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„Uralte Handwerkstradition kommt zurück“: Brauerei öffnet wieder in Garmisch

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Von: Katharina Bromberger

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Zwei Männer stehen nebeneinander und lächeln, hinter ihnen etliche Kästen Bier.
Wollen ihre Heimat mit echt heimischem Bier versorgen: Antonius Huber (l.) und Alexander Müller brauen, so der Plan, Anfang 2023 an der Brauhausstraße und holen ein altes Handwerk zurück nach Garmisch-Partenkirchen. © Thomas Sehr

Garmisch bekommt wieder eine Brauerei. Damit realisieren Antonius Huber und Alexander Müller ihren Traum: Ein Garmischer Bier auf den Markt zu bringen - und dieses in ihrer Heimat herzustellen und abzufüllen.

Garmisch-Partenkirchen – Einige Freunde freilich sind eingeweiht in die Pläne. In die Verhandlungen. In das riesige Projekt, das Woche für Woche konkreter wird. Was viele dieser Freunde wissen wollen: Ob die beiden schlafen können. „Ich schlaf wie ein Baby“, sagt Alexander Müller. Schließlich kam nichts von heute auf morgen, alles hat sich Schritt für Schritt entwickelt.

Zudem arbeiteten er und sein Partner Antonius Huber genau darauf hin: ihre eigene Brauerei, in ihrer Heim at. Darauf, dass das Brauhaus Garmisch zurückkehrt. Jetzt stehen sie kurz vor dem Baustart. „Jeden Tag kann es losgehen“, sagt Huber. Ein genehmigter Bauplan liegt längst vor. Auch er hat seinen gesunden Schlaf wiedergefunden, nachdem er die Kreditzusage von der Bank bekommen hatte. Einen Millionenbetrag investieren die beiden, die genaue Summe nennen sie nicht.

Bald wieder Brauerei in Garmisch: Anfang 2023 soll dort Garmischer Hell produziert werden

2018 präsentierten Müller und Huber am 1. Mai erstmals am Richard-Strauss-Platz ihr Garmischer Hell. Die Rezeptur dafür war auf der Testanlage entstanden, die sich Müller – er kümmert sich ums Bier, Huber ums Administrative und Finanzielle – auf dem ehemaligen Brauereigelände im Ortsteil Garmisch eingerichtet hat. Hergestellt jedoch wurde und wird es in Ingolstadt. Von Beginn an wollten die beiden das ändern und, sagt Huber, „unsere Heimat mit echt heimischem Bier beliefern“.

Da ergab sich eine Chance. Der Steinmetzbetrieb Falk schloss, das 1328 Quadratmeter große Grundstück – Huber hat die Zahl sofort parat, wurde in diesem Jahr doch Augustinerbräu gegründet – samt Gebäude stand zum Verkauf. Nun pachten die Unternehmer das Areal von den Käufern, deren Namen sie nicht in der Zeitung lesen wollen. Kommt nichts dazwischen, starten Müller und Huber Anfang 2023 mit der Produktion. Garmischer Bier von der Brauhausstraße 23 – wie gut das klingt in ihren Ohren. Und wie richtig. „Endlich kommt eine uralte Handwerkstradition zurück“, sagt Müller.

Brauerei in Garmisch: Bis 1972 wurde an der Brauhausstraße Bier gebraut

Gleich nebenan, Brauhausstraße 19, wurde bis 1971 Garmischer Bier gebraut, dann übernahm Löwenbräu die Geschäfte. Ein kurzes Gastspiel. 1972 war endgültig Feierabend. Auf etwa 30 000 Hektoliter pro Jahr kamen Müllers und Hubers Vorgänger. Etwas kleiner wollen die beiden 39-Jährigen einsteigen.

Auf 10 000 Hektoliter ist die neue Anlage ausgerichtet. Wenig natürlich im Vergleich zu den großen Namen – Augustiner produziert jedes Jahr um die 1,7 Millionen Hektoliter Bier, Paulaner etwa sechs Millionen. Viel aber im Vergleich zu bisher: Aktuell werden um die 1200 Hektoliter Garmischer Bier hergestellt.

Die Menge fast zu verzehnfachen, halten die beiden für überaus realistisch. Dahinter stecken Erfahrungswerte. Etwa beim Starnberger Brauhaus oder bei Hoppe-Bräu in Waakirchen haben sie sich umgehört und gesehen: Die Verbundenheit spielt eine wichtige Rolle, der Sympathiefaktor. „Wenn du daheim braust, entsteht das Wir-Bier-Gefühl“, sagt Huber. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die beiden vergrößern und verändern das Sortiment. Das Garmischer Hell beispielsweise wird ein neues Bier. Damit reagieren Müller und Huber auf vielfachen Wunsch.

Garmischer Hell wird Kellerbier, das Helle wird ein filtriertes Bier

Der „alt eingesessene Bierexperte“, sagt Huber, der Münchner Biere um Augustiner und Co. gewohnt ist, trinke filtriertes Helles. Kein naturtrübes, unfiltriertes wie das Garmischer. Das wird auf keinen Fall verschwinden, nur bekommt es einen neuen Namen: Kellerbier.

Alle Rezepturen liegen bereit. Am bisherigen Unfiltrierten ändert sich ohnehin nichts außer das Etikett. Jene für das neue Helle hat Müller, der Biotechnologie studiert hat, längst ausgetüftelt. Ebenso wie jene fürs Weißbier. „Viele fragen danach.“ Bewusst gehen die Unternehmer damit jedoch erst auf den Markt, wenn es zu 100 Prozent in Garmisch-Partenkirchen entsteht.

Qualität für Garmischer Brauhaus das oberste Gebot: Top-Rohstoffe und eigenes Labor

Eines hebt Müller dabei hervor: die Qualität. „Wir wollen uns abheben vom Industriebier.“ Soll heißen: Nur Top-Rohstoffe will er verwenden – dabei helfe die 1A-Wasserqualität. Sogar ein eigenes Labor wird er sich einrichten. „Alles andere als gewöhnlich in unserer Größe.“ Für Müller aber ein Muss. Genauso wichtig war den beiden Unabhängigkeit. Dazu gehört eine eigene Abfüllanlage. Brauen, abfüllen, etikettieren, liefern – alles bleibt im Haus.

Zudem können sie damit ein weiteres Ziel realisieren. Bislang verkaufen sie ihr Garmischer Hell in der schlanken sogenannten NRW-Flasche. Mit ihrer eigenen Brauerei steigen sie auf die bauchigere Euro-Variante um. „Endlich“, sagt Huber. „Wir wollten von Anfang an dieses Format.“

Brauerei in Garmisch: Neues Format von Garmischer Hell

Doch gab es in Zusammenarbeit mit der Ingolstädter Bauerei nur die NRW-Möglichkeit. Ihre Abfüllanlage wird auf ein weiteres Maß eingestellt: 0,33 Liter. Neue Rezepte, neue Biere, neue Flaschen – das ist noch nicht alles. Hinzu kommt eine neue Größe. Künftig wird es das Helle auch als 0,33-Liter-Variante geben.

Zu zweit können die beiden das künftig nicht mehr stemmen. Um zusätzliche acht Mitarbeiter plus Bierfahrer soll das Unternehmen wachsen. Auch nichts, was ihnen den Schlaf raubt. Entspannt blicken sie auf ihre Zukunftspläne. Doch sie wissen, einen Moment wird es geben, in dem es vorbei sein wird mit der Ruhe: sobald die Brauanlage eingebaut wird. „Das wird. . . puh“, sagt Müller. „Oh ja“, sagt Huber und atmet tief durch. Der große Moment, wenn ihr Brauhaus Garmisch Realität ist.

Bierschein: So kann jeder das Brauerei-Projekt unterstützen

Ein Bier für die Heimat und ihre Bewohner wollen Antonius Huber und Alexander Müller brauen. Das allein reicht ihnen nicht. „Wir wollen die Menschen mitnehmen“, sie für ihr Projekt begeistern, betont Huber. So kam ihnen die Idee mit den Bierscheinen. Darüber hat jeder die Möglichkeit, das Projekt Brauhaus Garmisch zu unterstützen und gleichzeitig Bier zum Sonderpreis zu beziehen. Das Prinzip ist einfach: Interessierte können den Bierschein, eine Art Wertgutschein, in verschiedenen preislichen Abstufungen erwerben und bekommen dafür jährlich die auf dem Bon festgelegte Menge Bier – sieben Jahre lang. Denn so lange laufen die Scheine. Verschiedene Varianten bieten Huber und Müller an: Los geht es bei 250 Euro, dafür gibt es jährlich 30 Liter Bier, macht insgesamt 210 Liter. „Besser als jede Kapitalanlage“, sagt Huber, der früher im Finanzwesen gearbeitet hat. Denn Privatleute und Gastronomen bekommen über den Bierschein nicht nur einen Rabatt auf den aktuellen Bierpreis, sie sichern sich diesen zudem auf sieben Jahre – egal, wie er steigen mag. Wer größer einsteigt – die 5000-Euro-Variante mit jährlich 600 Litern Bier richtet sich vor allem an Unternehmen – bekommt zudem eine Palette mit eigenem Etikett. Auch profitieren Unterstützer je nach Gutschein-Höhe von Aktionen wie Führungen durch die Brauerei und limitierten Sorten. Bis August können Interessierte ihren Schein erwerben. Sobald Anfang 2023 die ersten Flaschen des Hellen an der Brauhausstraße 23 produziert und abgefüllt sind, holen sich die Bierschein-Besitzer einfach ihre Premieren-Tragl ab. Informationen gibt es unter brauhausgarmisch.de/bierschein. (kat)

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