Anfeindungen im Netz

Wegen “böser Kommentare“: So reagieren Meridian-Mitarbeiter auf Facebook-Seite  

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Der Meridian hat eine Belegschaft, die sich mit ihrem Unternehmen identifiziert. Bis jetzt zumindest.

Eisenbahner vom Meridian stellen ihren privaten Info-Service auf Facebook ein. Die Anfeindungen wurden ihnen einfach zu viel. Auch aufgrund der aktuellen Ausfälle.

Update, Montag 11.02.: Die Facebook-Gruppe bleibt bestehen

Laut einem Update auf der Facebook-Seite wollen die Verantwortlichen diese doch weiter betreiben. „Wir haben uns entschieden, die Gruppe weiter zu führen“, schreibt einer der Administratoren.

Ursprünglicher Artikel

Holzkirchen – „Der Meridian – Fahrgastseite“ heißt die Facebook-Gruppe, die immerhin knapp 800 Mitglieder zählt. Täglich gibt es dort aktuelle Meldungen über Zugausfälle, Engpässe und Verspätungen. Für Pendler ein wahrer Schatz. Die Meldungen waren oft aktueller und genauer als die offiziellen Beiträge des Unternehmens. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Auch wegen der vielen Ausfälle und Zugkürzungen hat sich der Ton in jener Facebook-Gruppe zusehends vergiftet. So sehr, dass es ihren Erfindern zu viel wurde.

Denn hinter der informativen Gruppe steckt nicht etwa das Mutterunternehmen Bayerische Oberlandbahn. Stattdessen gründete ein Team aus aktuellen und ehemaligen Meridian-Mitarbeitern den Service vor einigen Jahren. Sie betreiben die Gruppe in ihrer Freizeit. Weil sie Spaß daran haben, weil einige finden, dass die Kunden-Kommunikation der BOB ausbaufähig ist und weil sie stolz auf ihren Meridian sind. Neben aktuellen Streckenmeldungen teilten sie Bilder von ihrer täglichen Arbeit und vom Meridian. Früher gab es dafür viele Likes. Heute wird auch geschimpft.

Facebook-Gruppe „Der Meridian - Fahrgastseite“ vor dem Aus

Hier gibt es vorerst keine Meldungen mehr: Facebook-Gruppe von Meridian-Mitarbeitern.

Ein Administrator der Gruppe wendete sich nun mit einer emotionalen Nachricht an alle Mitglieder. Man kann sie auch als Abschied verstehen. „Es wird erst mal keine weiteren Posts geben“, schreibt er. Das Team bedauere das. „Aber wir müssen auch mal Konsequenzen ziehen.“ Es habe zuletzt häufig „Unverständnis und Unfreundlichkeiten“ gegeben. Zu viel, um sie einfach wegstecken zu können. Deshalb ziehen sich die Eisenbahner aus ihrem privaten Engagement auf Facebook zurück.

Die Reaktionen auf diese Ankündigungen ließen nicht lange auf sich warten. Einige Gruppenmitglieder reagierten mit Verständnis, viele mit Unverständnis und Unfreundlichkeiten. So viele, dass sich der Admin gezwungen sah, die Kommentarfunktion unter jenem Post zu schließen.

Lesen Sie auch: Nach Schnee-Chaos: Pendler bekommen Geld zurück - doch es gibt einen Haken

Admin: „Unsere Mühe wurde nur noch mit bösen Kommentaren belohnt“

„Unsere Mühe wurde nur noch mit bösen Kommentaren belohnt“, sagt ein Administrator, der nicht namentlich genannt werden will. „Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte die Gruppe ganz gelöscht.“ Er könne den Frust der Pendler verstehen. Nur die Macher der Gruppe können dafür wenig, sagt der Administrator. „Das sind doch auch nur Menschen.“

Von ihren Chefs brauchen die Mitarbeiter wohl eher nicht auf Unterstützung hoffen. Bei der BOB selbst sieht man derartige Engagements auf Facebook sowieso kritisch: „Das ist ein privates Engagement von Mitarbeitern, von dem wir uns als Unternehmen klar distanzieren“, sagt Anna Graser, Marketing-Chefin der BOB. Für alle, denen das noch nicht deutlich genug war, fügt sie hinzu: „Wir fänden es schöner, wenn sich unsere Mitarbeiter auf ihre Kernaufgaben fokussieren.“

BOB, Meridian und BRB verfügten über einen professionellen Social-Media-Auftritt. Und dort sollten die Kunden auch landen. Nicht auf irgendwelchen privaten Gruppen.

Doch das sehen die Macher der Meridian-Facebook-Gruppe anders. „Die Kommunikation von Störfällen durch die BOB ist mehr als ausbaufähig“, sagt der Administrator. Deshalb habe er die Gruppe auch nicht gelöscht. Um irgendwann, wenn sich die Lage beruhigt, vielleicht doch wieder weiterzumachen. Auch weil es den Mitarbeitern guttut. „Wir sind eine große Familie beim Meridian.“

Lesen Sie auch unser großes User-Interview zum Thema: Der damalige BOB-Chef Bernd Rosenbusch im Gespräch: Ihre Fragen, seine Antworten

kmm

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