„Wir werfen jeden Tag Sachen weg“

Diese Baustelle wird zum Umsatz-Killer: Geschäftsleute mit Wutausbruch

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Stein des Anstoßes: Geschäftsleute sind mit der Baustelle in der Postgasse nicht einverstanden.

Unter den Geschäftsleuten in der Murnauer Postgasse rumort es. Die derzeitige Baustelle – verlegt wird eine Fernwärme-Leitung – vergraule die Kundschaft und schade dem Umsatz, heißt es. 

Murnau – Olaf Kappelmeyer, der in der Postgasse einen Weinladen betreibt, ist stinksauer: „Wie lange gedenken Sie noch die Geschäftsleute in Richtung des Ruins zu treiben“, fragt er provokant in einer Beschwerde-Mail. Die Empfänger: Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und das Bauamt. Eine Kopie ging auch ans Tagblatt. Der Grund für den Wutausbruch des Unternehmers: Seit einigen Wochen wird vor seinem Geschäft gewerkelt. Baufirmen haben die Straße auf der gesamten Länge aufgerissen, um im Auftrag der Gemeindewerke eine Fernwärme-Leitung in den Untergrund zu bringen.

Der Haken an der Sache: Kunden können nicht mehr mit dem Auto direkt vor dem Laden parken. Und auch für Fußgänger ist das Umfeld nicht einladend. Es gibt nicht einmal eine Möglichkeit, die Baustelle in der Mitte zu queren. „Im Moment kommen nur Stammkunden“, berichtet Kappelmeyer. Und das sei zu wenig. „Mit Beginn der Bauarbeiten haben wir mit Umsatzverlusten zu kämpfen. Mittlerweile bewegen wir uns bei einem Minus von 40 Prozent“, beklagt er. Wenn dies so weitergehe, könne er bald seine Kosten nicht mehr decken. Der Händler will gar nicht daran denken, dass 2019 seitens der Gemeinde eine Neugestaltung der Postgasse geplant ist und abermals Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Wie berichtet, soll die Verbindung zwischen Fußgängerzone und Bahnhofstraße aufgewertet werden. Kappelmeyer bräuchte dies nicht: „Mir gefällt die Postgasse so wie sie ist.“

Mit seiner Meinung ist er nicht alleine. Im gleichen Geschäftsgebäude, das Alteingesessene „Lenggrieser Haus“ nennen, betreibt Susanne Binder den „Staffelsee-Kramer“, der sich auf regionale Lebensmittel und Produkte spezialisiert hat. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt sie. Auch bei ihr seien die Einnahmen spürbar zurückgegangen, weil aufgrund der Bauarbeiten Kunden ausblieben. „Wir werfen jeden Tag Brot und Semmeln für 100 bis 150 Euro weg“, erklärt sie. Ihrer Einschätzung nach komme die Fernwärme-Aktion nur schleppend voran und wirke unkoordiniert. Beispielsweise habe sie einmal ihren Laden extra für drei Tage geschlossen, weil angeblich direkt davor gegraben werden sollte. Aber dazu sei es dann erst später gekommen. Von der Sanierung des Abschnitts hält Binder nichts: „Das sind rausgeschmissene Steuergelder“, meint sie.

Etwas zurückhaltender äußert sich Peter Dippl, der in dem Quartier die Engel-Apotheke hat. Aber auch er bestätigt: „Die Kunden sind verärgert, was den Anfahrtsweg angeht.“ Er könnte sich aber mit einer neuen Optik für die Postgasse anfreunden. Vorstellbar wären etwa mehr Grün und eine verkehrsberuhigte Zone.

Für Wolfgang Köglmayr – der ehemalige CSU-Gemeinderat und Post-Hotelier ist Miteigentümer des besagten „Lenggrieser Hauses“ – ist die Sache klar: Die Gemeinde müsse vom Gas gehen und den Geschäftsleuten eine Verschnaufpause gönnen. Er plädiert dafür, das Verschönerungsprojekt Postgasse noch ein bis zwei Jahre zu verschieben. „Es muss wieder Ruhe reinkommen“, sagt er. Schließlich sei auch die zurückliegende Sanierung des KTM-Platzes für alle Anlieger eine Belastung gewesen.

Die jetzige Baustelle dürfte schon bald beendet sein. Laut Angaben der Rathaus-Verwaltung soll nächste Woche die Straßendecke wieder hergestellt sein. Wirtschaftsförderer und Pressesprecher Jan-Ulrich Bittlinger versucht, die Wogen zu glätten: „Der Markt Murnau ist bemüht, die Einschränkungen für Einzelhändler und Anwohner bei Baumaßnahmen so gering wie möglich zu halten. Wir werden weiter daran arbeiten, noch intensiver im Dialog mit den Einzelhändlern Lösungen zu suchen, damit die Geschäftsbeeinträchtigungen so gering wie möglich bleiben“, erklärt er. Im Hinblick auf die geplante Neugestaltung der Postgasse werde die Wirtschaftsförderung die Argumente und Befürchtungen des Einzelhandels nochmals innerhalb der Verwaltung diskutieren und im Gemeinderat vortragen.

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