Interview: Ebersberger Künstler belohnt Autofahrer, die sich Zeit lassen

Bayern: Parken und entschleunigen - Konzeptkünstler fordert mehr Umweltbewusstsein von Kurzzeit-Parkern

Je mehr Zeit man mitbringt, desto günstiger wird es: Peter Kees hat einen Entschleunigungs-Parkplatz geschaffen.
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Je mehr Zeit man mitbringt, desto günstiger wird es: Peter Kees hat einen Entschleunigungs-Parkplatz geschaffen.

Peter Kees ist Konzeptkünstler und Kurator des Arkadien-Festivals in Ebersberg. Neben dem Klosterbauhof hat er die Aktion „Der entschleunigte Parkplatz“ ins Leben gerufen.

Peter Kees ist Konzeptkünstler und Kurator des Arkadien-Festivals „Wo bitte geht es nach Arkadien“, das noch bis zum 18. Juli in Ebersberg läuft. Eine Aktion ist der „Entschleunigte Parkplatz“ neben dem Klosterbauhof: Wer dort weniger als 30 Minuten sein Auto stehen lässt, muss zehn Euro bezahlen, wer es jedoch einen ganzen Tag stehen lässt, muss nur einen Euro berappen, und wer das Auto gar zwei Tage stehen lässt, bekommt einen Kaffee gratis.

Herr Kees, haben Sie schon eine Tasse Kaffee an dem „Entschleunigten“ Parkplatz“ ausgeschenkt?

Nein, das haben wir noch nicht, weil noch keiner zwei Tage dort stand. Aber es haben schon ein paar Leute dort geparkt, und wer dort steht, muss prinzipiell bezahlen.

Haben Sie denn etwas gegen Kurzparker?

Ich persönlich habe gar nichts gegen Kurzparker. Doch beim Arkadienfestival geht es dieses Jahr um Interventionen im öffentlichen Raum. Dazu haben wir auch den Verein zur Verzögerung der Zeit eingeladen, und er hat diesen Entschleunigten Parkplatz als Kunstaktion erschaffen.

Was will der Verein mit diesem Parkplatz sagen?

Unsere Gesellschaft ist im Umbruch. Wir müssen über den Klimawandel nachdenken, also auch über den Verkehr, und dazu kann man sich die Frage stellen: Warum muss man Gebühren zahlen, wenn man ein Automobil stehen lässt? Der Verein hat diese abwegige Praxis infrage gestellt, indem er einen Parkplatz erschaffen hat, auf dem man sehr hohe Gebühren zahlt, wenn man das Auto eben nur kurz abstellt, um gleich darauf wieder weiter zu fahren.

Warum interessiert sich die Kunst für schnöde Themen wie das Parken?

Wir haben in unserer Gesellschaft viele Probleme, die sich gerade jetzt in der Pandemie wie durch ein Vergrößerungsglas zeigen, und die bearbeitet werden müssen. Dabei ist die Kunst ganz wesentlich. Sie hat meiner Meinung nach einen hohen gesellschaftlichen Auftrag: Sie stellt Fragen, löst Irritationen aus. Genau darum geht es bei diesen Aktionen. Wir versuchen, gesellschaftliche Entwicklungen zu spiegeln, Denkanstöße zu geben. Arkadien ist eigentlich der antike Traum von einer besseren Welt, und ich begreife „Arkadien“ als Plattform für heutige Lösungsstrategien.

Soll der Parkplatz also einen Denkanstoß zum Thema Umweltschutz sein?

Ja, aber es geht uns nicht nur um den ökologischen Ansatz, es geht auch um die Frage: Wie gehen wir mit Zeit um? Warum beschleunigen wir alles? Warum haben wir nicht mehr Muße?

Sie haben im Rahmen des Festivals auch beantragt, dass eine Straße in Ebersberg in „Müßiggang“ umbenannt wird.

Das ist auch ein Projekt des Vereins zur Verzögerung der Zeit. Es gibt im ganzen deutschsprachigen Raum keine Straße, in der die Muße gewürdigt wird. Deshalb wurde dieser Antrag gestellt. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber möglicherweise wird Ebersberg dann die erste Stadt in Deutschland sein, die einen „Müßiggang“ hat.

Wie viel Müßiggang gibt es denn in Ihrem Leben?

Ich versuche, so weit mir das möglich ist, selbstbestimmt durchs Leben zu gehen, die Dinge kritisch zu reflektieren und die Muße zu pflegen – obwohl mir das ehrlich gesagt nicht immer gelingt. Interview: Nina Praun

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