Schiedsrichter-Familie Shenton aus Attenkirchen  

"Bei uns pfeifen alle – außer Mama"

Abklatschen vor dem großen gemeinsamen Auftritt: Sohn Jannik, Vater Erik und Tochter Alicia Shenton aus Attenkirchen leiteten am Samstagnachmittag das Kreisliga-Match FC Neufahrn gegen FC Schwaig. Ihr Fazit: „Aus unserer Sicht hat es super funktioniert.“ Foto: Lehmann

Alles reine Familiensache: Erik Shenton (48) leitete als Schiedsrichter die Fußball-Kreisliga-Partie zwischen dem FC Neufahrn und dem FC Schwaig. Assistiert an den Seitenlinien wurde er von seinen Kindern: Jannik (17) und Alicia (13). So eine Konstellation gibt es im Landkreis-Fußball nicht alle Tage.

„Seit 32 Jahren bin ich nun Schiedsrichter. Doch schon als meine Kinder noch klein waren, habe ich davon geträumt, eines Tages mit den beiden im Gespann ein Spiel zu pfeifen“, erzählt Erik Shenton. Dieser Traum ist nun am vergangenen Samstag in Erfüllung gegangen: Papa, Sohn und Tochter führten die Mannschaften aus Neufahrn und Schwaig gemeinsam auf das Feld und brachten die 90 Minuten gut über die Bühne.

„Sonst pfeife ich eigentlich D- und C-Jugend“, verrät Alicia Shenton. „Aber ich fand es ganz lustig, als Familie im Einsatz gewesen zu sein.“ Erfreulicherweise gab es auch keinen Ärger. „Es waren nicht so viele Zuschauer da – und die waren ganz leise“, lobte die 13-Jährige das sehr disziplinierte Publikum. Schiedsrichterin wurde das jüngste Familienmitglied, „weil bei uns alle pfeifen – außer Mama“. Aber die ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen und fieberte am Spielfeldrand mit.

„Mir macht es Spaß, es ist mein Hobby“, sagt Alicia, die noch keine Gedanken hegt, eines Tages womöglich in die Fußstapfen von Deutschlands bester Unparteiischer Bibiana Steinhaus zu treten. „Wenn ich höher kommen sollte, dann mache ich halt weiter“, gibt sich Alicia zurückhaltend. Auf die Frage, ob sie denn für ihren Papa noch einen Tipp hätte und ihr von außen etwas aufgefallen wäre, sagt sie nur mit einem Schmunzeln: „Was soll ich denn meinem Papa, der 32 Jahre pfeift, noch beibringen können?“ Für gleichaltrige Jugendliche hingegen hat die jüngste Schiedsrichterin im Landkreis einen Vorschlag parat: „Probiert es einfach mal aus! Und wenn es keinen Spaß macht, dann kann man ja wieder aufhören.“ Ob männlich oder weiblich spielt für Alicia dabei überhaupt gar keine Rolle: „Nur weil ich ein Mädel bin, heißt das ja nicht, dass ich nicht pfeifen kann.“ Die Familienpremiere zu dritt behält sie auf jeden Fall in guter Erinnerung.

„Eigentlich sollten wir schon nach der Winterpause zusammen eine Partie in Moosburg leiten. Doch das klappte aus terminlichen Gründen nicht“, blickt Papa Erik Shenton zurück, der außerdem als Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Freising fungiert und auch deshalb Kreisliga pfeift, „um die Assistenten auszubilden“. Denn mit all seiner Erfahrung könne er dem Nachwuchs an der Linie helfen – so wie jetzt seiner Tochter. „Denn es ist noch immer ein Problem, dass Trainer und Eltern die Jungschiedsrichter teilweise heftig verbal angehen“, betont Shenton. „Daher hören viele wieder auf, leider.“ Somit ließe es sich zum Beispiel kaum kompensieren, wenn ältere Kollegen eines Tages ihre Laufbahn beenden. „Im letzten Neulingskurs saßen zwar 21 Teilnehmer“, sagt Shenton. „Aber 14 davon, um die Vorgabe zum C-Lizenz-Trainerkurs zu erfüllen.“ Dadurch müssten die Einteiler, wie Stefan Gomm für den Landkreis Freising, händeringend nach verfügbaren Unparteiischen suchen – und?das?jedes?Wochenende.

Zu den aktiven Schiedsrichtern gehört auch Sohn Jannik, mit 17 Jahren immerhin schon Unparteiischer in der Kreisliga. „Da will ich Erfahrungen sammeln, die Liga möglichst halten und mir dann mal die Bezirksliga als Ziel setzen“, erzählt Jannik. Stets an seiner Seite: Papa Erik. „Wenn ich im Gespann gepfiffen habe, war er bisher immer als Assistent dabei.“ Andersherum, wie am vergangenen Spieltag, assistiert Jannik auch seinem Vater. „Von der Rollenverteilung her ist das kein Problem“, betont Jannik. „Denn da haben wir unsere klaren Absprachen und Handzeichen.“ Einig sind sich beide, dass sich Schiedsrichter nur über viele Einsätze weiterentwickeln können: „Ob auf dem Feld oder an der Linie – nur so kommst du weiter und siehst Fouls oder Abseitsstellungen“, betont Erik. „Wenn man nach dem erfolgreichen Abschluss des Schiedsrichter-Kurses nur kaum oder erstmal gar nicht pfeift, dann wird es immer schwerer, reinzukommen“, ermuntert Shenton gerade die jungen Kollegen, ihrem großen Hobby fleißig nachzugehen.

Aufstiegschancen sind durchaus gegeben, wie der Gastvortrag von Regionalliga-Referee Florian Riepl (SpVgg Altenerding) am Montagabend auf der Schiedsrichter-Pflichtversammlung in Langenbach bewies. „Für mich mit meinen 48 Jahren kommt das nicht mehr in Frage“, meint Erik Shenton. „Aber wir haben einige Perspektivschiedsrichter, denen ich wünsche, dass sie ihren Weg gehen.“ Sohn Jannik gehört gewiss dazu – und auf längere Sicht vielleicht auch Tochter Alicia.

Bei Familie Shenton wird es sich also noch in manchem Tischgespräch um die Einsätze der drei Unparteiischen drehen. „Aber meine Frau ist da interessiert und fragt uns immer, wie es uns in den Spielen ergangen ist“, sagt Erik Shenton. Was ihren gemeinsamen Auftritt betrifft, ist die Sache klar: „Aus unserer Sicht hat es super funktioniert.“ Und wenn man selbst vom unterlegenen Klub – Neufahrn verlor mit 1:2 – positive Kritiken bekomme, „dann können wir nicht so viel falsch gemacht haben“. Dieses gemeinsame Engagement muss also keine Eintagsfliege gewesen sein.

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