Bewährung für Vergewaltiger

Dachau - Der 52-jährige Dachauer Geschäftsmann, der drei Minderjährige sexuell missbraucht haben soll, wurde verurteilt. Das Gericht sah den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt - und verhängte eine Bewährungsstrafe.

Für die Staatsanwältin ist klar: Werner D. (alle Namen geändert) hat sich der sexuellen Nötigung schuldig gemacht. Für die Vergehen an zwei seiner Angestellten (wir haben berichtet) forderte sie eine dreijährige Freiheitsstrafe. Dieser Aufforderung kam das Amtsgericht Dachau gestern nicht in vollem Umfang nach. Am Ende sprach Richter Klemens Albert wegen Vergewaltigung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung aus.

Der Verteidiger fand zwar: „Auch wenn die beiden Angestellten zu den sexuellen Handlungen nein gesagt haben, sie haben sich nicht körperlich gewehrt.“ Der Geschäftsmann, der auch studierter Sozialpädagoge ist, habe nicht wissen können, dass die beiden unter 18-Jährigen nicht wollten, dass er ihre Brüste „küsste, knetete und begrabschte“, findet der Anwalt.

Mit seinen „ekligen, schmutzigen Fingern, so hat meine Tochter mir das damals gesagt, hat er ihr in die Scheide gelangt“, sagt die Mutter eines Opfers vor Gericht aus. „Ich hatte meine Tochter noch nie so leblos gesehen. Sie war versteinert und verstört. Sie hatte Tränen in den Augen und konnte aber nicht weinen.“ Die Mutter hält kurz inne. Wischt sich selbst die Tränen aus den Augen. Die Vorfälle zu schildern, fällt ihr sichtlich schwer. „Ich war als Mutter machtlos. Das Familiengefüge hat es nicht zugelassen, dass meine Tochter rechtzeitig bei diesem Mann kündigt.“

Denn obwohl Werner D. seine Angestellte immer wieder sexuell belästigte und die Tochter das auch ihren Eltern sagte, erlaubte der Vater nicht, dass sie die Stelle aufgab, so die Mutter: „Ich habe meiner Tochter gesagt, dass sie stark auftreten und nein sagen soll.“ Doch als Werner D. sie mit Gewalt in den Keller zog, konnte sie sich nicht wehren. Der Angeklagte zog sie auf die Couch und griff ihr zwischen die Beine.

„Sie hat selbst ausgesagt, dass sie ihre Beine nicht weiter geöffnet hat, nicht etwa, dass sie versucht hat, sie fest zusammenzudrücken“, sagt jedoch der Anwalt. „Mein Mandant konnte also nicht wissen, dass es sich hier nicht um ein einvernehmliches sexuelles Spiel zwischen Frau und Mann handelt.“

Nach der Vergewaltigung blieb das Opfer wochenlang in seinem Zimmer. „Die Jalousien waren immer geschlossen. Sie hat weder gesprochen, noch etwas gegessen“, erinnert sich die Mutter. Noch heute leide die junge Frau nicht nur psychisch unter den Vorfällen. Mehrere Pilzinfektionen und Blasenentzündungen machen ihr das Leben schwer.

Und auch die damals 16-jährige Rita M. kämpft bis heute mit den Vorfällen. Essstörungen, monatelange Therapie und sogar ein Selbstmordversuch waren die Folgen. „Ich hoffe, dass Ihre Tochter nie so etwas Schreckliches erleben muss. Sie haben das Leben meiner Tochter zerstört“, hält die Mutter dem Angeklagten (52) vor.

Neben der zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe muss der zweifache Familienvater an zwei der Opfer jeweils 3000 Euro Schmerzensgeld leisten. Den Tatbestand der Vergewaltigung sah das Gericht trotz des „geringen Gewaltaufwandes“ seitens des Angeklagten als erfüllt an. „Der Begriff Gewalt ist im Gesetzbuch sehr breit definiert“, so Richter Klemens Albert. Das intakte Familienleben hat aber zu Gunsten Werner D. den Ausschlag gegeben: Alle weiteren Vergehen wurden nicht berücksichtigt, sie sind verjährt.

reg/mko

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