Verheerende Nachtfahrt

VW-Bus kracht frontal gegen Baum - als die Polizei zur Unfallstelle kommt, ist der Wagen verschwunden

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Als die Polizei an der Unfallstelle ankam, war der beschädigte Wagen bereits verschwunden (Symbolbild).

Ein Unfall in Lenggries, ein verschwundenes Auto und viel Alkohol. Darum ging es in einer Verhandlung vor dem Jugendgericht.

LenggriesEin VW-Bus kracht frontal gegen einen Baum. Als die Polizei an der Unfallstelle eintrifft, ist das Auto verschwunden. Zur selben Zeit liegt der vermeintliche Fahrer daheim im Hausflur – mit blutverschmiertem Gesicht, gebrochenem Oberschenkel und 1,9 Promille Alkohol im Blut. Nun wurde der Lenggrieser (21) wegen Trunkenheit im Straßenverkehr zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Es war kein alltäglicher Fall, mit dem sich das Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen am Donnerstag beschäftigen musste. Am 1. Dezember 2017 gegen 23 Uhr meldete eine Autofahrerin einen Verkehrsunfall. Auf der Staatsstraße 2072 von Wegscheid nach Lenggries war ein VW in einer scharfen Rechtskurve nach links von der Straße abgekommen und frontal gegen einen Baum gefahren. Weil niemand im Auto saß, ermittelte die Polizei anhand des telefonisch von der Zeugin übermittelten Kennzeichens den Halter und schickte zwei Streifenwagen los – zur Unfallstelle und zur Wohnadresse. Am Unfallort fanden die Beamten nur einen Frontscheinwerfer im Schnee, der Bus war verschwunden. Reifen- und Schleifspuren ließen vermuten, dass das Fahrzeug von einem Traktor oder Ähnlichem herausgezogen worden war.

DNA-Abgleich zeigt: Blut des Angeklagten im Auto

Beim Haus des Fahrzeughalters stand bereits ein Rettungswagen vor der Tür, als die zweite Streife dort eintraf. Im Flur verarzteten Sanitäter den Sohn des Hauses. Dessen Vater hatte in der Nacht ein Rumpeln gehört und den Junior auf dem Boden liegend vorgefunden. Der blutverschmierte junge Mann habe „kaum noch etwas wahrgenommen“, berichtete ein Polizist. „Er war völlig desorientiert.“ Dieser Zustand hielt an, als er ins Krankenhaus gebracht wurde. In der Notaufnahme soll der 21-Jährige eine uniformierte Polizistin gebeten haben, sie möge „nicht so viele Fragen stellen. Sonst kriegt es noch die Polizei mit und nimmt mir den Führerschein ab“. Die Blutprobe ergab 1,9 Promille.

Fünf Tage später verriet der damals immer noch im Krankenhaus liegende Lenggrieser, wo das Auto abgestellt war. Ein Polizist schnitt daraufhin vor Ort den Airbag sowie ein Stück der Verkleidung der Fahrertür aus dem Unfallfahrzeug. Ein DNA-Abgleich ergab, dass das darauf sichergestellte Blut vom Angeklagten stammte.

Dem Staatsanwalt genügten die Indizien als Beweis dafür, dass der Angeklagte, der sich nicht zu den Vorwürfen äußerte, in jener Nacht das Auto betrunken gegen den Baum gelenkt hatte. „Mir fehlt eine andere plausible Erklärung“, betonte der Anklagevertreter.

Für den Verteidiger bleibt vieles offen

Für den Verteidiger blieben hingegen viele Fragen unbeantwortet. Wann war die Tatzeit? Keiner weiß es. Selbst wenn er gefahren ist, wann hat er getrunken? Wer hat das Auto weggeschafft? Selbst die Blutspuren seien kein Beweis dafür, dass sein Mandant tatsächlich gefahren sei. „Er kann auch vom Beifahrersitz herübergekrochen sein“, sagte der Rechtsanwalt. „Was wir haben, reicht nicht für eine Verurteilung.“ 

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Das sah Richter Urs Wäckerlin anders. „Nüchtern betrachtet“ könne „an der Schuld des Angeklagten kein Zweifel zurückbleiben.“ Wäckerlin verurteilte den Lenggrieser zu 1200 Euro Geldstrafe, zahlbar je zur Hälfte an die Caritas-Suchtberatung sowie den Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit Geretsried. Bis zum 31. August darf er keinen Alkohol trinken. Auf den Führerschein muss er noch weitere zehn Monate verzichten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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