Wütend und resigniert

Bestialischer Gestank in Germeringer Haus quält Nachbarn

Bestialischer Gestank treibt die Bewohner eines Germeringer Mehrfamilienhauses fast in den Wahnsinn. Schuld ist offenbar ein psychisch kranker Nachbar, der seine Notdurft nicht in der Toilette verrichtet. Auch ein Urteil des Amtsgerichts hat nichts geändert.

Video: Glomex

Germering – Die Nächte sind für Lydia L. die Hölle. Und die Tage eigentlich auch. Denn der Gestank ist immer da. Manchmal nur unterschwellig, dann wieder die volle Dröhnung – je nachdem, wie der Wind steht und welches Fenster die 65-Jährige öffnet.

Lydia L. stammt aus der Ukraine. Dass so etwas in Deutschland möglich wäre, hätte sie sich nicht träumen lassen. „Er wird geschützt und keiner kümmert sich um uns“, sagt die Hausfrau mit einer Mischung aus Wut und Resignation. Er, das ist der Nachbar, der unter Lydia L. und ihrem Mann Wolfgang lebt – und der ihnen seit Jahren das Leben zur Hölle macht.

Alles haben sie schon probiert. Doch ein Gespräch mit ihm sei nicht möglich. Unmöglich sei es auch, sich gegen den Geruch zu schützen: Zusätzliche Dichtungen halfen genauso wenig wie Raumsprays. Sogar die Steckdosen wurden erfolglos abgeklebt. Mittlerweile findet Lydia L. nur noch mit Schlaftabletten Nachtruhe.

Der Nachbar verrichtet sein Geschäft in Tüten oder Eimern

Auch Rudolf F. ist mit seinem Latein am Ende. Er ist der vom Brucker Amtsgericht eingesetzte Betreuer des Mannes. Der Grund für den Gestank liege in der Krankheit des Nachbarn. Dieser nutze seine Toilette nicht. Seine Notdurft verrichtet er demnach in Tüten oder Eimern. Zudem schöpft er offenbar das Wasser aus der Toilette, das eigentlich als Geruchssperre zum Abwassersystem dient. Seine Fäkalien lagert er auf dem Balkon, sagen die Nachbarn. Einmal habe er ihn beim „Entsorgen“ in einer nahen Grünanlage erwischt, meint Wolfgang L..

Rudolf F. hat alles versucht: Eine Sanitärfirma hat er beauftragt, das angeblich verstopfte Klo zu reinigen. Auch ein Tatortreiniger war schon in der Wohnung und hat die Räume mit Ozon gegen den Geruch behandelt. Zwei Wochen später war der Gestank aber wieder da.

Und auch das Gesundheitsamt habe sich ein Bild von der Situation gemacht. Eine Gesundheitsgefährdung sei aber nicht erkennbar gewesen. Deshalb habe die Behörde keine Handhabe. Und weil die Nachbarn in ihrer Verzweiflung Anzeige erstattet haben, stand letztlich sogar eine Richterin vor der Tür des Mannes.

Urteil einer Richterin: Der Gestank muss beendet werden

Die blieb zwar zu – doch auch so konnte sich die Juristin ein Bild von der Lage machen. Ihr Urteil: Die Belästigung durch den Gestank muss beendet werden.

Das war im März. Geändert hat sich bis heute nichts. Die Sanitärfirma und der Tatortreiniger haben bereits angekündigt, keinen Fuß mehr in die Wohnung zu setzen.

Die Nachbarn sind nach wie vor verzweifelt. Und Betreuer Rudolf F. weiß nicht mehr weiter. „Ich kann ihn ja nicht persönlich auf die Schüssel setzen“, sagt er. Mit dem Betreuungsrecht, für das er ja zuständig sei, käme man in diesem Fall nicht weiter.

Die Nachbarn wollen nur eins: Dass der Verursacher des Gestanks endlich seine Wohnung räumt. Doch das ist alles andere als einfach, erklärt Richter Christoph Schütte, Sprecher des Brucker Amtsgerichts. Die Eigentümergemeinschaft müsste in einem Zivilverfahren eine Verpflichtung zum Verkauf der Wohnung erwirken – quasi eine Enteignung. „Das ist aber die Ultima Ratio“, sagt der Amtsrichter Schütte.

Tobias Gehre

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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