„Entgleisung spätpubertierenden Verhaltens“

Busen-Biss im Morgengrauen vor Gericht

Geretsried - Gewalt in Liebesbeziehungen ist am Gericht häufig Thema. Dass ein Mann seiner Liebsten aus Wut in die Brust beißt, ist hingegen ein Fall für die richterliche Raritätenkammer.

Wegen einer solchen Attacke musste sich ein 18-jähriger Geretsrieder vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Wie es dazu gekommen war, konnten sich weder der Angeklagte noch sein Opfer genau erklären.

„Wir haben gestritten. Ich weiß nicht mehr warum, und dann ist es halt passiert“, sagte der junge Mann. „Ich habe ihn schon auch provoziert“, räumte die 16-jährige Freundin ein. „Irgendwann ist es eskaliert. Es kam zu dem Biss. Aber es hat nicht weh getan und auch nicht geblutet.“

Kurzzeitig gingen die beiden Auszubildenden nach dem Vorfall getrennte Wege. Inzwischen sind sie wieder ein Herz und eine Seele. „Wir haben uns ausgesprochen und sind wieder zusammen“, sagte sie. „Es läuft ganz gut eigentlich“, meinte er. Alles bestens also - wären da nicht die zahlreichen Vorstrafen des 18-Jährigen.

Wegen Diebstahls, Beleidigung und diverser Körperverletzungsdelikte musste der junge Mann bereits drei Freizeit-Jugendarreste absitzen. Zuletzt wurde er zu zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Die stand nun auf dem Spiel.

„Er ist einer von denen, die wahrscheinlich keine einzige Straftat begangen hätten, wenn der Alkohol nicht wäre“, vermutete Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch. Der Bewährungshelfer berichtete von einer „unproblematischen Bewährung“, in der der 18-Jährige bislang „eine Vielzahl positiver Akzente setzen konnte“. Den Biss in die Brust der Freundin wertete er als „Entgleisung spätpubertierenden Verhaltens“.

Das Gericht stockte die zuletzt verhängte Jugendstrafe auf zwölf Monate auf und setzte sie erneut zur Bewährung aus. „Ihnen muss klar sein: Wenn noch mal was passiert, ist es mit der Bewährung vorbei“, ermahnte Jugendrichterin Barbara Treeger-Huber den jungen Mann. Helfen sollen ihm dabei ein striktes Alkoholverbot, mindestens fünf Einzelgespräche mit der Caritas-Suchtberatung sowie 56 Stunden Sozialdienst. (rs)

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