Bratwurst Glöckl: Jetzt ist auch der Seniorwirt tot

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Die Wirtefamilie Beck in glücklichen Zeiten in den 1990er-Jahren, als das Bratwurst Glöckl noch in Familienbesitz war: Michi Beck mit Schwester Christine und Vater Gerhard.

München - Beck war einmal ein großer Name in der Münchner Gastronomie-Szene. War einmal – denn der letzte Wirt, der den berühmten Familiennamen trug, ist tot: Gerhard Beck, der Seniorwirt vom Bratwurst Glöckl am Dom.

Er starb eineinhalb Jahre nach seinem Sohn – der nach Manila geflohene Bratwurst-­Michi, der im März 2009 den Folgen seines Selbstmordversuches erlegen war.

Wie die tz erfuhr, starb Gerhard Beck (79) am vergangenen Donnerstag in einem Pflegeheim in Oberau. Hier hatte der Herz- und Diabeteskranke Senior die letzten Wochen seines Lebens verbracht. Ein Leben, das der Sohn zerstört hatte, indem er den Betrieb – das Bratwurst Glöckl war seit 1893 in Familienbesitz – 2003 an die Augustiner Brauerei verkaufte. Michi hatte dem Vater eine Leibrente versprochen, zahlte diese aber bald nicht mehr. Verarmt und schwer krank hatte Gerhard Beck zuletzt nicht mehr sehr am Leben gehangen, wie seine Frau Christine (57) der tz erzählt: „Ich glaube, er hat nicht mehr wollen.“

Christine Beck, Gehards zweite Frau und die Stiefmutter von Michael, war die einzige, die dem Seniorwirt am Ende noch nahe stand. „Wir haben gemeinsam in einer Wohnung in Planegg gewohnt. Am 13. Juli kam Gerhard nach Großhadern ins Krankenhaus. Ihm sollte womöglich auch noch das zweite Bein amputiert werden.“

 Soweit kam es zwar nicht – Gehard Becks Zustand wurde trotzdem immer schlechter. Von Großhadern wurde er in die Klinik Feldafing verlegt, von dort ins Pflegeheim. „Er war so geschwächt, er konnte nicht mehr stehen oder gehen, ja, sich nicht einmal mehr alleine aufsetzen. Am 14. Oktober ist er ganz friedlich eingeschlafen. Ich war bei ihm“, sagt Christine Beck, die seit 1996 mit Gerhard verheiratet war.

1996 war das Schicksalsjahr der Wirtefamilie. In diesem Jahr überließ Gerhard Beck das Bratwurst Glöckl seinem Sohn. Er hatte an Michi geglaubt, obwohl dieser vorher nicht gerade als zuverlässig bekannt war: Der gelernte Koch und Metzger mit eigener Metzgerei hatte schon in den 80er Jahren große Geldbeträge verzockt und war immer wieder in Schwierigkeiten zu geraten. 1985 verschwindet er – offenbar auf der Flucht vor der Glücksspiel-Mafia – für acht Jahre nach Asien. Auf den Philippinen lernt er seine spätere Frau Nadja kennen, arbeitet für große Hotelketten in Shanghai und Hongkong. 1993 kehrt er mit Nadja nach München zurück, steigt in das Familienunternehmen ein.

Das Bratwurst Glöckl war in der Branche als Goldgrube bekannt, als Wirt konnte man eigentlich nicht viel falsch machen. Aber Zocker Michi wusste einfach nicht mit Geld umzugehen, machte Millionen Schulden und verkaufte die Gaststätte 2003 schließlich für 7,5 Millionen Euro an Augustiner. Doch das Millionenpolster hielt nicht lange: 2006 ging die nach dem Verkauf gegründete Bratwurst Glöckl GmbH Pleite, es folgte die Flucht nach Manila und das traurige, selbst gesetzte Ende des schillernden Wirtes 2009.

Gerhard Beck war vom Verkauf des Betriebes entsetzt – und wurde obendrein zum Sozialfall, als Michi nach der Pleite die zugesicherte Rente nicht mehr bezahlte. Auch seine zweite Frau Christine ist mittellos. Ihr einziges Ziel ist im Moment eine schöne Trauerfeier für Gerhard zu gestalten. „Ich habe noch keinen Termin. Gerhard wird in Oberau eingeäschert und ich muss warten, bis die Urne nach München überführt ist.“ Dann wird der einst so berühmte Wirt aller Voraussicht nach im Familiengrab im alten Teil des Waldfriedhofes beigesetzt. Christine erzählt mit erstickter Stimme, welches Lied er sich für die Trauerfeier gewünscht hat: „I Did It My Way von Frank Sinatra.“

Sim one Herzner

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