Wirtsleute ziehen weiter

Beliebte Traditionswirtschaft im Tegernseer Schloss schließt für immer

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Zu und leer und trist: die Schlossbrennerei in Tegernsee.

Sie war über Jahre für Einheimische und Touristen ein beliebtes Ausflugsziel. Doch jetzt hat das Traditionshaus im Tegernseer Schloss seine Türen geschlossen.

Update, 2. November 2018:

Tegernsee - In der Schlossbrennerei in Tegernsee sind seit Kurzem die Schotten dicht. Wirtsfamilie Stocker hat das Tegernseer Tal in Richtung Reichersbeuern verlassen und dort an Allerheiligen den Gasthof Altwirt eröffnet. Die Pläne von Guido Stocker, die Schlossbrennerei am Tegernsee-Ufer parallel dazu weiterzuführen, haben sich zerschlagen. 

„Aus Personalmangel ist das nicht möglich“, erklärte er auf Nachfrage. Somit steht die Schlossbrennerei erst einmal ohne Wirtsleute da. Eine Schließung war die logische Konsequenz. Am 21. Oktober hatten die Eheleute Stocker letztmals Gäste bewirtet, am 10. November werden sie in der Schlossbrennerei noch eine schon länger gebuchte Hochzeit betreuen. 

Die Schlossbrennerei in Tegernsee zu besseren Zeiten.

Dann ist endgültig Schluss. Wie es mit der Traditionsgaststätte im Besitz des Herzoglichen Brauhauses künftig weitergeht, ist offen. Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner war noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Allerdings heißt es auf einem Info-Zettel an der Tür des geschlossenen Gasthauses: „Die Schlossbrennerei wird während der Wintermonate ,aufgefrischt‘. Ab dem Frühjahr geht’s wieder los!“

Auch interessant aus der Gastro-Szene am Tegernsee. Das sagt Josef Bogner (60) vom Voitlhof zum Wirtshaussterben am Tegernsee. Der Valleyer Brauerei-Chef erklärt, warum es heute so schwer ist, Wirte zu finden. Und: Wie die Gastro-Szene am Tegernsee wirklich ist: Ex-Bräustüberl-Bedienung packt aus.

Artikel vom 30. Mai 2018

Tegernsee - Guido Stocker (49) und seine Frau Julia haben Großes vor. Die beiden übernehmen den Altwirt in Reichersbeuern. Noch im November soll nach einem Umbau eröffnet werden. Während man in Reichersbeuern jubelt, kocht die Gerüchteküche in Tegernsee förmlich über. Denn das Ehepaar Stocker führt hier seit Jahren die bekannte Wirtschaft Schlossbrennerei direkt am Tegernsee im Schloss neben dem Bräustüberl. 

Was wird aus der Wirtschaft im Zentrum der Stadt? Die Stockers sperren bald zu, hört man aus der einen Ecke. Herzogin Anna übernimmt den Laden selbst, aus der anderen.

Wirt Stocker ist auch schon ein bisschen genervt von dem ganzen Gerede. Er kann die Befürchtungen der Tegernseer zerstreuen. Die Schlossbrennerei bleibt offen, stellt er auf Nachfrage klar. 

Wie das, wenn die beiden gerade eine neue Wirtschaft gepachtet haben? Erst am Dienstag habe es ein sehr gutes und konstruktives Gespräch mit Brauerei-Chef Christian Wagner gegeben. Das Herzogliche Brauhaus Tegernsee ist Verpächter der Schlossbrennerei. Pläne wurden geschmiedet, eine Entscheidung wurde gefällt. Das Ergebnis: „Wir fahren zweigleisig“, verrät Stocker. 

Umbau und Eröffnung des Altwirts finde schließlich in Herbst und Winter statt. „In der Zeit ist es in der Schlossbrennerei sehr ruhig.“ Die beiden haben also genug Zeit für den Altwirt. So die Rechnung. Ob sie den November wirklich als Eröffnungstermin halten können, weiß Stocker dabei noch gar nicht sicher. „Das ist schon knapp. Beim Umbau einer so alten Wirtschaft kann noch viel passieren.“ Jedenfalls bleibe in den Wintermonaten genug Zeit, um den Altwirt auf Kurs zu bringen.

Und danach? Was ist, wenn im Sommer beide Läden brummen? „Unsere Kinder sind inzwischen ein bisschen älter, meine Frau hat mehr Zeit“, sagt Stocker. So könne man auch durchaus an zwei Orten gleichzeitig sein. Und: „In der Gastro so weit vorauszuplanen ist sowieso wahnwitzig.“ Wenn es wirklich zu viel werde, könne man immer noch einen Geschäftsführer einstellen.

Die Brauerei war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bleibt den Wirtsläuten in Reichersbeuern einen besseren Start als damals in Tegernsee zu wünschen. Die letzten Jahre verliefen in der Schlossbrennerei bekanntlich reichlich turbulent. Das Ehepaar Stocker musste sogar Insolvenz anmelden. Aber seitdem läuft es dem Vernehmen nach wieder deutlich besser.

kmm

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