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Landkreis nahe München entwirft Notfallplan für Blackout - Leute müssen „wachgerüttelt werden“

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Von: Stefanie Zipfer

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brennendes Streichholz, Kerzenflamme
So simpel wie nützlich bei einem Stromausfall: Kerze und Streichholz. © McPhoto/A. Schauhuber /imago

Die für Katastrophenschutz im Landratsamt zuständige Abteilung entwirft derzeit einen Notfallplan für einen mehrtägigen Stromausfall, einen sogenannten Blackout.

Dachau – Dr. Michael Holland, Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, ist eigentlich ein sehr aufgeräumter, besonnener Beamter; wenig treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn. Der Gang in Elektromärkte in diesem Sommer gab ihm dann aber doch zu denken: Es wurden, trotz anhaltender Hitze, mehr Elektroheizgeräte als Klimaanlagen verkauft. Die Menschen, so zeigte sich, sorgen für die Gaskrise im kommenden Winter vor. Klar: Wenn der Heizkörper nur noch lauwarm ist, soll eben der elektrische Heizlüfter für eine warme Stube sorgen.

Blackout: Für Katastrophenfall im Landkreis Dachau müsste einiges zusammenkommen - Notfallplan

Doch dieser Plan könnte, sofern auch noch ein paar andere Faktoren hinzu kommen wie extreme Kälte, noch weniger Gas aus Russland und noch weniger Atomstrom aus Frankreich, verheerende Folgen haben. Folgen, die nun Dr. Holland und seine Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis irgendwie vorausplanen und koordinieren sollen.

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Laut Stefan Löwl, als Landrat Vorgesetzter von Holland, ist das große Problem nämlich nicht nur die bevorstehende winterliche Gaskrise, wie von manchen – vor allem Grünen-Politikern – zuletzt immer wieder wiederholt wurde: „Zu behaupten, wir haben nur eine Wärme- und keine Stromkrise, ist Humbug!“ Wenn das Gas nämlich weg sei, würde auf Strom umgestellt werden. Dieses „Elixier unserer Gesellschaft“ könnte aber in diesem Winter erstmals seit 70 Jahren knapp werden – „und das ist das Szenario, auf das wir uns gerade vorbereiten“, so Löwl.

Holland betont zwar, dass ein problematischer Blackout von mehreren Tagen in mehreren Landkreiskommunen gleichzeitig unwahrscheinlich sei. Aber es sei auch „nicht auszuschließen“. Schwarzmalerei wollen er und Löwl sich daher nicht vorwerfen lassen: „In der Hoffnung auf den besten Fall bereiten wir uns derzeit auf den schlimmsten vor.“ Die Leute müssten „wachgerüttelt“ werden, so Holland, denn: „Dadurch, dass es uns Jahrzehnte lang so gut ging, haben viele vergessen, dass es auch anders sein kann.“

Heizen mit Strom führt zu Blackout: Für Notfallplan wird erhoben, wer vor allem mit Gas heizt

Aktuell beschäftigen sich Holland und Co. daher vordringlich mit der Frage: Wer im Landkreis nutzt Gas? Wer ist wie sehr davon abhängig? Wer könnte gegebenenfalls auf anderem Wege – etwa durch Biogas – kurzzeitig für Abhilfe sorgen? Bis September soll die Abfrage unter Krankenhäusern, Pflegeheimen, Rettungsdiensten, Landwirten, Schulen sowie örtlichen Strom- und Gasversorgern beendet sein.

Mit einem aus dieser Abfrage resultierenden Lagebild sollen dann Handlungsmöglichkeiten erörtert werden, wobei klar ist: „Wenn es wegen dem Gasmangel zu überlasteten Stromnetzen und dem Blackout kommt, können wir nur ganz wenig machen.“ Der Fokus liege daher an der Aufrechterhaltung der Kommunikation beziehungsweise der Kommunikationssicherheit zwischen den Einsatzkräften. So soll der Behördenfunk „stromautark“ gemacht werden und die Bürgermeister öffentliche Anlaufstellen benennen, in denen die Bürger Hilfe holen können. Denn so viel steht fest: Haben die Haushalte mehr als 24 Stunden keinen Strom, wird auch Handys irgendwann der Saft ausgehen.

Notfallplan für Blackout: Appell an die Bürger - Eigenvorsorge betreiben

Apropos Bürger: Denen kommt, so Löwl, im Zuge dieses Worst-Case-Szenarios eine entscheidende Bedeutung zu. Das Stichwort ist Eigenvorsorge: „Es soll niemand zum Prepper (Anm. d. Red.: Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf Katastrophen vorbereiten) werden oder sich einen Bunker bauen.“ Aber es helfe schon, wenn jeder Bürger einmal einen Blick auf die Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wirft. Dort finde man eine mehrsprachige Checkliste für den Notfall sowie Verhaltenstipps für Notsituationen wie einen Blackout. Außerdem ist es Löwl zufolge schon ein Anfang, wenn jeder im Keller einen Kasten Wasser in Reserve hat, über ein funktionierendes Radio verfügt und ein paar Kerzen und Streichhölzer besitzt. Auch eine „geistige“ Vorbereitung sei wichtig, die Bürger müssten sich bewusst werden: „Krisen verlangen uns etwas ab!“ Natürlich, so Löwl, würden viele Menschen bei diesem Thema abschalten und sagen: „Das wird schon nicht passieren. Lasst uns ins Ruhe damit!“ Diese Denkweise mag menschlich nachvollziehbar sein. Eine Behörde, betont Löwl, könne sich dies „nur leider nicht leisten“.

Wissenswertes für den Notfall bietet die Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter www.bbk.bund.de.

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