-Motive konfrontiert. Damals ging es aber nicht um Urheberrecht, sondern um den Schutz eingetragener Marken. 2013 verklagte eine Geretsrieder Firma „Oberlandla“ wegen der Verwendung des Begriffs „Wuidara“. Die Gerichtsverhandlung endete laut Cinelli mit einem Vergleich. Fakt ist, dass „Oberlandla“ das Wort bis heute auf seine Shirts drucken darf.

Genauso verhält es sich mit „Sacklzement“, das ein Taschenhersteller im Jahr darauf für sich beanspruchte. Hier konnte Cinelli den Konflikt außergerichtlich lösen. „Die Sache hat sich in Wohlgefallen aufgelöst.“

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