Böller und Pyrotechnische Munition aus dem Internet

Plante Waffensammler einen Amoklauf?

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Eine ganze Sammlung an Schreckschusswaffen hortete der junge Mann in seinem Zimmer. Angeklagt war er aber wegen erlaubnispflichtiger Pyrotechnik.

Angeklagt war er lediglich wegen des illegalen Erwerbs von Feuerwerk und pyrotechnischer Munition. Doch der 22-Jährige entpuppte sich als Waffensammler, der potenziell eine Gefahr für sich und andere darstellt.

ERding - Im September 2015 soll der junge Mann aus dem südlichen Landkreis insgesamt über 100 Stück Böller und pyrotechnische Munition übers Internet bestellt haben – ohne über die erforderliche waffen- und sprengstoffrechtliche Erlaubnis zu verfügen. Silvester wollte er das in die Luft jagen.

Der 22-Jährige flog auf, weil das Landeskriminalamt (LKA) Berlin den Händler aufgespürt hatte. Das Münchner LKA bat die Erdinger Polizei, dem jungen Mann einen Besuch abzustatten.

Der ermittelnde Beamte sagte als Zeuge aus, dass der Mann nach anfänglicher Verschlossenheit kooperativ gewesen sei. Doch nicht nur das hoch explosive Feuerwerk wurde sichergestellt.

Nach Informationen unserer Zeitung – wesentliche Teile der Hauptverhandlung unter der Leitung von Richter Michael Lefkaditis fanden zu Schutz des Angeklagten nicht-öffentlich statt – wurden zudem acht Kurz- und zwei Langwaffen gefunden, dazu weit über 1000 Schuss Munition. Beides durfte der junge Mann besitzen, da es sich um keine erlaubnispflichtigen Gegenstände handelte, darunter Schreckschusspistolen. Allerdings sagte der Polizist auch aus, dass der junge Mann fachlich in der Lage gewesen wäre, aus den Grundstoffen scharfe Muntion herzustellen.

Der Angeklagte soll zudem jede Menge Shooterspiele gehortet haben, Kriegs- und Angriffssimulationen, bei denen es darum geht, möglichst viele Computerfiguren zu töten – teils sehr realitätsgetreu.

Was den Ermittlern die größte Sorge machte, war ein Brief vom Herbst 2011. Darin hatte der derzeit Arbeitslose seinen Suizid angekündigt. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Brief zudem den Passus enthalten haben, weitere Menschen in seinen Freitod mitzunehmen. Die Ermittler verstanden den Inhalt als mögliche Androhung eines Amoklaufs.

Deswegen kam es wegen des Munitions- und Böllerkaufs zur Verhandlung. Lefkaditis erklärte, man wolle sich ein „aktuelles Bild vom Angeklagten hinsichtlich dessen Schuldfähigkeit machen“.

Aus gutem Grund: Der 22-Jährige befindet sich seit geraumer Zeit in psychiatrischer Behandlung, derzeit stationär in einer Klinik am Chiemsee. Einzelheiten diesbezüglich wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörtert.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung plädierten dafür, den jungen Mann seine stationäre Therapie fortsetzen zu lassen. Abbrechen dürfe er sie nicht. Für die Zeit danach muss er nach dem Urteil Lefkaditis’ nachweisen, dass er sich ambulant in psychotherapeutische Behandlung begibt. Weil er arbeitslos ist und nur ein Taschengeld bezieht, wurde auf eine Geldauflage verzichtet.

Der Richter erklärte, im Mittelpunkt des Prozesses stehe das Bestreben, dass der Angeklagte wieder ein normales Leben führen sowie eine Ausbildung antreten könne. Vor allem dürfe er nicht in Versuchung geraten, neue Straftaten in diese Richtung zu begehen. Sämtliche Waffen und Munition hat er freiwillig zurückgegeben. Das Landratsamt Erding hat ihm zudem den Besitz selbst erlaubnisfreier Waffen untersagt.

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