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Wehmütiger Abschied vom Alten Bad in Kreuth: Wirtin übergibt an bekannten Hotelier

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Von: Christina Jachert-Maier

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Ein letztes Mal wird Wirtin Katrin Engelmann am Sonntag, 8. Januar, das Gasthaus Altes Bad für ihre Gäste öffnen. Sie hat den Pachtvertrag mit der herzoglichen Familie beendet.
Ein letztes Mal wird Wirtin Katrin Engelmann am Sonntag, 8. Januar, das Gasthaus Altes Bad für ihre Gäste öffnen. Sie hat den Pachtvertrag mit der herzoglichen Familie beendet. © Steffen Gerber

Mit Wehmut nimmt Wirtin Engelmann Abschied vom Gasthaus Altes Bad. Corona und der Personalmangel waren am Ende zu viel. Jetzt übernimmt Korbinian Kohler.

Wildbad Kreuth – Die Entscheidung ist Katrin Engelmann (57) nicht leicht gefallen. „Wir haben uns einen tollen Namen gemacht, haben tolles Essen und ein tolles Haus“, sagt die Wirtin über ihre Zeit als Pächterin des Gasthauses Altes Bad.

Engelmann hatte das Gasthaus erst 2018 übernommen

An diesem Sonntag, 8. Januar, wird sie dort das letzte Mal in der Küche stehen. Ende Januar endet ihr Pachtvertrag mit der herzoglichen Familie. Eigentlich hätte er 15 Jahre lang laufen sollen. Aber Engelmann hat nach fünf Jahren die Gelegenheit zum vorzeitigen Ausstieg genutzt. Die Belastungen wurden einfach zu groß. „Ohne genug Personal ist das einfach nicht zu wuppen“, sagt die Wirtin.

Übernommen hat Engelmann das Traditionshaus – 1511 wurde es das erste Mal als von Tegernseer Mönchen errichtetes Badehaus schriftlich erwähnt – im Mai 2018 als Nachfolgerin von Johanna und Axel Winkelmann. Ihr Versprechen von damals, einen guten Ort für Gäste und Einheimische zu schaffen, sieht sie erfüllt: „Es ist uns gelungen, ein gutes bayerisches Gasthaus zu schaffen.“

Corona-Lockdowns: Neuanfang fiel in eine unglückliche Zeit

Was zu diesem besonderen Ort passt, musste der neuen Pächterin, einer passionierten Jägerin, niemand sagen. Lange Jahre leitete sie gemeinsam mit Fischer Michael Ostermeier die herzogliche Fischzucht Wildbad Kreuth. „Ich bin hier zuhause“, sagt Engelmann. Ihr Konzept passte zur Historie, aber der Neuanfang fiel in eine unglückliche Zeit.

Vier, fünf Jahre dauere es für gewöhnlich, um nach einem Start in die Gewinnzone zu fahren, meint Engelmann. „Aber da hatten wir schon zweimal Corona.“ Der Staat zahlte Geld, um den Lockdown zu überbrücken, will es jetzt aber zurück. Ihr habe die Zeit gefehlt, mit dem Betrieb Geld auf die Seite zu bringen, meint die Wirtin: „Uns tun die Rückzahlungen richtig weh.“ Zumal die Gäste sich nach dem Lockdown nur verhalten zurück in die Gaststätten getraut hätten.

Kein Personal: „Es war für uns alle eine Doppelbelastung“

Aber all das wäre vielleicht noch zu bewältigen gewesen. „Das A und O ist das Personal“, sagt Engelmann. Gut ein dutzend Leute brauche sie an guten Tagen für den Betrieb. Mit vier bis fünf musste die Wirtin auskommen. „Es war für uns alle eine Doppelbelastung“, erinnert sie sich an die Saison 2022. Die fing früh an, weil schon im Februar das Wetter schön war. Bis Oktober wurde durchgearbeitet. „Danach waren wir alle ausgepowert.“

Engelmann hat die Reißleine gezogen, weil „es auch wirtschaftlich keinen Sinn macht“. Pro Jahr brauche es 30.000 Liter Heizöl, um das historische Anwesen zu heizen, sie koche mit Gas, dazu die Rückzahlungen und der Stress: Engelmann steigt aus.

Korbinian Kohler nimmt Vorpachtrecht für Altes Bad wahr

Einsteigen wird Unternehmer und Hotelier Korbinian Kohler. Für ihn liegt das Engagement buchstäblich nahe. Seit April 2021 hat ihm die herzogliche Familiengesellschaft Wildbad Kreuth Familien GmbH&Co.KG große Teile von Wildbad Kreuth in Erbpacht überlassen. Kernobjekt ist das prachtvolle Hauptgebäude, das Kohler zu einem Mental Retreat von Weltrang machen will. Kohlers Vertrag sieht ein Vorpachtrecht für das Gasthaus Altes Bad vor, das er nun wahrnimmt.

Das kommt Freiherr Andreas von Maltzan, Geschäftsführer der herzoglichen Gesellschaft, sehr gelegen. „Ab dem 1. Mai freuen wir uns, als neuen Pächter die Wildbad Kreuth Beherbergungs-Gesellschaft zu begrüßen“, teilt Maltzan schriftlich mit. Die Gaststätte solle weiterhin mit bayerischer Traditionskost fortgeführt werden.

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Altes Bad soll als bodenständiges, bayerisches Lokal weitergeführt werden

Hinter der Gesellschaft steht Kohler, der das geschichtsträchtige Haus vor der Wiedereröffnung nur ein wenig aufpolieren will. „Wir wollen es in diesem Stil als bodenständiges, bayerisches, gepflegtes Lokal weiterführen“, erklärt Kohler. Nur eines ändere sich: Das Gasthaus wird künftig auch abends geöffnet sein, nicht nur tagsüber wie bisher.

Gespräche zwischen der jetzigen Wirtin und dem neuen Pächter haben schon stattgefunden. Engelmann ist froh, noch im Winter aussteigen zu können. Und überzeugt davon, dass das historische Haus in guten Händen ist: „Es wird ein Kleinod bleiben.“

Kohler will Pop-up-Hotel im Hauptgebäude Wildbad Kreuth eröffnen

Im Frühjahr wieder eröffnen wird Korbinian Kohler auch das Pop-up-Hotel im Hauptgebäude. Um das alte Gemäuer belebt zu halten, bietet der Hotelier im Sommer einfache Zimmer an, die gern von Wanderern genutzt werden. Zwischenzeitlich hatte er die Räume ab März 2022 auch für Ukraine-Flüchtlinge zur Verfügung gestellt.

Die Pop-up-Lodge soll die Zeit überbrücken, bis der große Umbau des Anwesens zum luxuriösen Mental Retreat beginnt. „Wir haben durch die ganzen Umstände eine Verzögerung von mindestens einem Jahr“, berichtet Kohler. Er plane weiter für den großen Wurf und hoffe, im Jahr 2024 mit den Bauarbeiten beginnen zu können.

Vertrag mit Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann ist abgelaufen

Ausgelaufen ist der Zwei-Jahres-Vertrag mit Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann, der Räume in Wildbad Kreuth für Festivitäten vermarktet hatte. Für Veranstaltungen zu vermieten sind die repräsentativen Räume wie etwa die überdachte Molkehalle und der Festsaal aber weiterhin, der Caterer ist dabei frei wählbar. Es habe keine Differenzen mit Dahlmann gegeben, versichert Kohler: „Aber wir wollten das Angebot jetzt für alle öffnen.“ (jm)

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