Zum Tod von Birgit Wachholz

Trauer um die „Mama für alle“

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Erinnerung an glückliche Tage: Ehemann Martin Wachholz trauert um seine geliebte Birgit. 

Es ist ein Schock für ihr Umfeld: Die langjährige Indersdorfer Hebamme Birgit Wachholz (57) ist völlig überraschend gestorben.

Von Conny Kirmaier

Indersdorf – Birgit Wachholz hatte sich am vergangenen Sonntag ins Bett gelegt, um zu lesen. Ihr Sohn Felix fand sie wenige Stunden später: tot. Wie inzwischen fest steht, hatte die 57-Jährige einen Herzinfarkt erlitten. „Man hätte ihr nicht mehr helfen können“, erzählt Tochter Maren traurig. „Doch wir sind froh, dass sie den Infarkt nicht im Auto erlitten hat, sondern zu Hause, denn sie war ja so viel unterwegs.“

Birgit Wachholz arbeitete seit 1985 als Hebamme. Zunächst noch in ihrer Heimat Niedersachsen, dann im Landkreis Dachau. Zusammen mit ihrem späteren Mann Martin war sie erst in die Große Kreisstadt gezogen, später nach Feldgeding. „Um die Wohnung zu bekommen, mussten sie verheiratet sein – so wollte es der Vermieter. Also heirateten meine Eltern. Meine Mutter war damals schwanger mit mir. Weil sie außerdem beide nicht viel Geld hatten, trug meine Mutter bei der Hochzeit ein kurzes, schwarzes Kleid mit Hut aus einem Second-Hand-Laden.“ Acht Jahre später siedelte die Familie nach Ainhofen um, seit 2007 lebte Birgit Wachholz mit ihrem Mann und drei Kindern in Indersdorf.

Gelernt hatte Birgit Wachholz zunächst den Beruf der Kinderkrankenschwester, doch schon zwei Jahre später absolvierte sie eine Ausbildung zur Hebamme. Seit 1988 arbeitete Birgit Wachholz als freiberufliche Hebamme, zunächst mit Geburtshilfe, später ohne. Sechs Tage die Woche war sie mit ihrem Auto im Landkreis unterwegs, besuchte Neugeborene und deren Mütter zu Hause, half den Familien. Eine Zeit lang führte sie eigene Praxisräume in Indersdorf, dann mietete sie einen Raum. „Meine Mama war eigentlich eine Mama für alle“, sagt Tochter Maren. Denn die 57-Jährige kümmerte sich nicht nur aufopfernd um ihre eigene Familie, sondern griff auch mit vollem Herzblut werdenden oder frisch gebackenen Müttern unter die Arme. Ihre Mutter habe massiert, akupunktiert, getapt. „Sie hat sich für die Frauen aufgeopfert und die Arbeit vor allem mit den Babys geliebt“, weiß die 28-Jährige. Alle Säuglingsfotos, die sie von ihren Patientinnen bekommen hat, hat sie aufbewahrt – es müssen hunderte sein. Doch der Sonntag gehörte der Familie, ihrem Mann Martin, Tochter Maren und den Zwillingen Felix und Lena (25). Seit 15 Jahren gehört zudem Marens Freund Tobias zur Familie. Einmal in der Woche kamen alle zum Kaffeetrinken zusammen. „Die Mama hat immer extra einen Kuchen gebacken – auch noch am vergangenen Sonntag. Es ging ihr am Vormittag noch gut, sie hat gelacht und alles“, erinnert sich Maren Wachholz. Auch der Abend zuvor war harmonisch, die Familie bis 1 Uhr nachts zusammen. „Das ist natürlich eine schöne Erinnerung.“

Bis kommenden August war Birgit Wachholz mit Geburtsvor- und -nachsorgen ausgebucht – das zeigt ihr Terminkalender. Nun müssen erst einmal ihre Kolleginnen die Patientinnen übernehmen. Eine der Hebammen ist Angelika Stumpf aus Erdweg. „Birgit Wachholz hinterlässt eine Riesenlücke. Wir befinden uns alle noch im Schockzustand“, berichtet die Hebamme. Und: „Wir vermissen sie sehr!“

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