Beim Waldspaziergang droht Lebensgefahr

Aschheim - Das Eschensterben greift um sich und sucht besonders die Waldbestände in Aschheim und Ismaning heim. Das ist auch für Spaziergänger lebensgefährlich.

Für 30 bis 40 Eschen in Aschheim gibt es keine Hoffnung mehr: Ab dem 5. Juni fällt eine Fachfirma im Aschheimer Gemeindewald die erkrankten, 60 bis 70 Jahre alten Bäume.

„Es tut mir im Herzen weh, aber der Absterbeprozess ist zu weit fortgeschritten“, erklärt Förster Michael Matuschek (33), der den Wald im Landkreis von Oberschleißheim bis Putzbrunn betreut. Der Schlauchpilz Chalara fraxinea, der aus Osteuropa kommt, lässt die Triebe der Eschen absterben und bedroht die Bestände. Am dramatischsten erlebt Förster Matuschek die Situation in Aschheim und Ismaning, denn dort gibt es große Eschenbestände. Weil die Kronen morsch und die Äste tot sind, ist das Spazieren und Radeln auf den Waldwegen im Aschheimer Gemeindewald eine unfallträchtige Angelegenheit geworden.

Die Gemeinde Aschheim hat daher die Tannenstraße, den Waldweg und die verlängerte Finkenstraße gesperrt. „Bis maximal Anfang Juli werden die Arbeiter noch beschäftigt sein“, informiert Bürgermeister Helmut Englmann. Neue Bäume werden gepflanzt, mit Eschen hält man sich aber zurück. Ein Trampelpfad zwischen den Waldwegen muss endgültig gesperrt bleiben, sagt Förster Matuschek: „Wenn wir diesen Weg auch sichern würden, müssten wir nicht 40, sondern 100 Bäume fällen.“

Eigentlich ist das gesamte Gebiet des Aschheimer Gemeindewalds befallen. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Matuschek. Manch totgesagter Baum habe sich doch noch erholt. „Rund fünf Prozent der Eschen überleben den aggressiven Schädling.“ Daher hat der Förster den Winter noch abgewartet in der Hoffnung, dass im Frühjahr an den betroffenen Eschen entlang der Waldwege doch noch zahlreiche Triebe ausschlagen. Nach Ablauf dieser Frist zeigt sich jedoch, dass sich zu wenige Triebe entwickelt haben und diese an der falschen Stelle wachsen; am Stamm, nicht an den Ästen. Deswegen werden die Bäume an den Wegesrändern gefällt, weil sie die Waldbesucher gefährden.

Diese Arbeit wird mit Hilfe eines vollautomatischen Vollernters erledigt, einem „Harvester“. Für die Waldarbeiter wäre die Arbeit zu bedrohlich: „Beim Sägen gerät der Baum in Schwingungen, tote Äste prasseln herab. Das ist in einem Radius von 25 Metern lebensgefährlich“, sagt Matuschek. „Dass manch älterer Baum den Befall überlebt“, erklärt Matuschek damit, dass sie mit ihrer größeren Blattmasse das Triebsterben kompensieren könnten. Bei alten Eschen dauert der Absterbeprozess länger, Jungbäume seien dagegen gefährdeter: In Ismaning sind in den vergangenen Monaten über tausend junge Eschen im 35 Hektar großen Schindertaxet gefällt worden. „Das ist ein herber Verlust“, sagt Matuschek. Gleichzeitig seien hier aber rund 25 000 Bäume im Frühjahr neu gepflanzt worden: Buchen, Linden, Kirschen und Eichen.

Bisher galt die Esche als vitaler Baum, der Trockenheitsphasen gut übersteht und dem Klimawandel trotzen kann. 2011 ist in Ismaning als Nachfolgeschädling erstmals der Eschenbastkäfer aufgetreten, der Gänge in die Rinde frisst und die Bestände zusätzlich gefährdet. Dieses Jahr ist er in Aschheim erstmals gesichtet worden: „Für Aschheim ist das doppelt schlimm, denn die Esche ist nicht nur ein sehr wichtiger Waldbaum, sondern auch der Wappen- und Namensbaum der Gemeinde.“ Trotzdem mahnt Matuschek die privaten Waldbesitzer bei Seminaren stets zur Besonnenheit beim Fällen: „Momentan gibt es keinen Handlungszwang. Wir lassen den Eschen ihre Refugien, weil wir hoffen, dass sie sich erholen.“

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