Muskelriss nach Party

Beim Tanzen im Lokal verletzt: Wer zahlt?

Er wollte einen fröhlichen Abend verbringen. Doch eine Geburtstagsparty endete für Christian W. schmerzhaft, nachdem er in einem Gasthaus ausgerutscht war. Er sieht die Schuld beim Wirt.

Wielenbach - Es war eine ausgelassene Geburtstagsfeier. Doch leider war nicht nur die Stimmung feuchtfröhlich, sondern auch der Boden des Partykellers in einem Gasthaus in Wielenbach (Kreis Weilheim-Schongau). Und so rutschte Party-Gast Christian W. (58) beim Tanz auf dem Fliesenboden aus und zog sich einen Muskelriss im Oberschenkel zu.

Die Schuld dafür sieht er beim Wirt (46), der seiner Ansicht nach die Pflicht zur Verkehrssicherung verletzt hat.

Kläger Christian W. aus Weilheim.

Vor Gericht fordert der Bankkaufmann aus Weilheim Entschädigung vom Wirt. In erster Instanz verlangte er Schmerzensgeld und Schadenersatz: 50.000 Euro! Die Richter gaben ihm grundsätzlich recht – gaben ihm aber 50 Prozent Mitschuld, weil er schon von anderen ausgerutschten Personen gehört hatte. So wurden es 6000 Euro. Beide Parteien gingen in Berufung. Am Donnerstag wurde der Fall vor dem Oberlandesgericht neu aufgerollt.

Anwalt: „Er leidet noch heute unter den Unfallfolgen“

Beim 50. Geburtstag eines Beamten (54) im März 2013 feierten 70 Gäste. Im Partykeller tanzte Christian W. mit einer Bekannten, bis diese strauchelte. Er wollte sie auffangen, machte unfreiwillig einen Spagat. Fußball, Eishockey, Skifahren, Joggen – nichts geht mehr seitdem.

„Er leidet noch heute unter den Unfallfolgen“, betont sein Anwalt. Bei Glatteisunfällen werde ein Mitverschulden von 30 Prozent angenommen, weil meist im Vorhinein klar ist, dass es glatt ist. Und jetzt, bei einer Tanzveranstaltung, 50 Prozent?

Die Gegenseite weist die Schuld von sich. Der Wirt habe den Raum vermietet. „Er ist nicht verpflichtet, dauernd die Veranstaltung zu kontrollieren“, sagte Anwalt Andreas Kurek. Außerdem habe W. gesehen, dass es sich um einen Fliesen- und nicht um einen Holzboden gehandelt habe.

Die Meinung des Richters: „Der Wirt muss dafür sorgen, dass es sicher ist.“ Er habe damit rechnen müssen, dass getanzt werde. Nur die Höhe des Schmerzensgeldes ist noch offen. W. sei „ein bisschen vorgewarnt“ gewesen. 50.000 Euro werden es jedenfalls nicht: „Wir sind nicht in den USA.“ Ein Urteil ist für nächste Woche angekündigt. 

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer/Gut

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