Am Demmeljoch

Blitz schlägt neben Wanderin ein - Bergwacht hilft Frau ins Tal

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Symbolfoto

Für einen Münchner kam am Pfingstmontag jede Hilfe zu spät: Er wurde beim Wandern durch einen Blitzeinschlag getötet. Am Demmeljoch sorgte ein Gewitter bereits am Samstag für einen Einsatz.

Lenggries– Die Lenggrieser Bergwacht musste am Samstagnachmittag ausrücken. Eine junge Frau aus der Region war beim Abstieg vom Demmeljoch von einem Gewitter eingeholt worden. „Sie hatte sich bei einer Hütte untergestellt“, berichtet Willi Hertle, stellvertretender Bereitschaftsleiter. Ein Blitz schlug dann entweder in die Hütte selbst oder in der direkten Umgebung ein. „Der Blitz breitet sich über den Boden aus“, erklärt Hertle. Da die Frau auf dem Boden stand, bekam auch sie die Auswirkungen zu spüren. „Sie hatte an den Rückseiten der Oberschenkel einen Ausschlag, wie wenn man Brennnesseln berührt hat.“

Die Frau ging schließlich weiter, obwohl sie merkte, dass der Blitz sie getroffen hatte, weil ihr Arm sich lahm anfühlte. „Es hat geschüttet, dass man meinte, die Welt geht unter“, so Hertle. Die Frau verletzte sich schließlich beim Abstieg am Fuß und konnte nicht weitergehen. Sie kontaktierte die Bergwacht.

„Normalerweise haben wir verschiedene Systeme, über die wir Leute orten können“, sagt Hertle. Das war aufgrund des Gewitters schwierig. „Ganz kurz konnte uns die Frau über WhatsApp ihren Standort schicken. Der Punkt stimmte aber nicht mit ihren Schilderungen überein. Danach hatte sie keinen Empfang mehr.“ Der telefonische Kontakt ging verloren. Also rückten zwei Rettungstrupps aus. Im Bächental fanden sie schließlich die Verletzte. Sie wurde medizinisch erstversorgt und in eine Wärmepackung eingepackt. Das Gewitter hatte sich zu dem Zeitpunkt verzogen, aber „es hat immer noch geregnet wie aus Eimern“, sagt Hertle. Da der Hubschrauber nicht landen konnte und der Regelrettungsdienst ausgelastet war, wurde die Frau mit dem Bergrettungsfahrzeug unter ärztlicher Betreuung ins Tölzer Krankenhaus gebracht. „Dort musste beobachtet werden, ob sich der Stromschlag irgendwie aufs Herz ausgewirkt hat“, sagt Hertle.

Für die Einsatzkräfte ist eine Rettung unter solchen Bedingungen nicht leicht. „Wenn es rundum blitzt, dann sind wir gezwungen, zu warten. Wir können ja nicht unsere Gesundheit und unser Leben aufs Spiel setzen“, sagt Hertle.

Deshalb ist ein wichtiger Aspekt in der Ausbildung der Bergretter neben der Eignung für Sommer- oder Winterrettung zu prüfen, ob sie über ein entsprechendes Gefahrenbewusstsein verfügen, sagt Herbert Streibel, Referent für Sicherheit am Bergwacht Zentrum. Im Winter gehe die größte Gefahr von Lawinen aus. „Dafür haben wir ein eigenes Risikomanagement. Es gibt eine Notfallausrüstung, spezielle Verhaltensregeln.“ Für Gewitter gebe es ein solches Management nicht. „Da hilft im Notfall nur, abzuwarten, bis es vorbei ist und erst dann in den Einsatzbereich vorzudringen.“

Dafür beobachten die Retter etwa den Wetterbericht, „ob im Einsatzgebiet ein Gewitter ist, oder eines im Anzug ist“, sagt Streibel. „Man muss immer aktuell schauen.“

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