Bestattungsgebühren steigen erheblich

Teurer Abschied: Darum wird Sterben auf diesem Friedhof künftig so kostspielig

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Umsonst ist nur der Tod? Von wegen! Bestattungen, wie hier am Waldfriedhof, werden in Dachau teurer. 

Das Sterben in Dachau wird teurer. Der Finanzausschuss des Stadtrats hat am Dienstag die Bestattungsgebühren um rund zehn Prozent erhöht. Für Menschen, die sich eine würdevolle Beerdigung nicht leisten können, gibt es jedoch Unterstützung.

Dachau – Die Stadt muss kostendeckend arbeiten, sogar wenn es um Leben und Tod geht. Um Defizite bei den vier städtischen Friedhöfen – das sind der Waldfriedhof, der Stadtfriedhof sowie die Friedhöfe in Pellheim und Etzenhausen – daher zu verhindern, werden die sogenannten Bestattungsleistungen für jeweils vier Jahre an externe Firmen vergeben. Bis Ende der 1990er-Jahre hatte die Stadt noch ein eigenes Bestattungswesen unterhalten.

Die jüngste Ausschreibung fand im März statt. Dabei erhielt die Trauerhilfe Denk den Zuschlag. Die laut Verwaltung „daraus resultierende Preiserhöhung für die Bestattungsdienstleistungen“ sowie die damit verbundene „Neukalkulation der künftig zu erhebenden Gebühren nach der Friedhofsgebührensatzung“ hatte nun der Finanzausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung auf der Tagesordnung. Und auch wenn das Votum der Stadträte für die knapp zehnprozentige Gebührenerhöhung einstimmig ausfiel, gab es doch auch nachdenkliche Stimmen angesichts der drastischen Summen, die für eine Beerdigung künftig fällig werden.

Friedhofsreferent Franz Xaver Vieregg (Überparteiliche Bürgergemeinschaft Dachau) sprach von einem „leidigen Thema“. Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) merkte an, dass „nicht nur das Leben, sondern offensichtlich auch das Sterben“ in der Großen Kreisstadt viel Geld kostet.

Gebühren errechnen sich nach „Art und Aufwand“

Tatsächlich ändern sich die Gebühren für die häufigsten Bestattungsarten folgendermaßen: Eine Erdbestattung im Sarg kostet nun statt 792 Euro nun 869 Euro; für eine Erdbestattung in der Urne muss man 407 Euro anstelle von bisher 372 Euro hinlegen; und eine Trauerfeier in der Aussegnungshalle wird nun mit 204 Euro bepreist, statt wie bisher mit 187 Euro. Tot-, Fehl- oder Frühgeburten kosten ebenfalls Geld, statt 248 Euro sind es nun 270 Euro. Doch nicht nur die Kosten für das Eingraben ändern sich, sondern auch für das Ausgraben und Umbetten: So werden auf der Preisliste für die Ausgrabung einer Leiche nun 607 Euro, statt vorher 554 Euro, verzeichnet; die Tieferlegung einer bereits bestatteten Leiche wird mit 136 Euro statt 124 Euro vermerkt. Weitere Kostenpunkte sind die Benutzung der Kühlzelle (neu 78 Euro pro Tag) oder die Überführung eines Sarges (neu 105 Euro).

Was denn die billigste aller möglichen Bestattungen koste, wollte Stadträtin Geißler vor diesem doch sehr teuren Hintergrund wissen? Josef Hermann, Hauptamtsleiter der Stadt, erklärte dazu, dass es „innerhalb der Bestattungsart keinen Spielraum“ gebe. Die Gebühren errechneten sich schließlich nach „Art und Aufwand“.

Sozialverbände kritisieren Preissteigerungen

Dennoch gibt es Möglichkeiten, trotz geringer finanzieller Möglichkeiten eine würdige Beerdigung zu erhalten, betonte Sabine Huber vom Standesamt: „Es gibt eine Bestattungskostenhilfe beim Landratsamt!“ Einen entsprechenden Antrag kann man über die Internetseite des Landkreises Dachau herunterladen oder direkt beim Fachbereich Sozialwesen im Landratsamt vorsprechen. Die Antragsteller müssen hierfür allerdings eine Reihe von Angaben machen – unter anderem zu Einkommen, Vermögen und monatlichen Belastungen. Am Ende muss sichergestellt sein, dass der Verstorbene tatsächlich keinen Nachlass oder eine Sterbeversicherung hatte, der Antragsteller sich die Beerdigung nicht leisten kann, es keine sonstigen Angehörigen gibt und die geplante Bestattung außerdem „unter sozialhilferechtlichen Aspekten angemessen“ ist; Leichenschmaus, Todesanzeige oder Sterbebilder sind daher in dem Zuschuss explizit nicht enthalten.

Laut Landratsamt war die Zahl derer, die einen sogenannten Antrag zur Übernahme von Bestattungskosten stellen, in den vergangenen Jahren konstant. Sprecherin Silke Lein: „Es sind immer so zehn Anträge pro Jahr.“ Heuer seien es bislang drei gewesen. Sozialverbände wie der VdK kritisieren seit langem die Preissteigerungen auf deutschen Friedhöfen: Dass nur der Tod umsonst ist, gelte schon lange nicht mehr!

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