In Geretsried

Bombe erfolgreich entschärft

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Diese Bombe wurde von den Experten freigelegt und entschärft

Geretsried - Kritischer Fund während Bauarbeiten: In Geretsried ist am Donnerstagmorgen in einem Wohngebiet eine Fliegerbombe entdeckt worden. Nun wurde die Bombe entschärft.

Ein Bombenfund am Fasanenweg hat das Leben in der Geretsrieder Innenstadt gestern bis zum frühen Nachmittag lahmgelegt: Etwa 500 Bürger mussten nach Aufforderung der Polizei ihre Häuser verlassen, Einzelhändler an der Egerlandstraße ihre Geschäfte zusperren. Die Straßen wirkten wie ausgestorben. Rund fünf Stunden hielt die Ungewissheit an, dann erreichte die Bevölkerung um 14 Uhr die gute Nachricht: Einem Spezialkommando war es gelungen, die knapp 75 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen.

Den folgenschweren Fund machten Bauarbeiter am Donnerstag gegen 9 Uhr am neuen Wohngebiet Fasanenhof. Laut Walter Siegmund, Leiter der Polizeiinspektion Geretsried, stieß eine Baggerschaufel in rund 60 Zentimetern Tiefe auf das zündfähige Weltkriegs-Relikt. Umgehend rückten Feuerwehr und Polizei an und sperrten den Fundort weiträumig ab. Der alarmierte Truppführer für Kampfmittelräumung, Martin Tietjen, inspizierte anschließend mit größter Vorsicht den 68 Kilo schweren Koloss. „Nachdem er den Bombentyp zweifelsfrei identifiziert hatte, haben wir den Sperrbezirk entsprechend der Vorschriften erweitert“, erklärte Einsatzleiter und Vize-Dienststellenchef Johann Brandhuber das Vorgehen. Konkret bedeutete das eine Ausweitung des Evakuierungsradius von 100 auf 300 Meter. Damit schloss er das dicht besiedelte Wohngebiet zwischen Rotkehlchenweg im Norden, Egerlandstraße im Westen, Prießnitzweg im Süden und Lerchenweg/Ecke Schwalbenweg im Osten ein.

Per Radiodurchsagen wurde die Bevölkerung aufgefordert, das betroffene Gebiet unverzüglich zu verlassen und alle Fenster zu schließen. Zudem marschierten Bereitschaftspolizisten in Dreiergruppen von Haus zu Haus und klingelten an jeder Eingangstür. Bei vielen Bürgern stieß die Evakuierung auf mehr, bei anderen auf weniger Verständnis. „Wir haben niemanden gezwungen, das Haus zu verlassen“, berichtete Einsatzleiter Brandhuber. „Die Leute wurden aber sehr deutlich auf die Gefahren hingewiesen, die ein Verbleib hätte bedeuten können. Die meisten hatten großes Verständnis.“ Andere Passanten dagegen diskutierten lautstark mit Polizisten und Feuerwehrmännern an den Straßensperren. Über Facebook appellierte die Stadt an die Bürger: „Bitte bleiben Sie ruhig und finden sich im Ratsstubensaal ein.“ Dort richtete die Verwaltung gemeinsam mit Kräften des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) kurzfristig eine Sammelstelle ein. Die Wirtsleute versorgten die Evakuierten auf Kosten der Stadt mit Getränken und einem warmen Mittagessen à la carte.

Um 11 Uhr wurde das Angebot noch kaum wahrgenommen. „Ich mache lieber Besorgungen“, sagte eine Geretsriederin, nachdem sie sich kurz in den Ratsstuben umgesehen hatte. Zwei Stunden später tummelten sich gut 100 Personen im Saal des Gasthauses. Mitarbeiter des BRK erfassten jeden Neuankömmling handschriftlich auf einer Karteikarte. „Das ist das normale Vorgehen, um im Ernstfall einen Überblick über mögliche Vermisste zu haben“, erklärte Einsatzleiterin Manuela Leicher. Die Helfer seien darauf vorbereitet, „so lange für die Menschen da zu sein, wie es nötig ist. Ein Zeitlimit gibt es nicht“. Unterdessen fuhren nachalarmierte Kräfte der Weidacher Feuerwehr ab 12.30 Uhr durch die gesperrten Straßen und machten Lautsprecherdurchsagen. „Zuerst haben wir die Kinder an den Schulen informiert“, sagte Geretsrieds Feuerwehrkommandant Martin Kagerer. Schüler, die im Sperrgebiet wohnen, wurden aufgefordert, nach Unterrichtsschluss zu ihrer eigenen Sicherheit im Schulgebäude zu bleiben oder zu den Ratsstuben zu gehen.

Waltraud Danzer, die seit 33 Jahren am Fasanenweg wohnt, war äußerst besorgt: „Unsere Katze Mecky ist noch im Haus. Ich hoffe, wir dürfen sie noch holen.“ Andere Bewohner huschten zurück in ihre Häuser, um ihre Geldbörsen, Personalpapiere oder lebenswichtige Medikamente einzustecken. „Man weiß ja nicht, wie lange der Einsatz dauert und ob wirklich alles gut geht“, so Klaus Weiß.

Die Gespräche unter den Evakuierten in den Ratsstuben drehten sich natürlich um den Bombenfund. Vielen Bürgern schossen die Bilder aus Schwabing durch den Kopf: Dort musste im August vergangenen Jahres eine Fliegerbombe kontrolliert gesprengt werden. Ein großer Feuerball stieg in den Münchner Nachthimmel, der Sachschaden an Wohnhäusern und Büros ging in die Millionen. „So etwas wäre schrecklich“, meinte eine ältere Dame. „Nicht auszumalen, wenn auch so eine Bombe irgendwo in meinem Garten vergraben liegt. Das kann man ja nie wissen.“ Insgesamt wirkte die Stimmung aber gelöst, wirklich ernsthafte Sorgen machte sich offenbar niemand.

Bombe in Geretsried entschärft

Bombe in Geretsried entschärft

Nachdem alle Anwohner in Sicherheit waren, verließen gegen 13.45 Uhr Polizei und Feuerwehr den Fundort am Fasanenweg. Sprengmeister Tietjen und sein Kollege Frank Zeitz blieben allein mit der Bombe, die 32 Kilogramm des Sprengstoffs TNT enthielt. 15 Minuten brauchten die beiden, um den Sprengkörper auszugraben und dessen Zünder zu deaktivieren. Nachdem die zwei Experten Entwarnung gegeben hatten, hob die Polizei um kurz nach 14 Uhr die Sperrmaßnahmen wieder auf.

Während des gut fünfstündigen Einsatzes waren laut Siegmund 50 Beamte der Geretsrieder Polizei, umliegender Dienststellen und der Bereitschaftspolizei München im Einsatz. Dazu kamen laut Feuerwehrkommandant Kagerer 38 Feuerwehrmänner, die für Straßensperrungen und den Brandschutz zuständig waren.

Von Sebastian Dorn

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