Weil die Grafik lückenhaft ist

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“: 60-Jährige vom MVV-Tarifplan in die Irre geführt

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60 Euro Bußgeld muss Andrea Brinkmann zahlen, obwohl sie vor Fahrtantritt den Tarifplan studierte. 

Trotz eines Tickets kann man beim MVV leicht zum Schwarzfahrer werden. So ist es Andrea Brinkmann aus Taufkirchen ergangen.

Taufkirchen – Die 60-Jährige kaufte eine Wochenkarte für ihre Fahrt von Taufkirchen nach Dachau in die Würmstraße. Die Grafik des MVV-Gesamttarifplans interpretierte sie am Bahnsteig in Taufkirchen so, dass sie sechs Ringe zu zahlen habe und fütterte den Automaten mit 29 Euro.

Vom S-Bahnhof Dachau setzte sie die Fahrt im Bus 744 Richtung Osten fort und erlebte eine böse Überraschung. Ein Kontrolleur prüfte ihr Ticket und sie kassierte den ersten Bußgeldbescheid ihres Lebens. „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Der Mitarbeiter erklärte, dass der Bus vom sechsten in den siebten Ring fährt. Das hatte sie auf dem Plan am Taufkirchner Bahnhof nicht herauslesen können.

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Taufkirchenerin ist nicht die einzige „Schwarzfahrerin“ - jetzt verlangt sie ihr Geld zurück

Am Arbeitsplatz angekommen, stellte Brinkmann fest, dass sie kein Einzelfall ist: Zwei Kolleginnen berichteten, dass auch sie einen Fahrschein für sechs Ringe gelöst und so unabsichtlich ein ungültiges Ticket gekauft hatten. Zwar machten sie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf die missverständliche Grafik aufmerksam, genutzt habe es aber nicht. „Es ist eigentlich nicht möglich, das korrekte Ticket zu kaufen, solange die Grafiken nicht geändert werden“, sagt Brinkmann. „Ich werde nicht die letzte sein, die unabsichtlich einen Fahrschein löst ohne den siebten Ring.“

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Daher versteht sie nicht, warum sie 60 Euro bezahlen musste und verlangt das Geld zurück. „Solange die Grafiken nicht geändert werden, ist es schwierig, einen korrekten Fahrschein zu lösen.“ Brinkmann wandte sich an die MVG-Kundenstelle am Hauptbahnhof. Dort erklärte ihr eine Mitarbeiterin: Sie hätte im Internet nachschauen müssen, statt sich auf die Darstellung am Bahnsteig zu verlassen, dann hätte sie klar erkennen können, dass der Bus im siebten Ring fährt, auch wenn der S-Bahnhof Dachau im sechsten Ring liegt. MVG-Sprecher Matthias Korte verweist auf Merkur-Anfrage darauf, dass das zwar im ausgehängten Tarifplan nicht ersichtlich ist, denn die Buslinie 744 ist nicht eingezeichnet, „aber da hätte man eine Recherche mehr machen müssen.“ Das Bußgeld werde nicht zurückerstattet.

Taufkirchnerin forderte die MVG auf, Tarif-Grafiken zu ändern

Andrea Brinkmann fühlt sich nicht verstanden. „Ich bin beruflich oft in anderen europäischen Städten mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In keiner dieser Städte brauchte ich zusätzliche Informationen aus dem Internet, um ein gültiges Ticket zu kaufen.“

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Die Taufkirchnerin forderte die MVG in einem Brief auf, die Tarif-Grafiken an den Bahnsteigen zu ändern. Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) hat sie einen Brief geschrieben. Er räumt ein, dass die grafische Darstellung des kompletten MVV-Angebots mit all seinen Buslinien auf dem Plan leider nicht umfassend abbildbar sei. Er verspricht, eine bessere Einzeichnung der Regionalbuslinien im Gesamtfahrplan beim MVV anzuregen.

Irre: Allein an Brinkmanns Arbeitsplatz schon vier Kunden auf die Darstellung reingefallen

Allerdings weist der Landrat darauf hin, dass Brinkmann vor dem Einstieg in den Bus die tarifliche Einordnung an der Bushaltestelle hätte nachlesen können. „Aber wer hinterfragt an der Bushaltestelle noch einmal den Tarif?“ Andrea Brinkmann kam nicht auf die Idee.

Sie und ihre Kollegen steigen nun zwei Kilometer vor ihrer Arbeitsstelle aus dem 744er Bus aus und laufen 20 Minuten zu Fuß.

Vor einer Woche hat eine 28-jährige Kollegin übrigens ebenfalls ein Wochenticket für sechs Ringe gekauft. Nun sind allein an Brinkmanns Arbeitsplatz schon vier MVV-Kunden auf die missverständliche Darstellung hereingefallen.

Video: Was darf Kontrolleur bei echten Schwarzfahrern?

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