Nach Pharma-Störfall in Geretsried

Ätzende Säure lagert weiter im Gebäude

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Zwei Einsatzkräfte ziehen einen Tank mit ätzender Säure hinter sich her

Geretsried - Bis spät in die Nacht dauerte am Freitag der Großeinsatz bei der Geretsrieder Firma Bene-Pharma-Chem. Dabei wurde ein Feuerwehrmann leicht verletzt. Die Tanks mit der gefährlichen Säure lagern weiter im Firmengebäude.

Gut 36 Stunden hat das Auslaufen stark ätzender Chlorsulfonsäure mehr als 150 Rettungskräfte in Atem gehalten. Erst gegen 1 Uhr am Samstagmorgen rückten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst vom Einsatzort an der Bayerwaldstraße ab. In den Räumen der Firma Bene-Pharma-Chem mussten die Helfer große Mengen der Chemikalie unter höchsten Schutzvorkehrungen bergen. Wie berichtet war die Säure, die zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen kann, am Donnerstagnachmittag mutmaßlich beim Befüllen eines Tanks ausgelaufen. Das Firmengebäude wurde daraufhin umgehend evakuiert, die Polizei sperrte die Gefahrenstelle weiträumig ab.

Geretsrieds Feuerwehr-Kommandant Martin Kagerer war während des Einsatzes ununterbrochen vor Ort. „Die Arbeit war außergewöhnlich, aber wir sind für solche Fälle gerüstet“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Zusammenarbeit aller Rettungskräfte hat hervorragend funktioniert.“ In Chemieschutzanzügen betraten die Geretsrieder Feuerwehrleute gemeinsam mit Kollegen des Gefahrgutzuges Penzberg den kontaminierten Raum im Obergeschoss des Firmengebäudes. Zuvor standen die Rettungskräfte mit Chemiefirmen und einer Spezialeinheit des Chemieverbands in Kontakt. Zwei Experten wurden an die Unglücksstelle entsandt.

Pharma-Störfall: Einsatz bis spät in die Nacht

Pharma-Störfall: Einsatz bis spät in die Nacht

Im Gebäude behandelten die Feuerwehrleute die ausgetretene Chlorsulfonsäure mit Chemikalienbinder. Unter großem Kraftaufwand brachten sie drei große Tanks ins Freie. In ihnen wurde die Säure ursprünglich angeliefert. „Zwei von den Containern waren leer. Der dritte war havariert“, so Kagerer. Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak berichtet, dass während des Einsatzes gut 20 Chemieschutzanzüge verbraucht wurden. Jeder Retter sei eine gute Viertelstunde im Raum gewesen, bis „die Kräfte wegen der Einschränkung der Beweglichkeit schwanden“ und die Atemluft zur Neige ging. Im Freien wurden die Feuerwehrleute mit Wasser abgespritzt und dekontaminiert. Bei diesen Arbeiten kam ein Kamerad kurz vor 22 Uhr mit der Säure in Kontakt und zog sich Verätzungen an der Hand zu. Nach Angaben von Rettungsdienst-Einsatzleiter Lukas von Stülpnagel wurde der Geretsrieder mit einem Rettungswagen zur ambulanten Versorgung in die Wolfratshauser Kreisklinik gebracht. „Dem Kollegen geht es soweit gut“, erklärt Kagerer. „Er kehrte nach der Behandlung zum Einsatzort zurück.“

Gegen 23 Uhr entschieden die Rettungskräfte, die Gefahrgüter zurück ins Firmengebäude zu tragen. „Der Raum ist der sicherste Ort für den Stoff. Für die Entsorgung ist nun die Firma zuständig“, so Kagerer. Seitdem lagern die drei Tanks sowie blaue Fässer und anderes kontaminiertes Material bei Bene-Pharma-Chem. Kreisbrandinspektor Sydoriak: „Die Gefahr ist soweit gebannt. Nun wird eine Versicherung die Schäden betrachten. Eine Spezialfirma muss sich um die Entsorgung kümmern.“ Ob sich dafür bereits ein Unternehmen gefunden hat, konnte niemand bestätigen. Ebenso gibt es zur Schadenshöhe noch keine Erkenntnis.

Fest steht, dass während des Störfalls – anders als von der Polizei zunächst gemeldet – geringe Mengen der Chemikalie ins Freie gelangt sind. Unter anderem schlug die Feuerwehr ein Fenster des Schutzraumes ein, um sich Zugang zu verschaffen. Als Vorsichtsmaßnahmen wurden Ventilatoren aufgestellt und eine große Menge Wasser in die Luft gespritzt. Zwar ist Chlorsulfonsäure mit Wasser laut einem Sicherheitsdatenblatt hoch reaktiv. „Mit einem sehr hohen Wasseranteil kann sie aber so stark verdünnt werden, dass sie nicht mehr reagiert“, so Sydoriak. „Damit war sie im Freien nicht mehr so gefährlich.“

von Sebastian Dorn

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