Unfallursache noch ungeklärt

Todesdrama am Wilden Kaiser: Junges Bergsteiger-Duo aus Unterschleißheim stürzt ab

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Wilder Kaiser: Über die Unfallursache der Klettertour in den Tod lässt sich mangels unmittelbarer Zeugen in der Nähe nur spekulieren.

Das Wetter am Mittwoch war geradezu perfekt für eine lange Bergtour - perfekt für eine der schönsten am Wilden Kaiser. Zwei Personen aus Unterschleißheim bezahlten den Ausflug mit ihrem Leben.

Matthias H. (34) und seine Bergkameradin Daniela L. (29), beide aus Unterschleißheim (Kreis München), genossen die Aussicht vom Kopftörlgrat unterhalb der schroffen Türme, die sich von der Ellmauer Halt weg entlangreihen. Doch es wurde für die beiden eine Klettertour in den Tod.

Die lange Wanderung über den Kopftörlgrat, die an der fast freistehenden Gruttenhütte beginnt, wird als luftig und abwechslungsreich beschrieben. Und der Fels sei griffig. Von der Schwierigkeit her gilt die Tour eher als mittel, die meisten Passagen lassen sich leicht ohne Sicherung überwinden. Matthias H. und Daniela L. hatten trotzdem zur Sicherheit ihre Klettergurte dabei.

Gegen 11 Uhr alarmierten Wanderer die Tiroler Bergrettung. Die Ausflügler hatten aus der Ferne Schreckliches mitansehen müssen. Zwei Menschen, klein wie Punkte, waren vor ihnen aus der Felswand in die Tiefe gestürzt. Rund 400 Meter im freien Fall senkrecht nach unten. Dies dürfte an die neun Sekunden gedauert haben, eine furchtbar lange Zeit.

Ist einer der beiden beim Klettern gestrauchelt oder gestolpert?

Die Bergrettung Scheffau, Notarzthubschrauber sowie die Alpinpolizei machten sich nach der Alarmierung sofort auf zum Unglücksort. Doch für die beiden Unterschleißheimer kam jede Hilfe zu spät. Teams der Notarzthubschrauber konnten nur noch den Tod der beiden Kletterer feststellen. Bei den ersten Ermittlungen wurde auch ihre Sturzbahn untersucht. Ergebnis: Die beiden waren wohl am Kopftörlgrat.

Hinweise auf die Identität der Verunglückten ergaben sich am Donnerstag. Es soll nach Angaben des Polizeipostens Söll noch ein DNA-Abgleich durchgeführt werden.

Über die Unfallursache lässt sich mangels unmittelbarer Zeugen in der Nähe nur spekulieren. Da die zwei Wanderer nicht als Seilschaft gingen, sie zudem nicht am Fels gesichert waren, dürften sie in dem Bereich frei gegangen sein. Dies ist auf der langen Tour über den Kopftörlgrat, die mit Auf- und Abstieg schon mal zehn Stunden dauern kann, durchaus üblich. Möglicherweise ist einer der beiden beim Klettern gestrauchelt oder gestolpert, der andere wollte ihn schnell festhalten und wurde dann mit in die Tiefe gerissen.

Am Mittwoch ist noch ein weiterer Bergwanderer aus Deutschland in Österreich in den Tod gestürzt.

Wenige Wochen zuvor passierte ein weiteres tragisches Unglück am Wilden Kaiser: Ein Mann aus dem Gemeindegebiet Eching bei Freising stürzte wohl aus Unachtsamkeit 80 Meter in die Tiefe.

mc/jam

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