Anwohner hatten Riesen-Glück

Flugzeugteil kracht auf Feld - wie konnte das passieren?

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Dieses Flugzeugteil stammt von der Tragfläche einer Boeing. Es landete in einer Wiese sechs Kilometer östlich des Flughafens.

Das hätte schiefgehen können. In einer Wiese schlägt am Freitag früh ein großes Flugzeugteil ein, es stammt von einer Boeing 747 im Landeanflug auf München. Nur: Wie konnte das passieren?

Wartenberg - Dass Flugzeuge Eisklumpen verlieren, die auf die Erde krachen, kommt immer wieder mal vor. Doch Landwirt Konrad Ganslmaier (56) aus Wartenberg (Kreis Erding) hat jetzt die Bekanntschaft mit einem ganz anderen Kaliber vom Himmel gemacht – 30 Meter neben seinem Stall stürzte das Teil einer Flugzeugtragfläche auf seine Wiese. „Glücklicherweise ist das Teil in die Wiese eingeschlagen und nicht ein paar Meter weiter ins Wohnhaus oder in unsere Ochsenherde“, sagt Konrad Ganslmeier erleichtert.

Entdeckt hatte der Landwirt das Tragflächenteil am Freitagmorgen gegen sieben Uhr. „Auf meinem Kontrollgang zur Weide sah ich das Trumm im Gras liegen.“ Da Konrad Ganslmeier auch auf dem Fliegerhorst Erding arbeitet, kennt er sich mit Flugzeugen ein bisschen aus. „Mir war schnell klar, dass ein Flugzeug das graue Teil verloren hatte.“

Die Landwirtsfamilie Anita und Konrad Ganslmaier, links im Bild Tochter Anna.

Wie sich herausstellte, stammt der ominöse Metallkasten von einer Boeing 747-400, die der russischen Frachtfluggesellschaft CargoLogic Air gehört und im Auftrag einer weiteren russischen Gesellschaft, der AirBridge Cargo, unterwegs war. Der Fracht-Jumbo war in der Früh in Frankfurt gestartet und befand sich im Landeanflug auf München, als das Flugzeugteil sechs Kilometer östlich des Flughafens vom rechten Tragflügel abbrach. Die Maschine sei kurz nach 6 Uhr aber ganz normal gelandet, so eine Flughafen-Sprecherin.

Zu weiteren Angaben war der Flughafen nicht bereit – zum Beispiel gab es keine Auskunft, ob der Flieger jetzt einem umfassenden Sicherheitscheck unterzogen wird oder wie alt er ist. Auch das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord erklärte sich für nicht zuständig. 

Nach Informationen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig handelt es sich um ein sogenanntes Flap Track Fairing, ein Bauteil, dass die sogenannte Spindelklappe (nicht zu verwechseln mit einer Landeklappe) abdeckt. „Wir haben einen Beauftragten rausgeschickt“, sagt BFU-Sprecher Germout Freitag. Das Flugzeugteil sei sichergestellt worden und werde untersucht. Als Ursache sei vieles denkbar, zum Beispiel ein Wartungsfehler oder Materialermüdung.

Die Menschen in Wartenberg hatten „Riesenglück“, sagt der Freisinger Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl, „dass der Vorfall nicht über der Wohnbebauung von Wartenberg oder Berglern passiert ist“. Er forderte rasche Aufklärung. Die Bevölkerung habe „entgegen der Praxis an diesem Freitag“ ein Recht darauf, von den Sicherheitsbehörden informiert zu werden.

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