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„Zettelwirtschaft und immer neue Regeln“: Mega-Solaranlage an A96 längst fertig - aber der Anschluss fehlt

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Von: Hanna von Prittwitz

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Auf gut einem Kilometer Länge erblicken Autofahrer entlang der A96 bei Geisenbrunn seit einigen Wochen einen bis zu 100 Metern breiten Streifen aus aufgeständerten Solarpaneelen.
Auf gut einem Kilometer Länge erblicken Autofahrer entlang der A96 bei Geisenbrunn seit einigen Wochen einen bis zu 100 Metern breiten Streifen aus aufgeständerten Solarpaneelen. © S&T PLANUNGSGMBH

Seit gut sieben Wochen ist die Solaranlage an der A 96 fertig. Angeschlossen ist sie aber noch nicht. Über die Gründe für die Verzögerung gehen die Meinungen auseinander.

Geisenbrunn – Seit Wochen sind sie montiert, die insgesamt 36.000 Solarmodule entlang der Autobahn A 96 bei Geisenbrunn. Sie sollen in Zukunft jährlich 17,8 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und damit mehr als 4000 Haushalte versorgen. Wenn sie denn angeschlossen werden. Das sollte schon im Juni geschehen. Das entscheidende Kabel aber verlegt die Bayernwerk Netz GmbH erst in den kommenden Tagen. Termin für den Anschluss ist nun der 29. Juli.

Robert Sing, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Sing, kann sich darüber gehörig aufregen. Für ihn sind die Bürokratie und die Bayernwerk Netz GmbH verantwortlich. „Die Leute dort sind über Wochen nicht erreichbar“, sagt er dem Starnberger Merkur. Dazu käme ein „bürokratisches Konstrukt mit einer Zettelwirtschaft und immer neuen Regeln, das die Energiewende ausbremst“. Denn die Regularien seien das eine, die Auslegung das andere. „Wir arbeiten auch mit kleineren Stromversorgern zusammen, da ist das alles kein Problem“, klagt Sing. Da könne man auch mal Unterlagen nachliefern. Das sei bei der Bayernwerk Netz GmbH nicht möglich. „Dadurch gehen immer wieder Wochen verloren. Die Zeit hat unsere Gesellschaft nicht.“

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Solaranlage an A 96: Verlust könnte bei „so 500.000 Euro“ liegen

Bernhard Kirchhofer von der Planungsabteilung des Ingenieurbüros Sing sieht den Fall nicht ganz so tragisch. „Wir sind einen Monat in Verzug. Ich weiß von Projekten, die warten seit Februar auf einen Anschluss.“ Sachbearbeiter und Handwerker täten, was sie könnten. Es hapere bei dem Stromversorger mehr in der Entwicklung im Vorfeld. „Es gibt zu viele Ecken, um die man muss, um zum Ziel zu kommen.“ Er räumte aber auch ein: „Man muss schon sehr viele Mails schreiben und hartnäckig sein. Aber das lehrt einen die Erfahrung.“ Den Verlust durch den Nichtanschluss habe er nicht durchgerechnet. „Aber in Abhängigkeit vom Wetter können das schon so 500.000 Euro sein.“

Christian Martens, Sprecher der Bayernwerk Netz GmbH, reagiert erstaunt auf die Anwürfe. „Es ist an dieser Stelle nichts passiert, was nicht angekündigt worden wäre“, sagt er. So habe das Unternehmen dem Ingenieurbüro am 27. Juli 2021 mitgeteilt, dass der Netzanschlusspunkt nach einem festen Prozedere innerhalb von 15 bis 20 Monaten gelegt werde. „Wir nennen immer unseren Zeitrahmen. Und liegen nun bei diesem Projekt bei zwölf Monaten.“

Bayernwerke zu Solaranlage an A 96: „Auch wir wünschen uns schlankere Prozesse.“

Er räumte ein, dass die Prozesse umfangreich seien. „Aber nicht wir machen die Welt komplizierter, sondern müssen da selbst mit umgehen. Auch wir wünschen uns schlankere Prozesse.“ Man sehe die Schnelligkeit in diesem Boom als Notwendigkeit. „Aber es muss auch leistbar sein.“ Personalmangel sei ein Punkt, aber nicht der entscheidende. „Wir wären gerne schneller und entwickeln Ideen. Aber da müssen alle mitarbeiten, Behörden, Gemeinden und Unternehmen.“ Anschlusstermin für das Solarfeld ist nun der 29. Juli. Betreiber ist die Sonnenenergie Gilching GmbH & Co. KG.

In den Regionen rund um München entstehen aktuell immer mehr Solarfelder. So beispielsweise ein Solarfeld in Zellsee bei Weilheim. Auch auf Gut Hub in Penzberg soll ein Solarfeld entstehen. In Weßling im Landkreis Starnberg gibt es bereits ein Solarfeld.

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