Milde Strafe für 43-Jährigen

Schöne Steffi (17): Ihr Stalker ist schon wieder frei

München - Er ist wieder frei! Der Mann, der der 17-jährigen Steffi K. und deren Eltern das Leben zur Hölle gemacht hatte, kam am Mittwoch vor dem Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon.

Christoph L. (42) gab zu, dass er sie mit unzähligen Morddrohungen per E-Mail und SMS bombardiert hatte. Höhepunkt seiner Schandtaten war eine Todesanzeige am 15. August 2012: „Unsere liebe Steffi hat uns heute für immer verlassen.“ Die Jugendliche wird diesen Horror ihr Leben lang nicht vergessen, aber ihr Peininger marschierte am Mittwoch nach dem Prozess in die Freiheit!

Diese falsche Todesanzeige schaltete der Mann - zum Vergrößern HIER KLICKEN

Buchhalter Christoph L. hatte Steffi im Juni 2012 bei der Arbeit kennengelernt. Er freundete sich mit der 17-Jährigen aus Ismaning an. Während er ihr gegenüber immer nett war, traktierte er sie unter falschen Namen Tag und Nacht per E-Mail und SMS mit schrecklichen Drohungen: „Sagt Dir der Name Natascha Kampusch etwas? ... Ein Transporter hält neben Dir. Die Türe geht auf. Es greifen ein paar Arme nach Dir...“ Auch ihre Freundinnen erhielten finstere Drohungen: „Steffi wird den morgigen Tag nicht mehr erleben!“ Der Horror-Stalker ließ Steffi wissen, dass sie ständig beobachtet wird. Zeitweise versteckte sich Steffi auf einer einsamen Hütte in Tirol, an ein normales Leben war für die talentierte Tennisspielerin nicht zu denken. Sie konnte erst aufatmen, als Christoph L. am 22. August entlarvt werden konnte, über eine rückverfolgbare SMS.

Das Opfer und die Mutter leiden seither unter schweren Angst- und Panikattacken. Sie sind auf starke Psychopharmaka angewiesen. Über seinen Anwalt Gerhard Bink gab der Täter am Mittwoch pauschal alles zu. Damit ersparte er seinen Opfer die Aussage. Außerdem erklärte er sich bereit, Steffi 5000 und ihrer Mutter Gerlinde 3000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Dafür gab es ein Jahr und zehn Monate Haft – auf Bewährung!

Der Horror-Stalker ist quasi wieder ein freier Mann, auch wenn er eine Therapie machen muss.

Eberhard Unfried

So leiden die Eltern

Die Eltern des Opfers können das milde Urteil nicht fassen. „Das Motiv der Tat blieb leider im Dunkeln“, sagte Gerlinde K. (44) nach der Urteilsverkündung. „Ich hätte gerne erfahren, warum er das alles gemacht hat.“ Vater Werner K. (47): „Sie hatte immer Angst vor dem Zeitpunkt, an dem er aus dem Gefängnis kommt.“ Sie habe sich auch zuvor schon kaum aus dem Haus getraut und sei ständig in psychotherapeutischer Behandlung.“ Gestern spazierte der Horror-Stalker in seine Wohnung in der Appenzellerstraße in Fürstenried. Die Mutter ist in Angst: „Wir können jetzt nur noch hoffen, dass der Täter sich an die Bewährungsauflagen hält.“ Christoph L. ist verboten worden, sich der Jugendlichen zu nähern oder Kontakt zu ihr aufzunehmen.

So können sich die Opfer schützen

So wie Steffi K. ergeht es jährlich rund 600 000 Menschen in Deutschland. Die Zahl der Stalking-Fälle ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Makaber: Christoph L. versteckt sich hinter einem Magazin mit dem Titel „Wie das Leben gelingt“

Vor allem das Internet macht es Tätern leicht, an ihr Opfer heranzukommen: „Der Stalker kann zunächst anonym bleiben und innerhalb kurzer Zeit viele E-Mails schicken“, sagt Erika Schindecker, Vorsitzende der Deutschen Stalking-Opferhilfe. „Manche suchen im Internet nach jemandem, an den sie sich hinhängen können. Werden sie abgewiesen, kann die Reaktion Stalking sein“, so Schindecker. In den meisten Fällen sind es Ex-Freunde oder Menschen aus dem Bekanntenkreis, die zum Stalker werden. Doch wie kann man sich dagegen wehren? „Sobald man das Gefühl hat, verfolgt, belästigt oder bedroht zu werden, ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Sagen Sie klar, dass Sie keinen Kontakt wollen“, rät Dr. Hans Peter Schmalzl vom Zentralen Psychologischen Dienst der Polizei.

Doch oft hilft das nicht. Dann sollte man die Polizei einschalten. Denn ein Opfer ist niemals wehrlos. Wichtig ist es, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Die Deutsche Stalking-Opferhilfe bietet ein Selbstsicherheitstraining an. Betroffene sollten unbedingt Beweise gegen den Stalker sammeln. Das Internet kann bei der Dokumentation helfen: Emails ausdrucken und aufbewahren! „Außerdem sollte man ein Stalking-Tagebuch führen“, lautet Schindeckers Tipp.

Beate Winterer

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