„Bedauern alleine hilft aber nichts“

Nach Zugchaos: Jungpolitiker schreiben an BOB und DB Netz - die schieben sich Schuld gegenseitig zu

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Hat einen offenen Brief an BOB und DB Netz geschrieben: Thomas Klotz, Vorsitzender der JU Miesbach.

In dieser Zusammenarbeit hakt es gewaltig: In ihren Antworten auf die offenen Briefe der JU Miesbach zum schneebedingten Zugchaos im Januar schieben sich BOB und DB Netz die Schuld zu.

Miesbach - Die Zahnräder zwischen Bayerischer Oberlandbahn (BOB) und DB Netz AG greifen einfach nicht ineinander. Je mehr Details zu den technischen Gründen der tagelangen Einstellung des Zugverkehrs während des Schneechaos im Januar bekannt werden, desto stärker drängt sich dieser Eindruck auf. Aktuellstes Beispiel sind die beiden Schreiben, die die Junge Union (JU) Miesbach von BOB und DB Netz als Antwort auf ihre beiden offenen Briefe (wir berichteten) erhalten hat. Die Oberlandbahn lud die jungen Politiker gar zum Gespräch.

Nach einer mittlerweile schon oft ausgedrückten Entschuldigung an die Fahrgäste gehen beginnt das bereits ebenfalls bekannte Schwarze-Peter-Spiel. Die BOB kritisiert die nur unzureichend erfolgte Schneeräumung seitens der DB Netz AG, letztere führt diese auf die „besonderen Anforderungen“ der Integral-Züge der Oberlandbahn zurück. Die nämlich hätten mir ihren großen Räumschildern die Weichen mit Schnee zugeschoben und damit etliche Störungen verursacht. Trotz einer Steigerung der Räumaktivitäten „um das Mehrfache gegenüber vergleichbaren Alpenstrecken“ seien irgendwann die „kapazitativen Möglichkeiten“ ausgeschöpft gewesen. So habe man sich auf viel befahrene Streckenabschnitte konzentriert. Mit der Folge, dass die Gleise im Oberland hintangestellt wurden. Diese „notwendige Priorisierung“, so die DB, basiere aber auf einem gültigen Regelwerk.

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Die BOB will das Infrastruktur-Unternehmen dennoch nicht aus der Verantwortung entlassen. Nur die DB Netz habe die notwendigen Spezialfahrzeuge für die Beseitigung solcher Schneemengen, und nur sie könne Räumkräfte anfordern. „Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf“, schreibt die BOB. Der von der JU angesprochene Verkauf von einer der beiden Spurloks habe sich dabei nicht negativ ausgewirkt. „Es waren nie beide Loks gleichzeitig im Einsatz“. Freie Bahn haben soll hingegen künftig der Infofluss zwischen den Fahrgastinformationssystemen. Erste Schnittstellenprobleme seien bereits behoben worden, ein externer Prüfer kümmere sich um die Verbindung zu den Kanälen der DB Netz.

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JU-Vorsitzender Thomas Klotz hat die Antworten mit gemischten Gefühlen gelesen. „Bedauern alleine hilft nichts“, sagt er. Vielmehr müssten die versprochenen Maßnahmen schnell umgesetzt werden, die teils veraltete Infrastruktur wie gasbetriebene Weichenheizungen in Schaftlach schleunigst auf Vordermann gebracht werden. Dass es bislang keinen Notfallplan gab, „geht nicht in meinen Kopf“, sagt Klotz. Und noch weniger, warum BOB und DB Netz offenbar nach wie vor nicht miteinander klar kommen. „Diese Konstellation gibt es doch nicht erst seit gestern.“ Dass die neuen Lint-Züge der BOB die erhoffte Flexibilität bringen, kann sich der JU-Chef zwar durchaus vorstellen. „Aber warten wir mal ab, wie die mit dem Schnee zurechtkommen.“ 

sg

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