Koch-Azubi wurde erschlagen

Berufsschule trauert um Jordan N. - warum musste er sterben?

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Einen besseren Ort für Jordan wünscht sich sein Klassenkamerad Lucas Vallenthin (19) aus Moosinning. 

Der Raubmord von Dornach hat Entsetzen ausgelöst. Ein 25-jähriger Kochlehrling war das Opfer. Jordan N. besuchte die Berufsschule Erding. Dort ist die Trauer groß.

ErdingDie Osterferien sind zu Ende. Und trotzdem ist es unheimlich still in der Berufsschule Erding. Als sich die Türe des Gemeinschaftsraums öffnet, fällt der Blick der 22 Schüler sofort auf das Foto von Jordan N. (25). Im Hintergrund läuft leise Musik. Auf dem Boden liegen zwei Rosen, eine Kerze spendet Licht. Viele realisieren erst jetzt, dass der 25-Jährige nie mehr wiederkommen wird. Schließlich ist der Koch-Azubi aus München in der Nacht auf den 31. März von zwei 16-Jährigen erschlagen worden. Ein Fall, der in ganz Deutschland Bestürzung ausgelöst hat. Was bleibt, ist die Erinnerung. Die Erinnerung an einen ruhigen und kreativen jungen Mann.

„Wo vor ein paar Wochen noch etwas sehr Farbenfrohes war, prangt nun eine schwarze Lücke inmitten unserer Gemeinschaft“, sagt Schulleiter Dieter Link (56). Obwohl sich die meisten Berufsschüler nur flüchtig kennen, ist das Entsetzen groß: „Egal, ob man sich kennt oder nicht. Ob man sich mag oder nicht – so etwas geht gar nicht“, platzt es aus einem Schüler heraus. Alle nicken. Ein paar Minuten später verlässt die erste Schülerin den Raum. Draußen wischt sie sich die Tränen vom Gesicht.

Ein paar der Berufsschüler standen dem Thema Tod gestern zum ersten Mal gegenüber. „Deshalb müssen wir behutsam an die Sache herangehen“, sagt Sozialpädagogin Anja Lauer (48). Am wichtigsten sei, sich seinen Gefühlen zu stellen. Schließlich könne eine Wunde nur dann heilen, wenn man sie ordentlich reinigt und vernäht, so Lauer. Das nötige Verbandszeug liefert die Schule: einen Raum, um der Trauer der Jugendlichen einen Rahmen zu geben. Kerzen, um die schwarze Lücke mit Licht zu erfüllen. Und: ein offenes Ohr. Immer und überall. „Nehmt euch alle Zeit, die ihr braucht, wir sind jederzeit für euch da. Heute, morgen, in einer Woche – und natürlich auch während der Unterrichtsstunden“, verspricht der Schulleiter.

Aus den Medien vom Tod des Freundes erfahren

Die meisten hatten vom Tod ihres Freundes aus der Zeitung oder aus dem Radio erfahren. Doch so richtig glauben wollte es bis gestern niemand. „Wir sind dazu erzogen worden, uns zusammenzureißen, zu verdrängen. Dabei verfallen viele Menschen in eine Art Schockzustand“, weiß Lauer.

An diesem Punkt will die Schulleitung jetzt ansetzen: Mit Verständnis, Lebensfreude und einer Portion Alltag. Der Unterricht sollte gestern Nachmittag wieder beginnen. Zuvor haben die Schüler ihren Freund aber noch einmal symbolisch auf die Reise geschickt. Um ihm den Weg zu erleichtern, haben die Jugendlichen Kerzen angezündet. Die eine oder andere lustige Anekdote aus dem Klassenzimmer half den Trauernden. „Humor ist oft die beste Medizin“, so Lauer. „Denn egal, ob die Schüler lachen oder weinen – jeder verarbeitet den Verlust eines Menschen anders. Und jeder nutzt dabei ein anderes Ventil.“

Einige haben sich an den Händen gefasst, um sich gegenseitig Trost zu spenden. Andere haben ihre Sorgen, Erinnerungen und Wünsche aufgeschrieben und in eine kleine Feuerschale gelegt. Emrecan Karakollukcu (19) etwa hofft, dass sein ehemaliger Banknachbar seine Ausbildung im Jenseits erfolgreich zu Ende bringen kann. Lucas Vallenthin (19) aus Moosinning wünscht sich, dass sein Freund da, wo er jetzt ist, Frieden findet. Doch sein Mitschüler ist sicher: „Wer so abtritt wie Jordan, der kann bloß an einen besseren Ort gelangen.“

Sarah Brenner

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