Mittlerweile kann sie wieder lachen

Falscher Vermieter zockt diese junge Fotografin übel ab

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Melissa Bungartz ist erfolgreich mit der Kamera - und wollte sich ihren Traum vom eigenen Studio verwirklichen.

Freising - Die junge, erfolgreiche Fotografin Melissa Bungartz (24) wollte in München ein Studio eröffnen - und geriet an einen dreisten Betrüger. Es folgte eine unglaubliche Odyssee.

„Ich habe nie geglaubt, dass mir so etwas passieren könnte“: Die Freisinger Fotografin Melissa Bungartz ist noch immer fassungslos, wenn sie auf die Geschehnisse der vergangenen Monate zurückblickt. Die aufstrebende und auf internationalen Wettbewerben ausgezeichnete 24-Jährige hatte sich vorgenommen, nach ihren Jahren als Studioleiterin in Neuburg an der Donau nun endlich den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen: „Viele waren über diesen für mein Alter gewagten Schritt erstaunt. Aber für mich war dieser Weg eigentlich von vornherein klar. Ich fühlte mich einfach bereit“, meint sie selbstbewusst. Ziel ihrer Träume: ein eigenes Studio in München. Heuer im Januar ging es mit der Suche los – und bald kam es ganz dick.

Einen (reellen) Makler hatte sie nach einer Anzeige auf einer Immobilien-Plattform im Internet bald gefunden und mit dessen Hilfe Ende Februar auch ein Objekt in Sendling: „Das passte super“, beschreibt es die junge Fotografin: „Mitte März unterschrieb ich den Mietvertrag.“ Dann folgten die Besprechungen zu den Renovierungsarbeiten. Die Fotografin hatte zudem schon fleißig die Werbetrommel für die Eröffnung ihres Studios gerührt, als Ende April alles platzte. Denn da bekam sie plötzlich den Anruf eines ihr bis dahin ganz unbekannten, anderen Immo-Maklers: „Er hatte meine Nummer im Internet recherchiert, nachdem er den Briefkasten mit meinem Logo am geplanten Studio entdeckt hatte“, erzählt die Fotografin. Er klärte sie auf, dass sie und ihr Vermittler einem polizei-bekannten Betrüger aufgesessen sind und ihr Mietvertrag leider ungültig ist.

Die Geschichte, die Bungartz zu hören bekam, hörte sich an wie ein schlechter Krimi: Der Schwindler hatte im Vorfeld den Eigentümer des Objekts in Sendling betrogen und vorgegeben, das Haus kaufen zu wollen. Er hatte sich eloquent Kaufvertrag und Schlüssel vom Besitzer ergaunert, ohne einen Cent der Kaufsumme überwiesen zu haben. Zudem hatte er noch einen Renovierungsvorschuss von über 30 000 Euro eingestrichen. Nach diesem Coup engagierte der Schwindler dann einen Makler, der wiederum nichtsahnend mit Melissa Bungartz verhandelte und den Mietvertrag mit ihr schloss. Die überwies ihrerseits dem Makler 6000 Euro Provision und dem Betrüger eine Kaution von über 5000 Euro.

Die Wochen nach diesem Schock war die Fotografin nach eigenen Worten nur noch „mit Schadensbegrenzung“ beschäftigt: „Ich versuchte, bereits getätigte Bestellungen zu stornieren, Verträge aufzulösen, war bei der Polizei, und erstattete Strafanzeige. „Außerdem startete ich eine Zivilklage gegen den Makler, der mir partout seine Provision in Höhe von über 6000 Euro nicht zurückgeben wollte, obwohl der Vertrag mit ihm wegen der falschen Vorzeichen ungültig ist.“ Das Urteil hierzu erwartet die 24-Jährige in zwei Wochen.

Kurios: Die Kaution, die sie dem Betrüger gezahlt hatte, bekam sie von dem Mann wieder überwiesen: „Ich hatte ihn angeschrieben und mit den Fakten konfrontiert.“ Trotz der Geld-Rückgabe habe der skrupelllose Gauner bis heute nicht zugegeben, betrogen zu haben: „Er hatte eine Ausrede nach der anderen auf Lager.“ Mit denen aber darf sich jetzt die Justiz beschäftigen.

Anfang Juli (davor lag noch ein Versuch an der Münchner Freiheit) fand die künftige Neu-Münchnerin das perfekte Objekt (Studio und Wohnung) an der Destouchesstraße 57 in Schwabing: „Da habe ich eine Vermieterin, die auch wirklich Eigentümerin ist“, meint sie. Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Eröffnung am Samstag, 27. September, ab 10 Uhr. So wird der Traum doch noch wahr – wenn auch nach unschönen Umwegen.

ws

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