Tempo-Limit gefordert

Rettung für mehr als halbe Million Tiere: Tödliche Gefahr für Art - und dringender Appell an Autofahrer

Kröte
+
Etwas später als üblich hat die Wanderschaft der Frösche und Kröten in diesem Jahr begonnen. Die Tiere machen sich in Scharen auf den Weg zu dem Tümpel, Teich oder See, in dem sie selbst geboren wurden und laichen dort.

In Bayern haben sich Millionen von Amphibien aufgemacht, um zu ihren Laichgewässern zu gelangen. Hilfe bekommen sie dabei von vielen Ehrenamtlichen, die die Tiere sicher über die Straße bringen. Der Bund Naturschutz bittet vor allem Autofahrer um besondere Vorsicht.

Bad Tölz – Wenn Friedl Krönauer dieser Tage nach 21 Uhr das Haus verlässt, dann meist mit Eimer, Handschuhen und Taschenlampe. Ziel des Vorsitzenden der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen ist ein Abschnitt an der B11 in Kochel und zwei Amphibienzäune, die die Helfer dort entlang der Bundesstraße aufgebaut haben. Krönauer sammelt Kröten, Frösche und Molche auf, trägt sie über die Straße und lässt sie wieder frei. „Je nachdem, wie viel an den Zäunen los ist, dauert so ein Einsatz ein bis zwei Stunden“, sagt Krönauer.

Mal sind es zehn, mal 70 Tiere, die der 60-Jährige in seinen Eimer packt. An anderen der insgesamt 17 Sammelstellen im Landkreis können pro Nacht 200 Tiere und mehr zusammenkommen. Allerdings gibt es an der B11 seit einigen Jahren eine sogenannte Amphibienleiteinrichtung. Sieben Tunnel auf einer Strecke von etwa einem Kilometer ermöglichen den Tieren die sichere Unterquerung der Bundesstraße. „Wie viele Tiere den Tunnel nutzen, wissen wir nicht“, sagt Krönauer. Sicher ist nur, dass nicht alle die Einlässe finden. „Dafür sind wir dann da.“

Friedl Krönauer ist einer von fast 6000 Ehrenamtlichen in Bayern, die versuchen, die Amphibien sicher ans Ziel ihrer Reise zu bringen.

Bayern (Bad Tölz): Mehr als halbe Million Tier-Rettungen - Gefahr für Art

Rund 200 Amphibien-Helfer helfen im Landkreis pro Jahr rund 35 000 Amphibien über die Straße. In ganz Bayern beteiligen sich an die 6000 Ehrenamtliche an der Aktion. Jedes Jahr retten sie dabei an 450 Straßenabschnitten in Bayern 500 000 bis 700 000 Tiere. Laut Bund Naturschutz (BN) ist es die größte Mitmach-Aktion des Naturschutzes im Freistaat. „Ohne dieses große Engagement wären viele Amphibienpopulationen schon ausgestorben“, betont der BN.

Die Tiere beginnen ihre oft kilometerlange Wanderung, abhängig von Temperatur und Witterung im Februar oder März. Bis April versuchen Millionen von Kröten, Fröschen und Molchen dann, zu ihren Laichgewässern zu gelangen, um sich dort zu paaren und ihre Eier abzulegen. Jedes Jahr suchen sie dabei die Tümpel, Weiher und Seen auf, in denen sie selbst einst zur Welt gekommen sind. Liegt das Gewässer jenseits einer Straße, wird die jährliche Wanderschaft für sie lebensgefährlich, zumal die Tiere nicht tagsüber, sondern erst ab der Abenddämmerung und nachts wandern.

Viele Tiere werden überfahren. Sie sterben aber auch dann, wenn ein Fahrzeug zu schnell an ihnen vorbeifährt. Dann ist es die Über- und Unterdrucksituation, die das Fahrzeug auf der Straße erzeugt, die für die Kröten und Frösche tödlich ist. Experten empfehlen deshalb während der Amphibienwanderung an kritischen Straßenabschnitten ein Tempo-30-Limit.

Bayern: Ehrenamtliche retten Tiere - Autofahrer als große Gefahr

„Das wäre schön“, sagt Krönauer, der allerdings die Erfahrung macht, dass die Autofahrer an der B11 selbst die Tempo-50-Beschränkung nicht einhalten, die während der Amphibien-Wanderzeit auf dem Sammelabschnitt gilt. „Da gibt’s immer einige, die meinen, mit 120 an uns vorbeirasen zu müssen, weil es ja eh nur um blöde Frösche geht, sagt Krönauer. Auch deshalb sind die Helfer im Landkreis neben Warnweste nun auch mit Blinklichtern ausgestattet.

Der Bund Naturschutz hat einen dringenden Appell an die Autofahrer gerichtet, in den kommenden Wochen besonders vorsichtig zu fahren. Dem kann sich Friedl Krönauer nur anschließen, der darüber hinaus für eine bessere Lobby für Amphibien kämpft. „Wer einen Teichfrosch oder eine Erdkröte einmal genauer betrachtet, wird feststellen, wie schön diese Tiere sind“, sagt er. Davon abgesehen seien Amphibien, wie alle anderen Tier- und Pflanzenarten auch, ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. „Dieses Netz ist nur so stabil wie die Verbindungen, die es zusammenhält“, sagt Krönauer. „Verlieren wir zu viele dieser Verbindungen, wird uns dieses Netz nicht mehr tragen.“ Von den 19 Amphibienarten in Bayern sind zehn Arten gefährdet.

Auch interessant

Kommentare