Entscheidung ist gefallen

BMW-Forschungszentrum kommt nach Unterschleißheim

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Schickes Ding: So soll er einmal aussehen, der Business-Campus in Unterschleißheim. Mieter ist BMW, der hier sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren unterbringen wird.

Unterschleißheim - Wochenlang haben sich die Entscheider beim BMW Zeit gelassen. Jetzt ist es beschlossene Sache: Der Münchner Autobauer wird in Unterschleißheim sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren aufbauen. Ein herber Schlag für Haar. Die Gemeinde hatte sich ebenfalls um das Unternehmen beworben.

Die Zukunft von BMW findet in Unterschleißheim statt. Hier, auf dem ehemaligen Airbus-Gelände an der Landshuter Straße, wird auf rund 47 000 Quadratmetern das Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren entstehen. Als Bezugstermin ist der Juli kommenden Jahres geplant. BMW wird die Räume mieten, Eigentümer ist die „Business Campus Management GmbH“. Sie entwickelt das gesamte Gelände neu, rund 200 000 Quadratmeter. Einige der bestehenden Airbus-Gebäude werden abgerissen, neue gebaut. Inmitten der Gebäudelandschaft wird ein See angelegt, das Gelände ist offen zugänglich (wir berichteten). BMW wird also nicht der einzige Mieter auf dem Campus sein. Aber doch einer, über den sich der Geschäftsführer des Unterschleißheimer Business Campus, Stephan Hof, richtig freut. Denn mit dem Thema „Autonomes Fahren“ ziehe eine Forschungsrichtung auf den Campus, die wunderbar passe zum Campus-Thema „Digitale Zukunft“. Bis zu 2000 Menschen werden in dem Forschungs- und Entwicklungszentrum beschäftigt sein. Rund 1000 werden aus bereits bestehenden BMW-Abteilungen in Milbertshofen, Garching und Eching zusammengezogen. Bis zu 1000 weitere Stellen sollen bis zum Endausbau entstehen. Gesucht werden Software-Experten und IT-Fachleute, die forschen und entwickeln, wie das Fahren ohne Fahrer am besten funktionieren kann. Dabei will BMW auf neue Formen der Zusammenarbeit setzen. Unter dem Titel „project i 2.0“ werden kleine Fachteams gebildet, die Zusammenarbeit soll Unternehmens-übergreifend aufen. In die automobile Zukunft will BMW möglichst schnell: Der autonom fahrende Inext-BMW soll 2021 auf den Markt kommen. Die Zeit drängt. Und gerade dieser Faktor „Zeit“ war es, nach Angaben des Unternehmens, der letztlich für die Stadt Unterschleißheim den Ausschlag gegeben hat. Praktisch in diesem Zusammenhang: Die A 9 bei Garching ist bereits als Teststrecke ausgerufen. Und auch in Garching selbst kann getestet werden. Die Entscheidung für Unterschleißheim sorgt im Rathaus der Stadt für Begeisterung. Von einer „enormen Bedeutung“ und einem „großen Imagegewinn“ spricht Bürgermeister Christoph Böck (SPD), der selbst in der Entwicklungsabteilung von BMW gearbeitet hat. Es werde „Strahlkraft“ vom Standort ausgehen, Kooperationen mit anderen Firmen könnten entstehen. „Hier wird die Zukunft gemacht, ähnlich wie damals bei ,Microsoft’“, sagte Böck. Doch es geht nicht nur ums Renommee. Es geht auch ums Geld: BMW wird Gewerbesteuer zahlen. Geld, das auch Unterschleißheim gut gebrauchen kann. Doch lange Zeit für Freudenfeiern bleibt nicht. Die Stadt und die Stadträte müssen den Bebauungsplan im Detail ausarbeiten. Diverse Wünsche des Autobauers werden zu berücksichten sein. Und es geht auch darum, ein Verkehrskonzept umzusetzen, das eine möglichst reibungslose Anbindung ermöglicht. Die Haupterschließung wird über die Landshuter Straße erfolgen, sie wird im Bereich des Areals zweispurig ausgebaut. Der Münchner Ring erhält eine zweite Linksabbieger-Spur und wer von der Lé Cres-Brücke kommt, soll direkt geradeaus weiterfahren können zum Campus. Zusätzlich soll der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden. Grundsätzlich aber geht Böck davon aus, dass der Verkehr zunächst einmal gefühlt nicht zunimmt Immerhin hat Unterschleißheim in den vergangenen zwei Jahren 3000 Arbeitsplätze verloren. Grund dafür war der Weggang von „Airbus“ und „Microsoft“. Die zusätzliche Verkehrsbelastung, die durch den Zuzug des BMW-Forschungs- und Entwicklungszentrums hätte entstehen können, hatten der Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) in den vergangenen Wochen zu schaffen gemacht. Bürger der Gemeinde, aber auch die Nachbarkommunen Vaterstetten und Putzbrunn hatten Vorbehalte geäußert. Nun also wird es ruhig bleiben in den drei Orten. Denn Haar konnte sich mit seinem Konzept für einen Neubau auf der Finck-Wiese nicht durchsetzen. Die Idee, passgenau für BMW zu bauen, scheiterte an den ehrgeizigen Zeitplänen des Münchner Unternehmens. In Haar wäre ein erster Bezug im März 2018 möglich gewesen. Entsprechend enttäuscht ist die Bürgermeisterin. Verwaltung, Gemeinderat, Projektentwickler und Investor „Dibag AG“ und auch sie selbst, hätten „sehr, sehr viel Kraft“ investiert. „Ich muss das erst einmal verdauen“, sagte Gabriele Müller gestern. Die Zukunft der Finck-Wiese liegt nun erst einmal wieder in der Landwirtschaft. Aber vermutlich nur für kurze Zeit. Denn die Finck-Wiese ist jetzt als Entwicklungsgrundstück auf dem Markt.

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