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In Absprache mit muslimischer Gemeinde: Beerdigung (fast) ohne Sarg in Kirchseeon möglich

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Von: Michael Seeholzer

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So würde das aussehen: Eine lebensgroße Figur wird hier in Nürnberg als Anschauungsobjekt in einem Leichentuch in ein Grab gelassen. dpa
So würde das aussehen: Eine lebensgroße Figur wird hier in Nürnberg als Anschauungsobjekt in einem Leichentuch in ein Grab gelassen. dpa © Daniel Löb

Kirchseeon erlaubt in Absprache mit der muslimischen Gemeinde einen neuen Bestattungsritus: Künftig können Verstorbene im Leichentuch bestattet werden.

Kirchseeon – Hier ging es nicht nur um eine Glaubensfrage: In Kirchseeon werden künftig Bestattungen ohne Sarg – also nur mit Leichentuch – erlaubt. Dazu musste die Kommune eine umfangreiche Recherche unternehmen, wie Stephan Baumann von der Verwaltung den Gemeinderat informierte.

In Absprache mit muslimischer Gemeinde: Beerdigung (fast) ohne Sarg in Kirchseeon möglich

Möglich wurde dieser neue Ritus deswegen, weil am 1. April vergangenen Jahres die Bayerische Bestattungsverordnung entsprechend geändert wurde. Die endgültige Entscheidung ist dabei in die Hände der Kommunen gelegt worden. Es müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein – und ganz ohne Sarg geht es doch nicht.

In Kirchseeon wurde die neue Bestattungsmöglichkeit in Absprache mit der muslimischen Gemeinde vor Ort auf den Weg gebracht. Wer so eine Beerdigung wünscht, muss einen Antrag stellen. Da gab es Nachfragen im Gemeinderat. Dahinter steckt die Befürchtung, dass sich auch Familien von Verstorbenen nicht-muslimischen Glaubens für diese Bestattungsart entscheiden könnten, weil sich die Hinterbliebenen damit einen teuren Sarg sparen.

Kirchseeon: Bürgermeister Paeplow - Zur Not können wir nachsteuern

Die Kommune will jetzt erst einmal damit beginnen und schauen, wie viele von dieser neuen Bestattungsart Gebrauch machen werden. Die Marktgemeinde könne ja „nachsteuern, wenn es zu viele werden“, meinte Bürgermeister Jan Paeplow (CSU).

Der Antrag zur Änderung der Friedhofssatzung war vor gut einem Jahr von der SPD-Fraktion gestellt worden. Damit soll „insbesondere auch Mitbürgern muslimischen und jüdischen Glaubens Bestattungen nach ihren Traditionen“ ermöglicht werden, hieß es dazu. Ganz so einfach war der Weg dorthin aber nicht. Denn es musste extra ein Bodengutachten erstellt werden. Der Vertragsbestatter, das Unternehmen Pietas, gab seinerseits grünes Licht.

Der Transport zum Grab muss in einem geschlossenen Sarg stattfinden

Ganz ohne Sarg freilich geht es trotzdem nicht. Das macht ein Blick in die vorgeschriebenen Rahmenbedingungen deutlich: „Der Transport der Verstorbenen zum Grab findet im geschlossenen Sarg statt, damit das sittliche Empfinden der Allgemeinheit nicht verletzt wird. Der Anblick eines nur in ein Tuch gehüllten Verstorbenen könnte andere Friedhofsbesucher befremden.“ Die Leichentücher stellt das Bestattungsunternehmen. Es ist vorgeschrieben, aus welchem Material sie sein müssen.

In Kirchseeon ist festzustellen, was auch in anderen Kommunen nicht zu übersehen ist. Es werden viele Erdgräber aufgelöst. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Die Bevölkerung wird immer älter, die Grabpflege wird manch einem zur Last. Auch gibt es viele Wegzüge, berichtete die Verwaltung. Viele Grabnutzungsberechtigte würden inzwischen gar nicht mehr in Kirchseeon wohnen. Jedenfalls haben die Urnennischen einen „Auftrieb bekommen“, wie Stephan Baumann sagte. Am Friedhof in Neukirchen beispielsweise machten die Urnennischen in den vergangenen zwölf Jahren fast die Hälfte aller neuen Grabstätten aus. Am Waldfriedhof ist die Situation ähnlich.

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Die Gemeinde Kirchseeon will diesem Trend auf zweierlei Art nachkommen. Begonnen wird demnächst mit zwei Stelen, mit einem kreisförmigen Platz zur Urnenbestattung. Die Stele dient dabei als gemeinsamer Grabstein, auf dessen vier Seiten jeweils Beschriftungen angebracht werden können. In der Gemeinde Vaterstetten hat sich dieses Modell bereits bewährt und ein finanzieller Mehraufwand entsteht der Kommune Kirchseeon nicht, weil ein Steinmetzbetrieb auf seine Kosten die Stelen aufstellen wird und anschließend mit den Nutzerfamilien abrechnet. Die zweite Möglichkeit sind die Naturgräber. Dabei wird die Urne rund um einen Baum direkt ins Erdreich gebracht und mit einem beschrifteten Steinsockel aus Granit bedeckt. Die Pflege dieser Gräber übernimmt dann die Kommune selbst, für die Hinterbliebenen besteht kein Aufwand mehr.

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