Unfälle, Brände und eine Amokfahrt

Irres Einsatz-Wochenende im Landkreis Erding

Landkreis - Dieses Wochenende wird Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehren noch lange in den Knochen stecken. Ein Einsatz jagte den nächsten, darunter zwei Brände und zwei schlimme Unfälle. Einer davon entpuppte sich sogar als Amokfahrt.

Das größte Unglück ereignete sich am Samstagabend gegen 22 Uhr im Neufinsinger Moos. Der Stadl eines landwirtschaftlichen Anwesens an der Ismaninger Straße ging in Flammen auf. 130 Einsatzkräfte von acht Feuerwehren aus den Landkreisen Erding und München waren teils elf Stunden lang im Einsatz. Die letzten Kräfte kehrten erst am Sonntag gegen 10 Uhr in ihre Gerätehäuser zurück.

Flammen waren weithin zu sehen

Zum Hergang berichtet Kreisbrandmeister Christian Albert unserer Zeitung, dass der Flammenschein kilometerweit sichtbar war. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrler stand der etwa 15 mal 15 Meter große Stadl in Vollbrand. „Der war nicht mehr zu retten, deswegen galt unsere ganze Aufmerksamkeit dem in Wohnraum umgebauten früheren Stall sowie dem Wohnhaus. Beides konnten wir retten“, so der Einsatzleiter. Zuvor war sichergestellt worden, dass weder Menschen noch Tiere zu Schaden kamen. Alle hatten sich rechtzeitig ins Freie retten können.

130 Kräfte der Feuerwehren Eicherloh, Eichenried, Finsing, Niederneuching, Oberneuching, Altenerding, Ismaning, Hochbrück sowie die Kreisbrandinspektion, der Katastrophenschutz des Landkreises Erding, Polizei und Rettungsdienst waren vor Ort. Unter Atemschutz drangen die Retter ins Gebäude. Zentnerweise Stroh und Heu galt es zu löschen – eine Sisyphusarbeit. Die Ernte wurde mit Baggern ins Freie geschleppt gebracht und dort mehrmals abgelöscht.

Weil die Brandursache unklar ist, ermittelt die Kripo Erding. Kreisbrandmeister Albrecht geht von einem Schaden „in Höhe von mehreren 100 000 Euro aus.

Amokfahrt: Frau rast in Wartehäuschen

Der spektakulärste Einsatz war eine Amokfahrt am späten Freitagabend. Zu der wilden Tour kam es gegen 23 Uhr in Altenerding. Ermittlungen der Polizei zufolge war eine 49-Jährige wiederholt mit ihrem Partner in Streit geraten, so auch am Freitag. Nach einer heftigen verbalen Auseinandersetzung, die in Klettham weithin zu hören war, setzte sich die Erdingerin ans Steuer und drückte das Gaspedal durch. Wenig später stoppte sie noch einmal neben ihrem Lebensgefährten, beide stritten noch einmal. Wiederum gab die Frau Vollgas. Der Citroen schoss die Liegnitzer Straße in Richtung Klinikum hoch. Auf Höhe des Busbahnhofs/Ecke Bajuwarenstraße verlor sie die Kontrolle über ihren Wagen. Dieser donnerte über eine Verkehrsinsel und krachte dann nahezu ungebremst in ein Wartehäuschen. Dieses wurde komplett abgeräumt. Auch Werbetafeln, Verkehrszeichen und Zeitungskästen wurden zermalmt. Hätten sich an der Haltestelle Menschen aufgehalten, hätte es vermutlich Schwerstverletzte, wenn nicht gar Tote gegeben. Die Trümmer flogen teils über 30 Meter weit. Die Amokfahrt wird ein juristisches Nachspiel haben.

Die Frau, die mit über 0,3 Promille alkoholisiert war, erlitt schwere Verletzungen und wurde vom BRK-Rettungsdienst ins benachbarte Klinikum gebracht. Zwei Stunden mit Bergungsarbeiten beschäftigt war die Feuerwehr Altenerding.

Brand im BayWa-Lagerhaus Unterstrogn

Fast zeitgleich meldete die Integrierte Leitstelle Erding den nächsten Großeinsatz – Brand im BayWa-Lagerhaus Unterstrogn (Gemeinde Bockhorn). Zwölf Feuerwehren rückten wegen des hohen Gefährdungspotenzial des Großlagers aus. Ersten Erkenntnissen zufolge war es beim Einbringen der Getreideernte in die Großspeicher bei einem Förderband zu einem technischen Defekt gekommen. Das lief daraufhin heiß, Flammen schossen aus der Anlage. Gegen 23 Uhr setzte ein Lademeister den Notruf ab. Vor Ort stellte sich heraus, dass der Brand schnell in den Griff zu bekommen war. Er wurde abgelöscht. Danach wurde die Anlage auseinander gebaut, um auch an die letzten Glutnester zu gelangen. Die Löscharbeiten zogen sich bis in den Samstagvormittag hinein.

Im Einsatz waren neben der Polizei Erding, dem Einsatzleiter Rettungsdienst, einem Rettungswagen aus Erding, dem Notarzt aus Moosburg die Feuerwehren Bockhorn, Eschlbach, Grünbach, Erding, Altenerding, Reichenkirchen, Fraunberg, Walpertskirchen, Taufkirchen/Vils, Dorfen, Kirchasch und Langengeisling.

Fünf Verletzte beim Überholen

Am Samstagvormittag ereignete sich auf der Kreisstraße ED 5 Moosinning – Notzing nahe Kempfing ein schwerer Unfall, bei dem fünf Insassen verletzt wurden. Kurz vor 10 Uhr, so die Polizei, wollte eine 24-Jährige aus dem Raum Stuttgart ein Traktor-Gespann überholen. Dabei übersah sie den entgegenkommenden Wagen einer Moosinningerin (21). Es kam zum seitlich versetzten Frontalzusammenstoß. Der Wagen der Moosinningerin überschlug sich und landete auf der Seite im Graben. Die Frau wurde schwer verletzt vom Rettungshubschrauber Christoph 1 ins Klinikum Schwabing geflogen. Die Verursacherin und ihre vier Mitfahrer wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Sie kamen ins Klinikum Erding. Beide Wagen sind Schrott. Die Polizei sucht unter Tel. (0 81 22) 96 80 den Traktor-Fahrer und weitere Zeugen.

Von Hans Moritz

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