Andere sehen den Betreiber im Recht

Besucherin muss Bikini schließen - „Was geht das den Bademeister an?“

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Im Dachauer Freibad bleibt das Bikinioberteil geschlossen. Die Meinungen darüber sind gespalten.

Streifenfreie Bräune ist das Ziel vieler, die an den ersten Sommertagen die Sonne genießen wollten. Im Dachauer Freibad sorgte dieses Vorhaben jedoch für viel Wirbel und geteilte Meinungen im Netz.

Dachau – Am Wochenende hielt der Sommer in Bayern Einzug, und in den Freibädern herrschte Hochbetrieb. Eine Aktion im Dachauer Bad sorgt allerdings auch jetzt, nach den Regenschauern am Dienstag, noch für hitzige Gemüter. Dort wollte eine Frau ihren Rücken ohne weißen Bikiniabdruck bräunen. Dazu öffnete sie ihr Oberteil, lag aber auf dem Bauch. Prompt kam der Bademeister und forderte die Besucherin auf, ihr Oberteil „schnellstmöglich zu schließen“. Die Begründung: Das Tragen von üblicher Badekleidung sei Vorschrift, der Hintergrund dazu ein drohendes Handy-Problem, erklärt Barbara Kern, Abteilungsleiterin Bäder bei den Stadtwerken Dachau. „Wenn wir beschließen sollten, die Bekleidungs-Regelung zu lockern, bekommen wir möglicherweise ein Problem mit Handy-Aufnahmen.“ Das könne bedeuten: Spanner, die Kinder oder nackte Frauen fotografieren oder filmen und die Aufnahmen ins Internet stellen. 

Hitzige Diskussion im Netz

Die Geschichte sorgt für Wirbel im Netz, bei vielen Lesern auf Merkur.de, tz.de und den Facebook-Seiten löst die Sache Kopfschütteln aus: „Was für ein Schmarrn. Das Mädel wird das Teil wieder schließen, wenn es sich aufrichtet“, kommentiert ein Nutzer. Mit dieser Ansicht ist er nicht allein: „Sie hat sich nicht mit nackten Brüsten gesonnt, sondern lag auf dem Bauch. Leben und leben lassen!“ Einige echauffieren sich enorm über die Art, wie der Bademeister gehandelt hat: „Was geht es den Bademeister an, wie sich eine Frau anzieht? Solange sie auf dem Bauch liegt, gar nichts!“ 

Trotzdem sind zahlreiche Leser der Ansicht, dass die Regelung des Schwimmbads sinnvoll ist: „Es gibt ein Mindestmaß des Anstands. Und das ist halt einzuhalten. Wo ist das Problem?“, fragt einer davon. Ein anderer meint: „Es ist unglaublich, wie weit der gesellschaftliche Hedonismus geht. Wenn sich jemand ‚Ganzkörperbräunen‘ will, ist er im Familienbad verkehrt.“ Außerdem seien die Vorschriften bekannt, argumentieren viele: „Wenn der Badbetreiber als Hausherr das so wünscht, wird man sich daran halten müssen oder eben an einen textilfreien Badeort gehen müssen.“ 

Doch vor allem Frauen sehen das Problem eher auf der anderen Seite.  „Wie wäre es stattdessen mit Handyverbot?! Die Gäste werden schon nicht sterben, wenn sie mal ein paar Stunden ohne auskommen sollen“, schlägt eine Leserin bei Facebook vor. Eine andere Frau denkt ähnlich: „Spanner gab's schon immer. Warum schmeißt man nicht die Leute raus, die man beim Fotografieren erwischt?“ Viele Leser reagieren auch spöttisch oder überlegen ironisch, ob in Zukunft beispielsweise rückenfreie Badeanzüge noch erlaubt seien. Wieder andere meinen, dass das Handyverbot vor etwa zwei Jahren noch kein Thema gewesen sei.

Nicht nur über den Bikini-Vorfall ärgern sich die Dachauer

Bei der Umfrage „Was halten Sie von der Aufforderung des Bademeisters?“ haben – Stand ca. 14.30 Uhr am Mittwoch – fast 4800 Leser ihre Meinung kundgetan. 35 Prozent finden die Regelung des Freibades „vollkommen richtig“, 31 Prozent die Aktion als „etwas überzogen“ an. Nur 19 Prozent sehen die Regelung als „total daneben“ an, dem Rest ist sie egal.

Abgesehen von dem Bikini-Fauxpas gibt es für viele Dachauer noch einen weiteren Grund, sich über ihr Freibad zu ärgern: Die Preise wurden heuer zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder erhöht. Kommentare wie „Abzocke!“ und „Bei dem Preis kaufe ich heuer keine Saisonkarte“ sind häufiger zu lesen. Neben der absoluten Textil-Pflicht ist deshalb auch der teurere Eintritt für viele ein Grund, das Bad nicht mehr zu besuchen. Sie weichen stattdessen lieber auf die Seen in der Umgebung aus. „Gibt eh nichts Schöneres als am See zu liegen“, ist die Meinung einer Dachauerin, der viele Leser beipflichten.

mh

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