Konkrete Erfahrungen mit der Berufswelt

"Pro 10": So macht sich BMW für Kinder stark

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Gruppenbild: Unsere zehn „Lerntiger“ mit Chef Florian Thunn bei BMW in Fröttmanning.

München - Das Projekt „Pro 10“ ist ungewöhnlich, aber auch ungewöhnlich erfolgreich. BMW zeigt Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen, wie die Arbeitswelt aussieht.

Bereits im Alter von zehn Jahren machen die Kinder vom Lichtblick Hasenbergl, einer Einrichtung für Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen, erste Erfahrungen mit der Berufswelt. Und zwar ganz konkret. So wie jetzt bei der BMW Niederlassung in Fröttmaning. Die zehn Kinder der Gruppe Lerntiger haben Chef Florian Thunn (44) und seine Leute ganz schön ins Schwitzen gebracht.

Wie viel verdienen Sie denn? „Das kann ich nicht verraten, aber wer bei uns fleißig ist, hat auch gute Chancen!“ Neben den Verdienstchancen und verschiedenen Ausbildungsberufen (unter anderem Mechatroniker, Automobilkaufmann) haben sich die potenziellen Nachwuchskräfte natürlich hauptsächlich für die Autos interessiert. Einmal in ein schickes Cabrio einsteigen - ein tolles Gefühl. Chelsea (10): „Das war cool, dass wir in den Autos sitzen durften.“ Und dass sie Reifen wechseln, einen ausgebauten Motor untersuchen und am Computer Simulationen testen konnten.

Zülfikar packt an - ein Reifenwechsel mit professioneller Ausrüstung an der Hebebühne.

„So ein Autohaus ist echt interessant und die Leute haben sich richtig viel Zeit für uns genommen“, sagt Enes (10). Klar, bei der Anzahl von Wagen, die es in Fröttmaning gibt. 1200 gebrauchte Fahrzeuge stehen hier im weltweit größten Autohaus für Gebrauchte an einem einzelnen Standort. Neben den Modellen im Haus kommen nochmal fast genauso viele Autos dazu, die gerade verkauft sind, werden oder sich in der Aufbereitung befinden. Um all das, den Service, die Gebrauchten und den Neuwagenverkauf kümmern sich rund 250 Mitarbeiter.

Emre: "Ich glaube, das Arbeiten hier macht richtig Spaß"

Emre (13) wäre mal gerne einer von diesen. „Jetzt weiß ich, dass ich einen guten Schulabschluss und gute Noten brauche. Und dass der Eindruck beim Vorstellungsgespräch wichtig ist. Ich glaube, das Arbeiten hier macht richtig Spaß.“ Ziel von „Pro 10“ ist es, die Kinder möglichst realitätsnah an die Berufswelt heranzuführen. „Früher hatten wir eine enorme Quote von Jugendlichen, die nicht wussten was sie werden wollen oder die die Ausbildung abgebrochen haben, weil sie mit falschen Vorstellungen gestartet sind“, erklärt Dörthe Friess, pädagogische Leiterin im Lichtblick. Gründe: Die Kinder hatten keine Ahnung, was Arbeiten bedeutet, welche Regeln es gibt, welche Berufe realistisch für sie sind.

„Unsere Kinder kennen von ihren Eltern und Nachbarn eher schwere körperliche Arbeit und Hilfstätigkeiten, Arbeitslosigkeit gehört zur Normalität. Es mangelt ihnen an Vorbildern. Sie erlernen nicht die notwendigen persönlichen und sozialen Kompetenzen, um auf dem modernen Ausbildungsmarkt Chancen zu haben.“ Der Satz eines ehemaligen Lichtblick-Kindes ist bezeichnend: „Ich habe viel mehr Angst zu arbeiten als arbeitslos zu sein.“ Seit über zehn Jahren gibt es deshalb „Pro 10“. „Gerade mit zehn, elf Jahren haben die Kinder großes Interesse an Berufen, da können wir die Grundsteine legen und die Motivation wecken“, so Dörthe Friess.

Später kommen größerer Praktika-Einheiten und Workshops hinzu. Die Erfolgsquote spricht für sich. Inzwischen haben die meisten Lichtblick-Kinder mit dem Ende der Schulzeit den Ausbildungsvertrag in der Tasche. Ein Jahr später arbeiten 100 Prozent in einem Betrieb. Inzwischen gibt’s auch die ersten Hochschulabsolventen.

Dorit Caspary

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