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Gerüstet für den Blackout: Landkreis erstellt Notfallpläne - „Größte Bedrohung sind Hacker“

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Was passiert, wenn länger, vielleicht sogar mehrere Tage, der Strom ausfällt - etwa nach einem Hackerangriff? Genau für so einen Blackout rüstet sich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zunächst einmal gilt: Bitte keine Panik. Das betont auch Florian Streidl, am Landratsamt zuständig für den Katastrophenschutz. Deshalb ist er auch ein bisschen zögerlich bei der Beantwortung der Frage, wie sich der Landkreis auf einen „Blackout“, also einen kompletten, vielleicht auch mehrtägigen Stromausfall vorbereitet. „Man muss einfach aufpassen, keine Panik zu schüren.“

Was tun, wenn der Strom länger ausfällt? Der Landkreis arbeitet an Strategien für den Ernstfall.
Was tun, wenn der Strom länger ausfällt? Der Landkreis arbeitet an Strategien für den Ernstfall. © dpa

Fakt ist aber, dass der Landkreis wie alle anderen auch an Notfallplänen arbeitet. Dabei geht es nicht um die Gefahr, dass irgendein mechanischer Schaden die Stromversorgung lahm legt, Kabel gekappt werden oder ein Umspannwerk brennt. „Das sind Probleme, die man relativ schnell wieder beheben kann“, sagt Streidl. „Die größte Bedrohung sind Hacker.“

Notfallplan für Blackout: Größte Gefahr geht von Hackern aus

Das ist nicht bloß graue Theorie. Im Sommer 2021 legte eine Hackergruppe mit Schadsoftware die komplette Verwaltung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) lahm. Zum ersten Mal wurde in der Folge der Katastrophenfall wegen eines Cyberangriffs ausgerufen. Er dauerte über ein halbes Jahr an. Es ist kein Einzelfall: Unternehmen, Medienhäuser, Kliniken und andere kritische Infrastruktur geraten immer wieder ins Visier von Hackern. Sie kapern ganze Systeme und fordern Lösegeld, um sie wieder freizugeben. Selbst wenn darauf nicht eingegangen wird, sind die Schäden immens. Der Krieg in der Ukraine und die deutschen Waffenlieferungen haben die Gefahr von Cyberangriffen nicht kleiner gemacht.

Auch deshalb rüstet sich der Landkreis für den Fall, dass der Strom ausfällt. Es gibt Not- und Einsatzpläne, welche Einrichtungen im Fall des Falles über Notstromaggregate versorgt werden müssen. Das geht nur in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber und dem Stromversorger. „Kliniken, Altenheime, eine ärztliche Grundversorgung, bestimmte Behörden“ würden versorgt, sagt Streidl – und Banken. Das liegt auch daran, dass Menschen Angst bekommen, wenn sie nicht mehr an ihr Geld kommen.

Strom-Blackout: Gemeinden haben sich mit dem Thema befasst

Auch einige Gemeinderäte haben sich bereits mit dem Thema Blackout befasst, den Kauf von Notstromaggregaten beschlossen. Hintergrund ist hier eine Vorgabe des Innenministeriums. In jeder Gemeinde soll es einen „Leuchtturm“ geben, eine „Unterkunft als Notbehelf“, so Streidl, in der es hell und warm ist. Andere Gemeinden haben ihre Wasserversorgung noch einmal unter die Lupe genommen. Denn die meisten fördern Trinkwasser aus Tiefbrunnen, und auch das geht nur, wenn es Strom gibt.

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Den braucht es auch, damit der Digitalfunk funktioniert, über den Einsatz- und Rettungskräfte kommunizieren. Auch hier gibt es Pläne, wie die Versorgung aufrecht erhalten bleiben soll. Man wolle sich einfach für den schlimmstmöglichen Fall rüsten. Aber um ehrlich zu sein: „Praktisch erprobt wurde das noch nie“, sagt Streidl.

Blackout: Das kann jeder einzelne tun

Jeder einzelne kann sich übrigens auch ein Stück weit selbst wappnen – ohne bitte jetzt palettenweise Lebensmittel aus dem Supermarkt zu schleppen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat schon vor einer Weile eine Broschüre zum Thema Vorsorge und Selbsthilfe bei einem Stromausfall herausgebracht.

Ein gewisser Vorrat an Trinkwasser, einige haltbare Lebensmittel, Kerzen, Streichhölzer, ein batteriebetriebenes Radio und Medikamente werden vom Bundesamt unter anderem empfohlen. Detailliert nachlesen kann man das im Internet auf www.bbk.bund.de

Man muss auch nicht gleich bei jedem kleineren Stromausfall in Sorge geraten – in der Regel gehen die rasch vorbei. „Nur wenn feststeht, dass es sich um einen großflächigen Ausfall handelt, der länger andauert, würden die Bürger über die dann zur Verfügung stehenden Medien informiert“, sagt Sabine Schmid, Pressesprecherin am Landratsamt. Das kann übers Radio geschehen (deshalb braucht es ein Gerät mit Batterien), über Warnapps wie NINA oder zur Not auch über einen Lautsprecherwagen, der durch den Ort fährt.

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