Reinfall mit Waffen-Amnestie: 1800 Euro Buße

München - Ein Bio-Bauer aus Ebersberg erlebte mit dem Waffen-Amnestie-Gesetz einen echten Reinfall. Die straffreie Abgabe von illegalen Waffen nutzte auch er und gab sein Sturmgewehr ab. Von den Folgen ahnte er nichts:

Das Gewehr unterm Dachboden wollte er schon lange loswerden. Als nach dem Amoklauf von Winnenden ein Amnestie-Gesetz erlassen wurde, das Besitzern illegaler Waffen die straffreie Abgabe der Mordinstrumente erlaubte, nutzte auch ein Bio-Bauer aus dem Kreis Ebersberg die Chance. Am 23. Dezember 2009 gab der sein Sturmgewehr SIG 57 bei der Polizei in Ottobrunn ab. Damit begann für den 50-Jährigen jedoch unerwarteter Ärger. Die Waffe, mit der bis in die 90er Jahre die Soldaten in der Schweiz ausgerüstet waren, ist eine Kriegswaffe. Diese fällt nicht unter die Amnestie. Und ein Verstoß gegen das Kriegswaffen-Gesetz ist ein Verbrechen. Deshalb musste sich der völlig unbescholtene Landwirtschaftsmeister am Mittwoch in München vor dem Schöffengericht verantworten.

„Ich habe nicht gewusst, dass das eine Kriegswaffe ist“, beteuerte der Angeklagte. Es habe sie im guten Glauben abgegeben. „Hätte ich gewusst, dass die Waffe nicht unter die Amnestie fällt, hätte ich sie vergraben oder einbetoniert.“

Woher hat er die Waffe? „Ich habe es im Wirtshaus in Bierlaune erstanden. Vor zehn bis 15 Jahren.“ Von wem? Auf diese Frage von Richter Gerhard Simon weicht der Angeklagte aus: „Den kenne ich nicht.“ So eine Knarre ist relativ leicht zu kriegen. In der Schweiz ist es traditionell so, dass jeder Reservist ein Sturmgewehr samt Munition bei sich zuhause aufbewahrt.

Das Gericht folgte schließlich dem Antrag von Verteidigerin Aglaia Muth, den Fall als „Fahrlässigkeit“ einzustufen. Damit ist man weg vom Verbrechens-Tatbestand. Das Gericht stellte das Strafverfahren gegen Zahlung von 1800 Euro (für Kinder in Kroatien) ein.

ebu

Rubriklistenbild: © dpa

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