Herzattacke nach Mülltonnenwurf

Das tödliche Ende eines Nachbarschaftsstreits

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Dr. Hans-Joachim W. (r.) starb an einem Herzinfarkt, nachdem der Angeklagte Walter H. eine Mülltonne nach ihm geworfen hatte

Berg - Am Starnberger See tobte 20 Jahre lang ein erbitterter Streit. Dieser nahm ein tödliches Ende: Dr. Hans-Joachim W. starb an einer Herzattacke, nachdem sein Nachbar eine Mülltonne geworfen hatte.

Ein vornehmes Haus in einer ruhiger Wohnstraße, ein traumhafter Ausblick auf den Starnberger See und die Zugspitze – wer will hier nicht seinen Lebensabend verbringen? Davon träumten auch ein früherer Frauenarzt und eine ehemaliger Baudirektor, als sie in Berg in eine kleine Wohnanlage zogen. Doch die beiden machten sich über 20 Jahre lang das Leben zur Hölle! Das traurige Ende: Einer starb vor Aufregung, weil der andere eine Mülltonne nach ihm warf! Der Täter steht deshalb jetzt vor dem Schwurgericht.

Das Gebäude ist in sich verschachtelt. Es ist nicht ganz klar, wem was genau gehört. Für Walter H. (79), der bei der Bahn eine leitende Stellung innehatte, ein untragbarer Zustand: „Ich will eine saubere Grenze“, stellte er am Dienstag vor dem Landgericht München II klar, wo er sich wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten muss.

Der pedantische Ingenieur strengte einen Zivilprozess nach dem anderen an. Sein Nachbar Dr. Hans-Joachim W. (†80) und dessen Lebensgefährtin Maria W. (77) steckten nicht zurück. Zwischendurch musste immer wieder die Polizei ausrücken, die in den meisten Fällen Walter H. rief. „Es ging um nächtliche Lärmbelästigung“, so der Angeklagte.

2005 schien endlich Frieden einzukehren, nachdem vor Gericht über scheinbar alle strittigen Fragen eine gütliche Vereinbarung geschlossen wurde. Doch Walter H. fand immer wieder einen Anlass, den Streit aufflammen zu lassen. Etwa, als sein Nachbar angeblich falsch parkte: „Da habe ich geklagt.“

Am 28. Juli 2009 sorgte Walter H. wieder für Zoff: Ohne seinen Nachbar zu fragen, steckte er auf einer Gemeinschaftsfläche eine Grenze ab. Mit schweren Dübeln verankerte der Ingenieur drei Pflanztöpfe in den Bodenplatten. Der Angeklagte: „Das ist mein Sondernutzungsrecht.“

Als Hans-Joachim W. und Maria W. heimkehrten, ging der Streit los. Dr. W. schob die Mülltonnen an den ursprünglichen Platz. „Ich habe sie wieder zurückgeschoben“, so der Angeklagte. „Das ging mehrfach hin und her.“ Schließlich, so der Staatsanwalt, warf Walter H. die Mülltonne in Richtung seines Nachbarn! Der konnte zwar noch ausweichen. Sekunden später sackte Dr. W. bewusstlos zusammen: Herzinfarkt!

Unterdessen rauften Walter H. und Maria W. um die Papiertonne. „Er hat sie auch werfen wollen“, so die Zeugin. Als Maria W. den Notarzt rief, war es für ihren Partner zu spät: Er starb zwei Monate später, ohne aus dem Koma erwacht zu sein.

Maria W. hat inzwischen das Haus verlassen. Mit Walter H. könne man nicht unter einem Dach leben: „Er ist jähzornig und rechthaberisch.“ Der Prozess geht weiter.

E. Unfried

 

Weitere Fälle

Nachbar-Streitigkeiten beschäftigen zunehmend eine ganze Zunft. „Zwischen Nachbarn gibt es alle Formen von Grausamkeiten“, sagt Anwalt Harald Spöth. „Für uns ist das das tägliche Brot.“ Einige Fälle:

Übler Mobbing-Fall im schönen Isartal:

Spöths Mandantin war Lehrerin, die das Pech hatte, die Kinder ihres Nachbarn unterrichten zu müssen. „Er ist zum Schulleiter gegangen und hat sie angeschwärzt“, so Spöth. Am Ende war nicht die Lehrerin Opfer seiner bösartigen Aktionen, sondern die eigenen Kinder: „Sie mussten die Schule wechseln.“

Randale unter Reihenhaus-Besitzern:

„Einer bringt an seinem Haus eine Wärmedämmung an und trennt dabei die Dachrinne zum Nachbarn ab“, erzählt Anwalt Andreas Reng. Üblicherweise haben jeweils drei bis fünf Häuser nur ein Ablaufrohr. „Wird die Rinne abgetrennt, schwappt dem anderen das ­Regenwasser an der Hauswand herunter.“ Und die Rechtslage? Reng: „Wenn es nicht notariell festgelegt ist, ist die Sache schwierig.“

Licht-Terror im Nobelviertel:

Rechtsanwältin Simone Weber vertrat ein Ehepaar in einen noblen Viertel, dessen Schlafzimmer von starken Scheinwerfern des Nachbarhauses ausgeleuchtet wurde. einem Licht-Terror ausgesetzt war. Erst Dauerlicht, dann wurde ein Bewegungsmelder eingebaut. „Jede Katze löste nachts das Licht aus.“ Lösung? „Mit Hilfe der Anwälte hat man sich einvernehmlich geeinigt. Nach einem Dreivierteljahr.“

Baumfäller in Nachbars Garten:

Ein Mandant Harald Spöths hatte nachts den Baum seines Nachbarn gefällt. „Er hatte eine Strafanzeige und eine Schandenersatz-Klage an der Backe. Darüber hat er sich so aufgeregt, dass er einem Herzinfarkt erlag.“

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Kommentare

psdschgeistAntwort
(0)(0)

Sehr interessant! Dann bitt ich euer Durchlauchtigsten uns unwissendes steinzeitliches Volk doch gnädigst darüber zu belehren, wie Ihr das seht.

muenchnergefuehl
(2)(0)

das liegt an der verbohrtheit vieler menschen, vielleicht auch an den "deutschen tugenden" hier leider ins gegenteil verkehrt! immer muss alles perfekt und geregelt sein, in dem fall grundstücksgrenzen usw.! dieses "hey oida, lass mal 5 grad sein und hock ma uns doch auf diese depperte grundstücksgrenze, trinken ein bier und freuen uns des lebens!", des geht bei vielen nimmer! des setzt natürlich eine gewisse lockerheit voraus, "leben und leben lassen"...sagen tuns viele gern aber das tun ist oft viel schwerer! s´hauptproblem is in meine augen aber die derzeitige mode sich ständig über alles zu empören und dann nur schwarz und weiss gelten zu lassen! wird alles immer radikaler....mir fällt jetzt grad mal das rauchverbot ein (nichtraucher)...gutes beispiel für kompromisslos! so findets ganz oft statt zur zeit, macht mir sorgen diese entwicklung!

brbrbrAntwort
(2)(0)

Du hast doch keine Ahnung. Deine veralteten Weisheiten aus der Steinzeit .